mich hineingefragt, ob mir die böse Tat nicht leid sei. Anfangs hab ich darauf geschwiegen, dann hat er geschimpft und gepredigt, und zuletzt hab ich eben zu allem Ja gesagt. Dann hat er unterm Protokollschreiben vor sich hingebrummelt: 'Sie sagt, sie trage Reue und Leid vor Gott und den Menschen, und solle ihr gewiss nicht wieder fürkommen, und bitte Gott und die liebe Obrigkeit um Verzeihung und um eine gnädige Straf!' Du weisst ja, er sagt das, was er schreibt, immer vor sich hin, es ist dann so gut wie vorgelesen. Aber meine eigene Wort sind's nicht, sondern er hat sich's eben aus meinem Ja herausgenommen, und Ja hab ich gesagt, nur dass es einmal ein ende nimmt, denn sonst wär ich gar nicht fortkommen, und dir selber hat's ja so schon zu lang gedauert, ich hab gemeint, du wollest mich fressen, wie ich kommen bin."
"Geh", sagte er, "das gefällt mir nicht, dass du dich hast so runtertun lassen. Hättest besser hinstehen sollen."
"Du darfst mich auch noch schlecht machen", maulte sie. "Wie du bist aus der Fremde kommen und deines Vaters Haus ist dir verschlossen gewesen, gelt, da hast dich auch runtertun lassen und hast brav versprochen, du wollest nichts mehr von mir?"
"Das hab ich nicht versprochen", entgegnete er, "und der heutig Tag kann's dir am besten beweisen, dass ich's weder versprochen noch gehalten hab."
"Ja, das ist wahr", sagte sie und streichelte ihn.
"Recht hab ich aber doch", fuhr er fort, "das spür ich in meinem Herzen. Die's trifft und die vor Konvent kommen, müssen Busse tun und Strafe leiden, und sind doch um nichts schlechter als die andern. Ich weiss gewiss, die wenigsten sind sauber, und viele, die nicht vorgeladen und nicht gestraft werden, haben noch viel ärgere Sachen aufm Gewissen, und wenn vollends unser Herrgott Umgang hält und sieht nach den Gedanken, so möchte ich doch auch wissen, wer vor ihm besteht. Wenn ich dann vollends an die Offizier und Hofkavalier und an den Herzog selber denke – der treibt, was der Welt Brief ausweist, vor dem ganzen Land, und das ganz Land weiss, wer seine Damen sind, denn so heissen sie's bei Hof, wenn sie aber mit u n s d e u t s c h reden, dann erfahren wir, wie das Kind getauft ist. Und zudem geht er noch manchem ehrlichen Mann ins Revier, absonderlich in Stuttgart, wo man sich aber oft noch eine untertänige Ehr draus macht. Der gemeine Mann denkt anders drüber. Ganz kürzlich ist mir noch erzählt worden, wie's ihm ein Bauer gemacht hat auf der Jagd. Da hat er eine italienische Tänzerin, seine Hauptliebschaft, bei sich gehabt, die ist als ein Bub verkleidet gewesen, Page heissen sie's, und ist ihm hinausgekommen, dass er vielleicht geglaubt hat, sie woll ein wenig schwärmen, denn am Hof geht's her wie in der Arch Noä, und wie er so im Wald rumjagt, um sie zu suchen, trifft er einen Bauern und schreit ihm zu: 'Bauer, hast du den Pagen nicht sehen reiten in Samt, blau und weiss?' 'Ja', sagt der Bauer, 'eben ist s i e da abe.' Drauf lacht der Herzog, was er nur kann, und jagt den Berg hinunter, wie ihn der Bauer gewiesen hat. Und so einer will Resolutionen erlassen, dass zwei leute, wie wir, die's ehrlich miteinander haben, nach den Ehrennamen, die sie u n s geben, sollen gestraft werden. Und seine Mutter, die alt Herzogin, die er in Göppingen droben gefangen hält, die sagt von ihm aus, er sei nicht einmal seines Vaters rechter Sohn. Und solche leute, die sich selber des Ehbruchs beschuldigen, wollen ihre Untertanen wegen Übertretung des sechsten Gebots strafen. Da soll doch ein siedig's Donnerwetter!"
"bitte dich um Gottes willen!" sagte Christine, die ihm, obgleich sie ganz allein waren, schon mehrmals den Mund zu stopfen gesucht hatte, "du rede'st dich ins Unglück!"
"Ich sag's ja nur dir", entgegnete er, "und der Bach da wird's auch nicht ausschwätzen. Aber der Pfaff soll einmal vor den Herzog treten und ihn fragen, was er zu der bösen Tat sage und ob er nicht Gott und die liebe Obrigkeit um Verzeihung bitten wolle."
"Ich muss jetzt heim", sagte Christine, "begleit mich noch ein, wenig."
"Komm, Frau Friederin. Wenn du jetzt auch noch nichts weiter bist als das, so bist du doch mehr als des Herzogs Damen alle miteinander. 'Kebsweiber', sagt die Bibel, wenn sie's noch gnädig macht. Aber der Salomo ist ein Judenkönig gewesen und kein Herzog Karl zu Württemberg und Teck samt seinen Resolutionen."
19
"Lausbub, liederlicher!" schrie der Sonnenwirt seinem Sohne bei dessen Heimkunft entgegen, "lügst mich an, als ob du bemüht wärst, Schimpf und Schand von mir abzuwälzen, und tust in gleicher Zeit das Gegenteil, machst