in meiner Wahl, so muss ich's haben und geschieht mir recht, wenn ich's mein ganzes Leben durch büssen muss, darf mich auch über keinen andern beklagen; muss ich aber einen fremden Fehler büssen, so widerfährt mir gross Unrecht und hilft mich all mein Klagen und Schelten doch nichts mehr."
"Das sind sündliche, eigenwillige, aufrührerische Reden!" rief der Pfarrer, "Er wird's noch an Galgen bringen, wenn Er so fortfährt, nach Seinem Kopf zu leben und elterliche, obrigkeitliche und göttliche Autorität zu verachten."
"Herr Pfarrer, was werden wir uns lange mit dem rechtaberischen Tunichtgut herumstreiten?" sagte der Amtmann. "Die Obrigkeit gibt sich viel zu sehr herunter und büsst an ihrem Ansehen ein, wenn sie sich mit den Untertanen in Disputationen einlässt, absonderlich mit einem Buben, der der Rute noch nicht entwachsen ist. Hier liegen die gesetz und Verordnungen. Unsere Sache ist es, sie auszuüben, seine, sich in das Gesetz und in die Welt zu fügen. Wenn er das nicht in den Kopf bringt, so mag er dahinfahren."
"Ich glaube auch, dass es verlorene Worte sind, die man an ihn verschwendet", versetzte der Pfarrer.
"Ja, ich hab das öd Geschwätz ganz satt", sagte der Anwalt, welcher schwerlich damit die Reden des Pfarrers und des Amtmanns meinte, es aber doch im Dunkeln liess, wem diese verdriessliche Bezeichnung galt.
"Fort mit ihm! Fort!" schrien der Richter und der Heiligenpfleger.
"Einen Augenblick Geduld noch!" rief der Pfarrer. "Seine Aussage ist also, dass Er der Christina Müllerin die Ehe versprochen habe und sie heiraten wolle, wenn Sein Vater das Jawort dazu gibt?"
"Ja", antwortete Friedrich, "m i t der Einwilligung gleich jetzt, und o h n e die Einwilligung später, wenn ich mein eigener Herr bin."
Der Pfarrer wiederholte die vorigen Worte murmelnd, während er sie ins Protokoll schrieb. "Er kann gehen", herrschte er dann und klingelte. "Den Sonnenwirt!" rief er dem eintretenden Schützen zu.
Christine stand am Bach und weinte, aber ihr Gesicht klärte sich alsbald auf, als sie ihren Freund kommen sah. "Es hat den Kopf nicht gekostet", sagte er lachend. "Sie haben mir zwar schandlich getan, und zuletzt haben sie mich gar fortgejagt, weil sie nicht Meister über mich worden sind, aber sie haben mir's eben doch Schwarz auf Weiss zu Protokoll nehmen müssen, dass es zwischen uns beiden richtig ist, und das ist die Hauptsach."
Als er ihr dann erzählte, dass er wegen seines Schwures noch extra gestraft worden, war sie sehr betreten und sagte: "Ach Gott, wenn ich das gewusst hätt, so hätt ich dich nicht verraten."
"Sei nur zufrieden", entgegnete er, "sie wissen jetzt um so gewisser, dass ich dir Wort halt."
"Oh, du bist brav", sagte sie, sich an ihn anschmiegend. "Sieh, das richtet mich immer wieder auf, wenn mich das Elend zu Boden drücken will. Aber das sind wüste leute, die Herren", fuhr sie fort, "ich hätt gar nicht glaubt, dass es so herging bei ihnen. Hat der Pfarrer auch so wüst's Zeug an dich hingeschwätzt?"
"Dumm's Zeug g'nug, aber nichts Wüst's. Was hat er denn gesagt?"
Sie drückte sich noch näher an ihn an und wagte ihm nur ins Ohr zu flüstern. "denke nur", sagte sie, "'W a n n ist die böse Tat geschehen? Wo ist die böse Tat geschehen? Wie ist die böse Tat geschehen?' Das hat er mich alles nacheinander gefragt, und es hätt not getan, dass ich ihm noch mehr gesagt hätt, als ich gewusst hab. Ich bin schier in Boden gesunken, so hab ich mich geschämt. Auch hat er wissen wollen, ob's an einem Sonntag geschehen sei? Du kannst dir aber wohl denken, was ich darauf geantwortet hab."
"Man sollt's nicht glauben", sagte Friedrich, "was so ein alter geistlicher Hirt vor seinen Lämmern Sprung machen kann. Spricht der von der bösen Tat, wie er's heisst, mit einem Gesicht – so – gelt, voll Abscheu?"
"Freilich, ein Gesicht hat er dazu gemacht, als wenn's ihm recht übel wär."
"Ja, aber protokolliert eine ganze stunde fort und kann gar nicht loskommen von der bösen Tat und wärmet sich dran, wie der König David an der jungen Dirne, von der in der Bibel geschrieben steht. Wenn er's für eine Sund und ein Laster hielt, so blieb er nicht so lang dabei stehen. Mich hätt er so was fragen sollen! Ich hätt ihn an seine Frau verwiesen: die soll's ihm erzählen, wenn er's nicht mehr wisse. Etwas Ähnlich's hab ich ihnen ohnehin gesagt."
"Du bist aber keck!" versetzte Christine. "Hast du denn nicht auch Abbitt tun müssen?"
"Ich, abbitten? Ich will nicht hoffen, dass du so schmählich gewesen bist."
"Was hab ich denn machen können? Der Pfarrer hat immer auf