fordern; da behält der Schwäh'rvater seine Kronentaler brav in der Truhe und hat noch den Profit, dass ihm der fromme Schwiegersohn, so oft er den Morgen- und Abendsegen liest, um ein baldsanftseliges Ende betet. Seine erste Tochter wird auch nicht viel mitbekommen haben, wie er sie hinausgegeben hat; denn ich sehe just nicht, dass ihr Eh'krüppel sonderlich stark spekuliert, weder in Käs noch in Schwefelhölzlen. Ekonträr, im Gegenteil, seine Firma geht einen sehr bedächtlichen gang und blüht wie die späten Obstsorten; ich glaube, er hat's aufs langsam reich werden angelegt. Aber es ist doch ein Herr Handelsmann, in Stuttgart heissen sie's gar Kommerzienrat, und das ist Numero zwei. Den neuen Schwiegersohn kauft er vielleicht noch wohlfeiler, und das ist noch ein kostbarerer Artikel, das ist gar ein halber Doktor. Die Frau Chirurgussin wird sich natürlicherweise Flügel an die Haube machen lassen müssen, wenn sie mit der langen froschgrünen Stange ranggemäss über die Strasse rudern will. Schad ist's übrigens um die Magdalene. Sie gäb grad so einen Arm voll für einen wackern Junggesellen, wie Ihr z.B., Vetter. Aber so weit gibt sich der Hochmut nicht herunter, unsereiner ist ihm nicht gut genug; so eine Rasierklinge ohne Handhab' schneid't ihm immer noch besser. O blinde Welt! Die Hand vom Butten, Vetter, 's sind Weinbeeren drin."
"Meintalben Rosinen und Zibeben!" fuhr der jüngere auf. "Habt Ihr mich auf der Muck? Wollt Ihr mich ins Gered bringen? Ihr schwätzt mir da recht hinterfür heraus, wie ein Mann ohne Kopf! Was will ich von dem Mädle? Habt Ihr wo läuten hören? Bin ich dem Sonnenwirt auf irgendeine Art oder Weise zu Hof geritten? Zwar, es fragt sich noch, wenn er einen wohlfeilen Schwiegersohn finden will, ob ihm nicht einer so gut ist wie der andere. Wenn's im Abstreicht geht, darf auch ein Bettelmann zur Auktion kommen, und das ist doch just nicht meine Nummer, wie Ihr selber am besten wisst. übrigens kann mir die ganze Sippschaft gestohlen werden. Macht mir nichts vor! In dem Punkt verstehe ich keinen Spass."
"Na, wollen den Geist ruhen lassen", versetzte der ältere. "Aber soviel ist gewiss, wenn die erste Frau, die rechte Mutter, noch am Leben wär, so fiel die Aussteuer ein wenig grösser aus und der Hochmut ein wenig kleiner."
"Ja, und mancher böse Auftritt wär unterblieben und mancher Lärm und Spektakel bei Tag und auch bei Nacht, der die Sonne mehr in Finsternis als in Glanz brachte bei der Gemeinde. Und die Hauptsonnenfinsternis wär gewiss auch nicht so schwarz ausgefallen unter dem linden Regiment der rechten Mutter."
"Was meint Ihr damit? Ja so, jetzt geht mir auf einmal ein Licht auf. Ihr sprecht vom Gutedel, vom jungen Sonnenwirtle. Mag leicht sein, dass der mit Verstand und Güte gradgebogen worden wäre, der knorrige Hagbuchenstock. Zwar ist es schwer zu sagen, ob das Mutterherz den rechten Weg gefunden hätte nachmals, wie es nötig wurde; denn die selige Sonnenwirtin war eben die gute Stunde selber und den Stab Wehe hat sie nimmermehr zu führen verstanden. Der Sonnenwirt sah dem Früchtlein auch in allweg zuviel durch die Finger, solang s i e lebte und solang der Erbprinz die Nüsse noch mit den Milchzähnen knackte. Er hielt ihn zwar fleissig zur Schule an und sah auch sonst zum Rechten; aber ich weiss nicht, es hat eben doch an etwas gefehlt."
"Ja", lachte der jüngere Müller, "wohlgezogen, aber übel gewöhnt, das war er von Anfang an."
"Ist denn ein Sohn da?" fragte der Müllersknecht von seiner Bank herüber.
Sein Diensterr sah ihn verwundert an. "Ja so", sagte er nach einer Weile, "du hast dich schon so bei mir insinuiert, dass ich schier gar gemeint hätte, du seiest seit Jahr und Tag in meinem Haus, und bist doch erst eine Woche da. Freilich auf die Art hast du den jungen Sonnenwirtle noch nicht zu Gesicht kriegen können. Wundert mich übrigens, dass du in deinem Deizisau nichts von ihm gehört hast; denn er ist ein Gewaltiger vor dem Herrn, und wenn man ihm nicht den Krattel beizeiten vertreibt, so kann er, schätz ich wohl, im ganzen Land bekannt werden."
"Wo ist er denn?" fragte der Knecht.
"Er ist an einem Örtlein, wo du nicht gern hinkämst", war die Antwort, und die beiden Müller brachen in ein Gelächter aus. "Jetzt rat einmal."
Die Tür ging abermals auf, und ein Mensch in hohen Wasserstiefeln trat herein. Er trug einen Kübel, den er vorsichtig auf einen Stuhl setzte. "Ist die Frau nicht da?" fragte er.
"So, du bist's, Fischerhanne?" rief der obere Müller. "Was hast denn da? Du gehst ja mit dem Kübel so sachte um, wie wenn du Perlen in der Fils gefunden hättest."
"Guten Abend, ihr Mannen", sagte der Fischer. "Tut's so? ist's schon Feierabend? Nein, die Perlen geraten nicht hierzuland, ausser in der Glasfabrik. Forellen sind's, frisch aus dem Bach, ich hab sie nur