beiden Männer empfahlen sich in Unterwürfigkeit.
"So, schon alles im reinen?" sagte die Sonnenwirtin, als sie Bericht über ihren gang erstatteten. "Nun ja, da kann man jetzt gleich den Verspruch mit der Jungfer Hirschbäuerin folgen lassen."
"Das hat gute Weg", entgegnete der Sonnenwirt. "Wie ich gesagt hab, dabei bleibt's. Wenn der Bub wieder mein Haus betreten will, so muss er zuerst heilig versprechen, dass er weder mündlich noch schriftlich mehr etwas mit ihr zu schaffen haben will."
"Soll ich nach Hattenhofen schreiben?" fragte der Chirurg.
"Wie wär's denn?" sagte die Sonnenwirtin, die ihm zum Schabernack wenigstens eine kleine Ungemächlichkeit aufladen wollte. "Der Herr Sohn hat ja heute seinen Schabes nicht. Wie wär's, wenn Er des Schuhmachers Rappen vorspannen tät und tät sich selber nach Hattenhofen auf den Weg machen? Er kann's ja doch nicht erwarten, bis Er Sein räudig's Schaf wieder in der Kur hat. übrigens denket an mich, ihr beide: solang man singt, ist die Kirch nicht aus. Ihr werdet's noch erleben, das ich recht behalt."
"Ich hab ohnehin ein Geschäft draussen", erwiderte der Chirurg, der ihr die Befriedigung nicht gönnte, dass er bloss auf ihre Veranlassung einen Weg von ein paar Stunden machen sollte. "Ich muss eine Weibsperson dort schneiden, die ein Geschwür im mund hat. Für böse Mäuler gibt's kein probateres Mittel als unsre Instrumente."
Der Sonnenwirt lachte und nahm sein Erbieten an, persönlich mit dem Flüchtling zu reden, ihm förmlich das von dem Vater ausbedungene Versprechen abzunehmen und ihn dann gleich aus seinem Zufluchtsorte mitzubringen.
"Du bist doch recht brav", sagte seine Frau zu ihm, als er sich zu haus anschickte, über Feld zu gehen. "Sieh, es freut mich von ganzem Herzen, wie gut du gegen meinen Bruder bist."
"Quod medicamenta non sanant –", murmelte der Chirurg vor sich hin und hielt wieder inne. Dann wandte er sich zu seiner Frau: "Solang man singt, ist die Kirche nicht aus", hat deine Mutter gesagt, "und mir hat ein Vögelein gepfiffen, sie werde wohl recht haben. Zwar, wenn dein Bruder jetzt Vernunft annimmt, so will ich ihm alles Gute gönnen und will gerne dazu geholfen haben. Aber die Kugel, die bergab geht, rollt gemeiniglich so fort ohne Aufentalt. Ohnehin, wenn dein Vater heute stirbt, so nimmt er morgen sein Bauernmensch. Meinst du, du würdest nicht besser zu einer Sonnenwirtin taugen? Und sollt ich zum Wirtschaften nicht so gut Geschick haben als zum Rasieren? Deine Mutter ist so giftig und höhnisch, dass sie meinen Rasiertag meinen Schabes heisst. Ei, mir stände es gar wohl an, einen Ruhetag aus ihm zu machen, wenigstens was das Bartschaben betrifft."
Er ging, und Magdalene sah ihm seufzend nach. Dieser Seufzer mochte wohl mancherlei zu bedeuten haben.
16
Kaum war es am nächsten Tage Abend geworden, als im Bäckerhause jemand eilfertig in die stube hereinschlüpfte. Die Bäckerin war allein; sie sass im Grossvaterstuhle und hatte die hände schlaff in den Schoss gelegt. Sie blickte den Eintretenden scharf durch die Dämmerung an. "Wer ist's?" fragte sie endlich, da sie ihn nicht erkannte.
"Grüss Gott, Bas", sagte eine bekannte stimme.
"Herrjeses, der Frieder!" rief sie. "Was, schon wieder aus der Fremde da? Was ist denn das? Wie geht denn das zu?"
"Schrecklich ist's", erwiderte der Ankömmling, "wenn man alt und jung, Kind und Kegel immer auf die nämlich Frag Antwort geben soll. Wo ich geh und steh, greift man mich mit fragen an und verlangt Rechenschaft von mir, warum ich schon wieder da sei. Ich will's Euch nachher alles haarklein sagen, aber zuerst hab ich eine bitte an Euch. Tut mir die Liebe, Bas, und gehet, so gross und schwer Ihr seid, den Abend noch hinaus zum Hirschbauer und saget einem von der Christine ihren Brüdern, am liebsten dem Jerg, denn der ander ist hinter den Ohren nicht trocken, dass ich notwendig mit ihm zu reden hab. Ich kann mich keinem Menschen sonst anvertrauen als Euch, denn der Profos hat's in den Gliedern, heisst das, soweit sie nicht hölzern sind."
"Ach Friederle", seufzte die Frau, "ich tät's gewiss gern, aber bei mir ist's auch mit dem Springen vorbei. Ich kann dem Profosen mit seinem Gliederweh Gesellschaft leisten: seit ein paar Tagen weiss ich, warum ich immer so müd bin, ich hab geschwollene Füss."
"Wird doch das nicht sein. Sollen denn meine beste Freund in so kurzer Zeit prestaft werden?"
"Meine Mutter ist an der Wassersucht gestorben", sagte sie, "und ich weiss jetzt auch, was mir blüht. Eure Hochzeit erleb ich schon nicht mehr; wenn ihr aber zusammenkommet und vergnügt miteinander lebet, so soll mich's noch unterm Boden freuen. Dem Jerg will ich durch den Beckenbuben entbieten, dass er zu mir herkommt; denn wenn ich auch die Füss nicht recht mehr brauchen kann, so ist das Mundstück noch gut im gang. Was soll ich