, einem im Flekken angesehenen Ratsherrn, um ihm einen Abschiedsbesuch zu machen und zugleich aus seinem mütterlichen Vermögen einen Zuschuss zu seinen Reisemitteln zu verlangen, welche soeben einen beträchtlichen Ausfall erlitten hatten. Der Vormund aber schlug ihm sein Ansinnen rundweg ab; er wusste ihm haarklein vorzurechnen, was er von seinem Vater zu Weihnachten und was er heute von ihm als Reisegeld erhalten habe, schärfte ihm die Tugend der Sparsamkeit ein, machte ihm derbe Vorwürfe über die dumme Liebschaft, die ihn aus dem Vaterhause treibe, und ermahnte ihn schliesslich, sein Hab und Gut nicht "an Menscher zu hängen". "Ich wär nicht zu Ihm gekommen, wenn ich nicht Geld braucht hätt!" sagte Friedrich und wetterte im Fortgehen die tür hinter sich zu. Mit tausend Verwünschungen kehrte er dem haus des Vormundes den rücken und sagte dann zu sich: "Ich darf mich wohl zusammennehmen, wenn ich bis zu meinem Ziel kommen soll, ohne unterwegs zu betteln oder zu stehlen; und zu meinem Vetter sollt ich doch wenigstens auch noch ein paar Batzen mitbringen, sonst ist's ja eine Schand; und meiner Christine muss ich doch auch was schicken, denn leerer Gruss geht barfuss. Der Teufel hol den Hornabsäger, den Kümmichspalter, der mir mein eigen Geld vorentält. Ich darf, weiss Gott, auf dem Weg kein einzigmal was Warms essen, wenn ich mit meinem Zehrpfennig langen soll."
Er liess aber im Bäckerhause nichts von seiner Verlegenheit merken, sondern plauderte treuherziger und fröhlicher, als es ihm eigentlich um das Herz war, mit seinen Schwägern, wie er sie offen vor den Leuten nannte, und als die Bäckerin teilnehmend bemerkte, sie sei nur noch begierig, was diese geschichte für ein Ende nehmen werde, die sich in ihrem Haus angesponnen habe, rief er leichtfertig lachend: "Das wird eine schöne Eh geben, wo der Mann die Häfen verbricht und das Weib die Schüsseln!"
Lachend gingen seine Gesellen mit ihm fort. Auf dem Wege eröffnete er ihnen, dass er diese Nacht in ihrem haus bei ihrer Schwester zuzubringen gesonnen sei. Sie fanden das in der Ordnung und liessen ihn mit sich ein.
13
"Und nun den letzten Kuss!" sagte Friedrich, als kaum der Morgen graute. "Das Scheiden und Meiden ist ein schlechtes Handwerk, und der bös Gott woll's dem behüten, dem's zuerst eingefallen ist, aber es muss nun einmal sein."
"Wenn ich nicht Sorg hätte, mein Vater oder Mutter könnt aufwachen, so liess ich dich noch nicht fort", sagte Christine, unwillkürlich seinen Arm umklammernd. "Es hat sich ja noch nicht einmal ein Hahnenschrei hören lassen."
"Sie werden bald krähen, und dann währt's nicht lang mehr, so wird's lebendig im Ort, und ich kann nicht mehr unbeschrien fortkommen, was mir unlieb wär, weil ich des Geschwätzes mit den Leuten überdrüssig bin und nicht jedem auf die Nas binden mag, warum ich in die Fremde soll. Fort muss ich ja doch einmal, und so ist's eins, ob wir den bittern Kelch jetzt trinken, oder ein wenig später. denke dir, wir seien verheiratet, was wir ja auch eigentlich sind, und ich müss verreisen auf längere Zeit. Wie mancher hat schon von Weib und Kind weg in Krieg müssen und ist gar nicht wiederkommen."
"Wann wirst auch du wieder zu mir kommen?" seufzte Christine.
"Am Sankt Nimmerlestag, wo die Eulen bocken. Frag nicht so schäckig, weisst ja doch selber wohl, dass ich komm, wenn ich kann und darf. Soll ich dir denn alles wieder herleiern, was ich dir gesagt hab und worauf unsre Hoffnung steht? Ich müsst mich ja heiser predigen."
Christine schluchzte überlaut. "Mein Herz sagt mir, wir sehen einander nie wieder, und ich werde in Schand und Not verlassen sein."
"Und mir sagt das mein das Gegenteil. Welches hat nun recht? Da bleibt nichts übrig, als dass wir die zwei Herzen gegeneinander wetten. Gib acht, auf die Art kannst keinsfalls in Nachteil kommen. Gewinn ich's, so sehen wir uns wieder; wenn ich aber die Wett verlier, so bleibt dir doch mein Herz, und dann kannst auch nie verlassen sein."
"An dir ist ein Advokat verloren gangen", sagte Christine, "du machst, dass ich in all meinem Jammer wieder lachen muss."
"Zieh du dein Herz besser", erwiderte er, "dann wird's dir auch bessere Reden geben. Und wenn du nicht aufhörst, mich betrübt zu machen, so geh ich hinunter und verklag dich bei deiner Mutter."
"O Jemine!" rief Christine kichernd, "die tät mir das Fell schön vergerben!"
"Jetzt aber genug", versetzte er. "Alles hat seine Zeit, sagt Jesus Sirach, und alles muss ein ende haben, sag ich. lachen und Weinen, Reden und Küssen, alles hat sein gesetztes Mass und Ziel, und wenn ich jetzt nicht endlich von dir geh, so kann ich ja auch nicht wieder zu dir kommen. Also b'hüt dich Gott, herztausiger Schatz!"
"Wart noch ein wenig!" sagte sie. "Wir müssen erst noch einen Denkzettel voneinander haben. Hast dein Messer nicht bei dir?"
"Willst mich abschlachten und einsalzen, dass