? Und darob lobt man mir ihn ins Gesicht, wie wenn ich nicht die Frau im Haus mehr wär?"
"Still jetzt!" rief der Sonnenwirt auf den Tisch schlagend, "ich hab genug an dem Neujahrsschmaus, will nicht auch noch einen Nachtisch dazu!"
Die Familie ging mit einem sauren Abschied auseinander. Der Sonnenwirt lehnte eine Einladung des Krämers ziemlich trocken ab, nahm seinen Hut und schloss sich im Weggehen dem Chirurgen an, der ihn ins Freie zu begleiten versprach.
11
Abends zur verabredeten Zeit traf Friedrich, mit Christinen zusammen. "Hat's was gegeben?" fragte er. Sie verneinte es. "Bei mir hat's schon eingeschlagen!" sagte er und erzählte ihr den Auftritt, den es über Mittag abgesetzt hatte, wobei er jedoch die grellen Farben desselben sehr zu mildern sorge trug. Christine weinte und sagte: "Ich hab's wohl vorausgesehen, dass ich den Deinigen nicht recht sein werde. Ach Frieder, wie wird's mir gehen? Da liegen viel Berg und Täler dazwischen, bis wir zwei zusammenkommen."
"Reut's dich?" fragte er. "Mich reut's nicht."
"Solang du so gegen mich bist, wie jetzt, reut's mich auch nicht. Aber wir werden eben viel zu leiden haben miteinander, das gibt schon der Anfang. Es ist kein gut's Zeichen, dass es uns gleich am ersten Tag so hinderlich gehen muss. Ich möchte nur auch wissen, was für ein Neidhammel uns bei deiner Mutter verraten hat."
"Das möchte ich auch herausbringen", sagte er. "Hat dich vielleicht einer von den ledigen Buben gesehen gestern nacht, wie du den Brief ins Beckenhaus tragen hast?"
"Mit deinen ledigen Buben!" spottete sie. "Du meinst immer, das ganz ledig Mannsvolk sei hinter mir auf dem Strich."
"Ich sag's nicht aus Eifersucht", entgegnete er. "Aber es ist ja wohl möglich, dass dich einer auskundschaftet hat und hat dich vielleicht mit mir reden sehen. Du sagst ja selber, der Neid werde ihn getrieben haben."
"Ich bin keinem begegnet", sagte Christine, "und wenn mich je einer gesehen hätt, hätt er mich nicht erkannt, so flink bin ich gewesen. Nur einer fällt mir ein, der hat mir ins Gesicht gesehen und könnt mich möglicherweis erkannt haben. Den rechnet man aber kaum zu den ledigen Buben, und er wird dich nicht eifersüchtig machen. Der Fischerhanne ist's gewesen; der ist vor seinem Haus gestanden und hat, scheint's, auf das Schiessen gehorcht, hat aber dabei geschnattert vor Kälte."
"Der Fischerhanne!" rief Friedrich. "Jetzt weiss ich, wo ich dran bin. Der weissblütig Neidteufel hat mich von jeher verfolgt. Da ist gar kein Zweifel, der ist dir gestern nacht nachgeschlichen – wenn ihn nur der Mordschlag troffen hätt! – und hat auch heute meinem gang nachgeforscht. Dem möchte ich jetzt für die zerbrochene Scheib eins von seinen Gesichtsfenstern ausstossen oder ein Eck von seinem siebeneckigen Kopf wegschlagen."
"Nein, du wilder, gewalttätiger Bub!" sagte Christine, "lass du ihn lieber in Frieden, sonst würdest nur aus Übel Ärger machen."
"Es ist auch wahr", erwiderte er. "Und zudem, seit du mein bist, ist mir's so wohl, dass ich der ganzen Welt in Fried und Freundschaft die Hand geben möchte. Ich muss mich eigentlich zwingen, dem Fischerhanne gram zu sein, wie er's ja doch verdient. Auch meinem Vater hab ich heute kein bös Wort geben können, wiewohl's nicht recht von ihm ist, dass er sich gegen unser Verhältnis hat einnehmen lassen und hat mich gar nicht anhören wollen."
"Bleib du immer so", sagte Christine, "und wie du lieb gegen m i c h bist, so sei's auch gegen deine Nebenmenschen. Wir müssen die Hindernisse, die man uns in den Weg wirft, durch Liebe zu überwinden suchen."
"Aber dem Racker tu ich doch noch einmal einen Tuck", bemerkte Friedrich. "Es gibt Menschen, mit denen man in Liebe und Güte nicht fertig wird, sonst fressen sie einen aufm Sauerkraut."
"Du solltest eher auf das denken, wie du ihn gewinnst, damit er uns nicht weiter verschwätzt."
"dafür ist schon gesorgt: meine Frau Mutter hat zu verstehen gegeben, sie hab ihn abgefunden, damit er dem Pfarrer nichts zutrage. Der schreit schon, wenn einer am Sonntag eine Bettlad anstreicht. Wie würde er erst einen Lärm machen, wenn er erführe, was wir für einen Gottesdienst miteinander gehalten haben."
"rede doch nicht so gottlos heraus!" unterbrach ihn Christine. "Es ist ja eine Sünd und eine Schand, wie du schwätzt!"
"Was? Wenn ein Bub sein Mädle in Arm nimmt, die unser Herrgott füreinander geschaffen hat? Da müsstest du ja Reu und Leid tragen für jeden Kuss, den du mir heute unter der Kirch geben hast!"
"Ach, Gott verzeih mir's! Ich hab dich eben so lieb, und darum hab ich's getan. Aber recht ist's doch nicht, und s o davon zu reden, das ist sündlich."
"Du