eben gar nichts als 'n Gott und 'n Rock."
"Eine schöne Partie für uns!" rief die Krämerin. "Der Bub ist einmal im Kopf nicht richtig. Bei seiner Tauf ist der vorig Amtmann zu Gevatter gestanden, und jetzt will er uns ein solches Bauernmensch in die Familie bringen."
"Ich möchte nur wissen, mit was sie ihm's angetan hat!" seufzte die Chirurgin, die bisher seine Lieblingsschwester gewesen war.
"Pah!" lachte der Krämer, "sie handelt mit kurzer War, und da beisst so ein Unverstand gleich an."
"Ja", sagte seine Frau, "Schwarz ist auch eine Farb."
"Für den Liebhaber!" fiel die Sonnenwirtin ein, die eben wieder in die stube getreten war. "Der Geschmack verbirgt sich nicht. Es heisst nicht umsonst: Sage mir, mit wem du umgehst, so will ich dir sagen, wer du bist. Diese Liebschaft bringt's einmal recht an den Tag. Da kann man wohl auch sagen: Hudel find't Lumpen, Hutsch find't sein Hätsch."
Der Sonnenwirt, dem es bei all seinem eigenen Verdrusse doch durch die Seele schnitt, seine Frau in seiner Gegenwart so von seinem Sohne reden zu hören, sagte unmutig zu ihr: "D a s Zeugnis muss ich dir geben, dass du mir da ein schönes Zugemüs angerichtet hast. Hättest's nicht besser anbringen können, als just überm Essen. Wem d u den Neujahrsschmaus bereitest, von dem darfst nicht fürchten, dass er nichts übriglassen werde."
"Da muss ich freilich sehr um Verzeihung bitten", entgegnete sie, "wenn ich gewusst hätt, dass dir das Essen wichtiger ist als der Lebenswandel deines Sohnes, so hätt ich geschwiegen; aber ich hab eben gemeint, ich müss' reden, solang's noch Zeit ist und eh er vollends ganz in den Abgrund taumelt. Wiewohl, ich hab's auch früher nicht an Ermahnungen fehlen lassen, und die sache ist dir schon lang sehr nah gelegen; wenn's ein Wolf gewesen wär, er hätt dich gefressen."
Der Sonnenwirt trommelte am Fenster. "Hab ich mir denken können", schnauzte er nach einer Weile herum, "dass der Bub so aus der Art schlagen und mit der dummen Liebschaft Ernst machen würde? Jetzt muss man freilich mit i h m Ernst machen", fuhr er gegen den Chirurgen fort, dem er noch am liebsten ein Wort gönnen mochte, "und wenn man zu den schärfsten Mitteln greifen müsst, so ist das Unglück nicht so gross, als wenn man der sache den Lauf lässt. Hier muss man mit der Katz durch den Bach."
Der Chirurgus, der bis jetzt das Reden den andern überlassen und sich dadurch seine Meinung freibehalten hatte, räusperte sich und erwiderte: "Das ist gar kein Zweifel, Herr Vater, diese Liebschaft ist ein Übel, eine Art Geschwür, das man um keinen Preis aufkommen lassen und im Notfall mit schneiden oder Brennen beseitigen müsste. Jedennoch möchte ich unmassgeblich raten, nicht allsofort zum Äussersten zu schreiten, sondern erst gelindere und womöglich auflösende Mittel zu versuchen. Der Schwager ist zwar – hm, hm – kann's nicht in Abrede ziehen – er ist ein wenig ein Springinsfeld, aber er hat doch, mit Salvenia zu reden, kein so ungattiges Temperament, dass man gleich die Beinsäge bei ihm in Anwendung bringen muss. Ich schmeichle mir, bereits eine Arznei ausfindig gemacht zu haben, welche sich als probat erweisen dürfte. Für jetzt wäre es wohl nicht angemessen, den Herrn Vater länger mit dem faulen Handel zu behelligen, der, wie ich zu sagen mir erlauben muss, nicht zu ganz richtiger Zeit an ihn gebracht worden ist; denn bei Reden und Mitteilungen, insonderheit wenn ihnen etwas Bitteres beigemischt ist, sollte man, wie bei den Latwergen aus der Apoteke, immer die passende Stunde beobachten. Zur Essenszeit beigebracht aber kann eine unverhoffte und widrige Nachricht leicht eine Indigestion effektuieren, woraus dann, je nach Beschaffenheit der Leibeskonstitution, vielfache Infirmitäten fliessen können. Aus diesem grund würde ich dem Herrn Vater raten, sich jetzt eine kleine Bewegung in der frischen Luft zu machen, damit die etwas gestörten Lebensgeister wieder erwecket werden. Was aber den Schwager anbelangt, so muss man ihn mehr wie einen Patienten, denn wie einen Delinquenten ansehen, und wenn man den rechten Punkt bei ihm trifft, so hoffe ich, er werde noch zu kurieren sein. Man muss ihn nicht ganz wegwerfen."
"Ja", setzte seine Frau mit einem Seitenblick auf die Krämerin hinzu, "und seine Schwestern sollten's doch nicht so leicht vergessen, wie er sich ihrer angenommen hat und ihnen immer ein guter Bruder gewesen ist."
Die Sonnenwirtin hatte die anzüglichen Bemerkungen ihres abtrünnigen Tochtermannes mit einem giftigen Lächeln verschluckt und einen blick mit dem Krämer zu wechseln versucht, der aber, in der Erkenntnis, dass er es aus zu grosser Dienstbarkeit gegen die Schwiegermutter mit dem Schwiegervater verschüttet habe, die Augen verlegen zu Boden schlug. Als jedoch ihre Stieftochter daran zu erinnern wagte, dass Friedrich seine Schwestern gegen sie in Schutz genommen, fuhr sie auf. "So?" rief sie, "das soll ihm noch als eine Tugend angerechnet werden, dass er den häuslichen Frieden untergraben hat und Hader angestiftet und hat seine ruchlose Hand gegen seine Mutter aufgehoben