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meinen Eid", fuhr er fort. "Jetzt musst du mir aber auch versprechen, dass du mir treu sein willst, denn ich muss dir nur gestehen, das Rumschwanzen und Lustigtun mit den ledigen Burschen auf'm Tanzboden, das muss jetzt ein ende haben, und die Husarentänz im Karz stehen mir auch nicht an."

"Was, Husarentänz? Ich weiss nicht, was du willst. Seit wir nicht mehr gut miteinander gestanden sind, bin ich gar nicht in Karz kommen, und dass ich selbigsmal auf den Tanzboden gangen bin, das hätt dir doch dein Herz sagen sollen, warum das geschehen ist."

"Du hast ja aber gar nichts mit mir gemacht."

"Hätt ich kommen und vor dich hinknien sollen?"

"Aber gelacht und geschwätzt hast mit den andern, wie wenn ich gar nicht da wär."

"Ich hab doch nicht schreien und heulen können, wiewohl mir das nah genug gewesen ist; es ist mir schwer ankommen, mich so zu verstellen, nachdem ich hingangen bin, bloss um dich zu sehen, und du gar nichts von mir gewollt hast."

"Und unter den Karzgängerinnen, die gestraft worden sind, bist du nicht?"

Sie wusste von nichts. Er musste ihr den Vorgang erzählen. In ihrem abgelegenen Häuschen hatte sie von der geschichte gar nichts gehört.

"Jetzt ist's recht", sagte er lachend. "Aber jetzt möchte ich erst einmal den Husarentanz von dir sehen. Wie, mach mir ihn einmal vor."

Sie sah ihn mit grossen Augen an. "Sag das nicht noch einmal", entgegnete sie ernstaft. "Es wär mir leid, wenn's dein Ernst wär!"

"Nein", sagte er und nahm sie in die arme, "ich hab dich bloss ein wenig necken wollen. Ich hab dich lieb und wert, und verlass dich drauf, dass ich dich immer in Ehren halten werde. Aber das mit den ledigen Buben, das hast du mir noch nicht versprochen."

"Du wirst mich noch bös machen!" sagte sie. "Was will ich von den ledigen Buben! Aber ich will dir's schwören, damit die arm Seel Ruh hat. Da, sieh, ich schwör's! Und jetzt wollen wir sehen, wer seinen Eid am längsten hält, du oder ich."

Auch er gab sich nun seinerseits zufrieden. Sie plauderten zutraulich miteinander und malten sich ihr künftiges häusliches Leben aus, wobei es nicht an Scherzen und Neckereien fehlte. Während sie so Arm in Arm in der stube herumgingen, rief Christine auf einmal: "Hu, wie kalt geht's an mich hin! Was ist denn das?" Auch er empfand jetzt den kalten Luftstrom, und beide untersuchten, woher derselbe komme. Eine von den runden Fensterscheiben fehlte, und durch die offene Lücke drang die kalte Winterluft ins Zimmer. "Das ist vorhin nicht gewesen!" rief Christine erbleichend. "Sieh nur, da liegen die Glasscherben auf der Bank! Herr Jesus, da ist jemand vor dem Fenster gewesen und hat uns zum Schabernack die Scheib eingedrückt. Ich hab doch nichts gehört." "Ich auch nicht", sagte er, den Tatbestand in stummer Bestürzung prüfend. "Wir sind verraten!" rief sie weinend und verbarg das Gesicht an seiner Brust. "Sei ruhig, der Wind wird's getan haben", sagte er; aber er selbst war keineswegs so ruhig, als er schien, denn er hatte noch eine andere Entdeckung gemacht, die Christinens Argwohn nur zu sehr bestätigte. Auf den Staffeln der Aussenseite waren im Schnee frische, scharfe Fussstapfen wahrzunehmen. Dies konnten nicht seine eigenen sein; denn zur Zeit seines Kommens hatte es ziemlich stark geschneit, und seine Tritte mussten daher bald wieder verwischt worden sein. Es war ihm kaum zweifelhaft mehr, dass, nachdem es zu schneien aufgehört, jemand sich die Stiege heraufgeschlichen und die Scheibe eingedrückt habe, worauf der Täter, wahrscheinlich in der Meinung, durch das Klirren der Gläser in der stube einen Schreck erregt zu haben, schnell wieder entflohen war. Von dieser Wahrnehmung aber teilte er Christinen nichts mit; vielmehr suchte er sie, als sie ihn darauf aufmerksam machte, dass ja gar kein Wind gehe, auf den Glauben zu bringen, die Katze werde es getan und vielleicht von aussen durch das Fenster hereingewollt haben. Dies war jedenfalls ein annehmbarer Grund, wenn die Eltern bei ihrer Heimkunft der Sache nachfragten, und er hiess sie inzwischen das Loch mit einem Tuch verstopfen.

Sie waren noch im Reden und Raten über den Vorgang begriffen, und Christine hatte ihre Verstörung noch keineswegs überwunden, als die grosse Glocke auf dem Turme anschlug. "Horch, die Betglock!" rief sie, "die Kirch ist aus, jetzt mach, dass du fortkommst!"

Sie küssten und herzten einander, während Christine ihn beständig forttrieb.

"heute abend kommen wir zusammen, nicht wahr?" sagte er.

"Ja, sobald meine leute im Bett sind, und das ist ziemlich früh."

"Ich treff dich hinterm Haus, und dann spazieren wir ins Feld. Der Boden ist mit lauter Zucker bestreut. Meinst nicht, es werde dir zu kalt sein?"

"Mich friert's nicht, wenn ich bei dir bin, aber jetzt mach dich fort."

Sie wollte ihn bereden,