und mich so plagen müssen."
Er lachte aus vollem Herzen. "So?" sagte er, "du hast also so ein gut's Zutrauen zu mir gehabt, dass du gleich gedacht hast, du werdest dich bei mir vor einem dummen Streich nicht behüten können?"
"Ach, ich hab dich eben von Anfang an so lieb gehabt, du böser Bub du!"
"O du mein lieb's Weible du!" rief er, indem er sie in seine arme zog und ihren Kopf an sein Herz legte.
"Aber d a s hör ich gern!" rief sie. "Das tut mir wohl! Oh, sag noch einmal so!"
"Mein lieb's Weible! Und jetzt will ich dich auch recht um Verzeihung bitten, dass ich dir's so wüst gemacht hab, absonderlich gestern nacht, wo du meinetwegen ausgewesen bist und ich dir noch schnöde Reden dafür geben hab. Gelt, du verzeihst mir's? Sieh, es ist mir von ganzem Herzen leid."
"So, jetzt kommst endlich, du Hinterfürhühnle? Hast ursache genug gehabt, das gleich zu sagen, aber der hochmütig Herr hat sich nicht runter geben wollen."
"Ja, sieh, um Verzeihung bitte ich niemand, als einen recht guten Freund, und von dir hab ich vorhin noch nicht gewusst, ob du Freund oder Feind mit mir bist."
"Oh, geh du! Du hast wohl gewusst, dass ich dir nicht feind bin. Aber gelt, jetzt glaubst, dass du den besten Freund auf der Welt an mir hast?"
Er beteuerte ihr diesen Glauben mit wiederholten Liebkosungen.
"Was hast denn zu meinem Brief gesagt?" fragte sie nach einer Weile. "Gelt, du hast gewiss gesagt: jetzt kriecht sie endlich zu Kreuz?"
"Ich hab denkt: so, jetzt ist sie endlich in sich gangen und bereut's, dass sie so unchristlich gewesen ist und sich und mir das Leben so sauer gemacht hat."
"Was nicht sauret, das süsset auch nicht. Aber was hast du denkt, dass ich so wüst geschrieben hab? Ich hab's schier im Finstern tun müssen."
"schreibe du, wie du willst, mir ist alles recht, was du schreibst. Wirst's schon noch besser lernen, bis du Sonnenwirtin bist, und die Rechnungen und Geschäftsbriefe kann ich ja einmal selber schreiben."
"Ja, das glaube ich, dass es noch eine gute Zeit anstehn wird, bis ich Sonnenwirtin bin."
"Nun ja, du wirst doch meinem Vater nicht um den Tod beten?"
"Gott behüt und bewahr mich!" rief Christine eifrig. "Gelt, das ist nicht dein Ernst? Nein, ich gönn ihm und wünsch ihm noch ein langes Leben –"
"Und Enkel genug?"
Sie schlug ihn auf den Mund. "Ich hab nur sagen wollen, es wird noch manches Wässerlein den Bach hinunterlaufen, bis man uns zusammenlässt. Ach, ich bin eben ein gering's Mädle und von armen Eltern, und die deinigen sind reich und hoffärtig; du kannst's dir selber sagen, dass es da nicht so ganz glatt gehen wird. Mir selber geht auch viel ab, was zu dem Stand gehört. Wiewohl, ich will dir versprechen, dass ich's an nichts fehlen lassen will, und nichts versäumen, was ich noch lernen kann. Aber wenn auch du vielleicht mit einem solchen Versprechen zufrieden bist, so ist's dein Vater noch lang nicht, denn er sieht noch auf ganz andere Eigenschaften."
Er ging mit starken Schritten vor ihr in der stube hin und her. "Ich will dir nichts vormachen, was nicht wahr ist", sagte er. "Ich kann zwar im jetzigen Augenblick, glaube ich, viel auf meinen Vater bauen, aber so leicht wird's nicht gehen, dass ich sagen kann: ich darf nur blasen. Er wird vielleicht ein wenig aufgukken, wenn ich ihm sag, was ich vorhab; sein Leibstükkle ist's nicht, denn das hat einen anderen Klang. Wir müssen uns also darauf gefasst machen, dass man uns ein paar Berg in Weg wirft, und falsche Zungen können auch dazwischenkommen. Aber, wie gesagt, ich steh jetzt mit meinem Vater so, dass ich hoffen kann, wenn er meinen Ernst sieht, so gibt er nach. Die Hauptsach aber ist: ich hab dich lieb und will dich, und mir bist du recht, und darum musst auch allen anderen gut genug sein. Ich will doch sehen, wer mir das über den Haufen wirft, was ich mir einmal fürgenommen hab. Ich bin fest überzeugt und weiss ganz gewiss, wenn ein Mensch seinen Willen ernstlich auf etwas setzt, und es ist nichts Unrechts, so führt er's auch durch. Ich aber hab meinen Sinn fest darauf gerichtet, dass du mein Schatz und mein Weib werden sollst, und wie ich meinen Willen bei dir erreicht hab, so werde ich ihn bei meinen Eltern und bei den deinigen erreichen."
Christine beruhigte sich oder beschwichtigte wenigstens ihre Unruhe im Anschauen und Anschmiegen an ihren Freund. Er gefiel ihr gar zu gut; er kam ihr so männlich vor und war unter dem zuversichtlichen Reden gleichsam gewachsen.
"Nun hast du mein Herz und meine Hand und