nach wie vor, und hab auch nichts um mich vernommen als das stille Sausen der Nacht, das aber nicht von Geistern kommt, sondern von der Luft, weil die Nacht gar gehörsam ist."
"Gott steh uns bei!" hatten die anderen während dieser Erzählung gerufen, die ihnen fremd und seltsam deuchte.
"Das ist ein grausamer Mensch!" sagte der eine, womit er die Grauenhaftigkeit dieses Treibens bezeichnen wollte.
"Der glaubt an gar nichts!" wiederholte der andere. "Der kommt einmal in d e n Himmel, wo die Engel schwarz sind und Wauwau singen."
"Jetzt soll einmal die Beckin erzählen, ob sie schon einen Geist gesehen hat!" rief der Invalide, fortwährend bemüht, das Gespräch in einem ungefährlichen Gange zu erhalten.
"Ja, die Beckin soll erzählen!" riefen ihm mehrere Stimmen nach.
Die Bäckerin richtete den Kopf im Sorgenstuhle auf, worin sie den ganzen Disput verschlafen hatte. Man musste ihr erst erklären, um was es sich handle. "Ha, dass es Hexen und Geister gibt", sagte sie gähnend, "das leidet keinen Zweifel, aber zu mir ist noch keine Hex gekommen, weder bei Tag noch bei Nacht, und keinen Geist hab ich auch noch nie gesehen."
"Ihr habt eben ein ruhiges Gemüt, Bas", sagte Friedrich lachend, "auf Euch könnt, glaube ich, eine Hex die ganze Nacht reiten, Ihr tätet nichts davon inn werden. übrigens ist's nicht recht, in der Neujahrsnacht zu schlafen und Eure Gäst mit Gähnen anzustecken. Morgen ist ja Kirch, da könnt Ihr's reinbringen, was Ihr heute nacht am Schlaf versäumet."
"Ja, ja!" rief der Müllerknecht. "Letzten Sonntag hab ich mich auch an der Beckin ihrem ruhigen Gemüt erbaut unter der Predigt. Der Herr Pfarrer hat geschrauen, dass man's in Reichenbach hätt hören können, aber die Beckin hat sich nicht verrührt, sie hat ganz klein ausgesehen in ihrem Stuhl, und der Kopf ist ihr zwischen den Achseln eingesunken gewesen wie ein Schnitz, der oben in einem Hutzelbrot steckt."
"Ach was!" entgegnete die Frau unschuldig, "man muss sich die ganz Woch leiden, wenn man auch noch das bissle Kirchenschlaf nicht hätt, so wär's ja nicht zum Prästieren."
Die Gesellschaft brach in ein wieherndes Gelächter aus, das lange kein Ende nehmen wollte, bis endlich der Bäcker seine Frau aufmerksam machte: "Du, Weib, da klopft's am Küchenfenster." Sie horchte hin, ohne dass etwas zu hören war; nach einer Weile aber klopfte es wiederholt und vernehmlich.
"Aha, das ist ein Geist!" rief der Müllerknecht.
"Machet mir nicht angst", rief die Bäckerin. "Ich will's übrigens mit ihm aufnehmen", setzte sie hinzu und ging in die Küche.
"Ich glaube auch nicht an Hexen", sagte der betrunkene Schütz.
"Warum nicht?" schrien die Bauern eifrig.
"Weil mein Glas schon eine ganze Ewigkeit leer dasteht und sich nicht füllen will. Wenn's Hexenwerk gäb, so müsst's von selber voll werden."
Der Kübler, der kaum mehr die nötige Kraft zum Reden besass, obgleich er unermüdlich zu trinken fortfuhr, schob dem Nimmersatt sein Glas hin.
"Jetzt möchte ich aber doch nächstens aus der Haut fahren über die Hungermuck, die einem da den ganzen Abend hinhockt!" sagte der Invalide leise zu seinem jungen Nachbar. "Wenn ich doch nur auch ein Mittel wüsst, wie man ihn fortbringen könnt, den Halunken."
"Da wird bald geholfen sein", flüsterte Friedrich und wusste sich vom Tisch und zur stube hinauszumachen, ohne dass sein Weggehen jemand in die Augen fiel.
Der Invalide, der nichts von seinem Vorhaben ahnte, erdachte inzwischen gleichfalls einen Kunstgriff, um den beschwerlichen Schmarotzer fortzubringen. "In der 'Sonn' ist's heute lustig", sagte er, "der Sonnenwirt hat die Spendierhosen an und lässt eine Flasch um die andere springen; ich hab gehört, er hab einen Fahnen auf'm Hut wehen." – Friedrich hatte ihm anvertraut, dass sein Vater den Wein etwas spüre und guter Dinge sei.
"Das kommt selten vor, dass der Sonnenwirt 'n Spitzer hat", sagte der Müllerknecht. "Wahr ist's aber: wenn er angestochen ist, dann spendiert er. Ausserdem tut er's nicht." Auf den Schützen wirkte die Mitteilung sichtbar beunruhigend. Er wusste nicht recht, wie er es angreifen solle, um alsbaldigen Gebrauch von ihr zu machen. Endlich siegte doch die Lockung über die Furcht, dass man seine Absicht merken könnte. Er behauptete stotternd, er müsse im Flecken nachsehen, ob keine Ungebühr vorgehe, wünschte umständlich gute Nacht und schwankte zur tür hinaus, während der Invalide und der Müllerknecht einander heimlich anlachten. "Der hat auch schwer geladen", sagte der Müllerknecht hinter ihm drein. "Der hätt nicht noch mehr nötig." Kaum war er draussen, so kam Friedrich wieder herein. "Alle Teufel!" flüsterte er dem Invaliden zu, indem er sich geschwind wieder zu ihm setzte, "warum habt Ihr ihn fortgelassen? Wo ist er hin?" "Ist er Ihm denn nicht begegnet?" fragte der Invalide, der das sonderbare Benehmen