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Herzog hab's nicht gern. Wer weiss, was dabei im Spiel ist, dass man dem Teufel so den freien Lauf lässt. Vorzeiten ist das anders gewesen."

"Also wenn's nach Euch ging", sagte Friedrich, "so müsst man die alten Weiber wieder schwemmen und an der Leiter aufziehen und verbrennen. Saubere zeiten sind das gewesen! Wenn ich irgend etwas an der Obrigkeit lob, so ist es das, dass sie solchem dummen Geschwätz kein Gehör mehr gibt."

"Was?" schrien die in der Gesellschaft anwesenden Bauern zusammen, "das soll dummes Geschwätz sein? Heisst's nicht in der Bibel: 'Die Zauberer und Greulichen sollst du mit Feuer verbrennen?' Und das soll ein dummes Geschwätz sein? Soll's denn keinen Teufel mehr geben? Wer das nicht glaubt, der glaubt auch nicht an die Ewigkeit und glaubt nicht, dass es selige und verdammte Geister gibt."

"Ich hab wenigstens noch keinen gesehen", bemerkte Friedrich kalt.

"Der glaubt gar nichts!" rief einer, und die anderen sahen den Gegenstand dieses Verwerfungsurteils mit einem gewissen Abscheu an.

"Oder", sagte ein anderer, "ist er vielleicht –? Ich weiss nur nicht, wie ich's angreifen soll, denn man wird ja gleich gestraft, wenn man seine Wort nicht auf die Goldwaag legt."

"Soll ich vielleicht selber ein Hexenmeister sein?" lachte Friedrich. "Nur herzhaft raus mit der Farb! Ich lauf deswegen nicht sogleich vor Kirchenkonvent, ich bin nicht so empfindlich, auch hat man seiner Lebtag keinen Esel einen Hexenmeister gescholten, denn dumme leute kann der Teufel, scheint's, nicht brauchen."

"Was die alte Hammelayin betrifft", sagte der Invalide, um das Gespräch von dieser Klippe ab wieder in ruhigeres Fahrwasser zu leiten, "so ist es gewiss und wahrhaftig, dass sie eine mächtige Raffel unter der Nas sitzen hat."

"Ja", sagte ein anderer, "sie hat aber nicht bloss ein bös Maul, sondern es liess sich sonst noch allerlei über sie sagen. Wisst ihr noch, wie ihre ältere Tochter, die jetzt den Schneider hat, wie die mit dem Diegelsberger hat Hochzeit gehabt? Die Hochzeit ist im 'Hecht' angestellt worden, und der Bräutigam, dem's schon um acht Uhr weh gewesen ist, nachts um zwölfe will er noch einen Tanz tun, – plötzlich stürzt er nieder und ist in Zeit einer Minut maustot. Es ist so schnell gangen, dass ein tanzendes Paar über ihn zu Fall kommen ist; die haben einen Greusel davongetragen, dass sie's ein paar Tag lang geschüttelt hat. Man hat viel drüber gesprochen."

"Nun ja, was wird's gewesen sein?" sagte Friedrich, "ein Steck- und Schlagfluss."

"Ja, so hat man bei Amt auch gesagt und hat ihn mit einer Leichenpredigt auf dem Kirchhof begraben. Ich weiss noch, wie sie angefangen hat: 'Hui, hui, sagt der Tod, der starke Held, ich kann auch mittanzen.' Aber es gibt leute, die wollen's besser wissen, die sagenNun, ich will nichts gesagt haben, aber so viel ist gewiss, dass der Alten die Heirat von Anfang an nicht nach ihrem Gusto gewesen ist. Die Junge hat erschrecklich getan und hat sich nicht trösten lassen wollen. Nachmals aber hat sie den Schneider genommen; ich weiss noch, auf ihrer Hochzeit ist grad die Nachricht ankommen, dass ihr Schwager, der Goldstein, der sein Weib mit drei Kindern hier hat sitzen lassen, in Speier die Religion schangschiert hab und eine Katolische geheiratet und sei mit ihr nach Pennsylvanien gangen."

"Von der Alten erzählt man ein feines Stücklein aus ihren jungen Jahren, wo sie bei Seines Pflegers Vater im Dienst gewesen ist", hob ein anderer, zu Friedrich gewendet, an. "Damals hat sie's mit einem Balbierersgesellen gehabt aus Adelberg. Er hat ihr zu Familie verholfen, eine Tochter ist's gewesen, ich glaube, eben die Schneiderin, die so unglücklich hat Hochzeit gehabt. Sie hat ihn aber verschont und hat ihn nicht angegeben, dass er der Vater zu ihrem Kind sei. Er hat's ihr nachher schlecht gedankt und ist von ihr wegblieben. Jetzt, was hat das leichtfertig Mensch getan, das nichtsnutzig? Über einmal, wie ihr Herr in die Küche kommt, sieht er ein Paar Strumpf im Kamin hängen. Was sind denn das für Würst, fragt er, sollen denn die geräuchert werden? Die Magd, nicht faul, reisst die Strümpf geschwind herunter und gibt vor, die Strumpf gehören ihr, sie hab sie schnell wollen trocknen, weil sie nass geworden seien. Er aber, ebenso flink, reisst ihr noch einen aus der Hand und sieht, dass es ein Mannsstrumpf ist. Wie er ihr nun das fürgehalten hat und sie hat nicht wollen weichgeben, so hat er sie beim Pfarrer angezeigt, und da hat sie endlich nach vielem Leugnen gestanden, ein Schäfer hab ihr geraten (sie wird aber keinen dazu braucht haben), sie solle sehen, dass sie ein Kleid oder etwas, das der Mensch mit Salvene auf'm blossen Leib getragen hab, zur Hand kriegen könne, und solle es in den Rauch hängen, dann werde's dem Täter warm werden und