, denn kaum war er durch Friedrichs Eintritt unterbrochen worden, so erhob sich eine neue Störung. Die Tür wurde heftig aufgestossen, und der Schütz kam in einer bogenförmigen Linie hereingeschossen. "Da muss er herein sein, der Mordtäter, der mir nach dem Leben getrachtet hat!" schrie er, indem er die glühenden Augen von einem zum andern laufen liess. Die ganze Gesellschaft versicherte, sich mit den Augen zuwinkend und durcheinander schreiend, hier sei niemand, der ihm etwas getan habe, und alles fragte, was ihm denn geschehen sei. Er erzählte sein Abenteuer, wobei er den Oberkörper wiegte und dann wieder einen Schritt vorwärts oder rückwärts geriet; dieses Schwanken wurde noch dadurch vermehrt, dass er in seiner ohnehin nicht festen Stellung beständig argwöhnisch in der Gesellschaft umhersah, ob er nicht an irgendeinem Merkmal seinen Angreifer erkennen könne. Das Gelächter, die Spottreden und schalkhaft verkehrten fragen der ergötzten Zechbrüder machten ihn noch wilder; er schimpfte und fluchte und bestand darauf, "hier oder wenigstens in der Nähe herum irgendwo müsse er versteckt sein, der keinnützig Lump, der sich sogar an seiner ihm von Gott vorgesetzten Obrigkeit vergreife."
"Jetzt hast genug hasseliert, Schütz!" rief ein Mann mit verwogenem und zugleich verfallenem Gesicht, das den Ausdruck einer grämlichen Lustigkeit hatte und blutige Spuren trug, als ob es auf irgendeine Weise zerschunden oder zerkratzt worden wäre. "Komm, schwenk dir die Gurgel aus, hast dich ja ganz heiser geschrien. Hier hältst vor der unrechten Schmiede: von denen, die hier sitzen, ist seit mindestens einer Stunde keiner aus der stube kommen. Bist aber auch ein rechter Leichtfuss, heisst das, du musst nicht besonders fest auf den Füssen sein, dass dich ein blinder Schuss gleich zum Purzeln bringen kann. Da sieh den Profosen an, der ist ein anderer Kerl, den haben sie um einen Fuss kürzer gemacht, und doch steht er auf seine andertalb anders hin als du auf deine zwei ganze. Den schmeisst keiner so leicht um, weder mit einer blindgeladenen Kanone noch mit einer scharfgeladenen Büttel. Lass das Hasselieren sein, sag ich, und komm her, ich bring dir's. Es vertreibt dir den Schnapsgeruch."
Der Invalide, der an der Tischecke sass, hatte alsbald zum Beweis für das Gesagte den Stelzfuss auf dem Tisch und trommelte damit nach Wein. Zugleich machte er Anstalt, seine geschichte wieder aufzunehmen, aber es glückte ihm nicht.
"Dein gut's Wohlsein, Küblerfritz!" sagte der Schütz, das dargebotene Glas annehmend und auf einen Zug leerend, mit einer Mischung von Freundlichkeit und Spott, "es scheint, du machst jetzt Feuerkübel und verlegst dich aufs Löschen. Wünsch Glück dazu. Lösch aber nur zuerst den Brand in deinem eigenen Haus, du Mann im Feuerofen. Wiewohl, dein Feuerteufel, deine Margret, ist heute abgekühlt worden; sie hat ganz krumme Finger gehabt und hat laut geschnattert, wie ich sie wieder aus dem Häusle herausgelassen hab, wegen der grossen Kälte ist sie nur auf ein paar Stunden dreingesprochen worden."
"Was? ist dein Weib heute eingesperrt worden, Kübler?" fragte der Invalide.
Der Kübler nickte mürrisch. "Ihr wisset ja, wie sie ist und wie sie mein Mädle von meinem ersten Weib plagt und den Waisen, den ich aus dem Heiligen in der Kost hab. Zu dem sagt sie immer: 'Du Bettelhund! du Herrenhund! du schlappohriger Hund!' und schlägt ihn zwischen die Löffel, zwischen die am Kopf, mein ich, wenn er den Löffel in der Schüssel zu voll macht. Er isst freilich schier mehr, als er einträgt, das Kostgeld ist so mager. Ihr könnt auch in meinem Gesicht sehen, wie sie mich diese Feiertage gezeichnet hat. Vor Weibernägeln ist auch der Stärkste nicht sicher. Ich hab sie aber durchgewalkt, dass ihr die Knochen heute noch mürb davon sind, und hätt eigentlich keine Hilfe nötig gehabt vom Kirchenkonvent; ich kann gottlob allein mit ihr fertig werden."
"Hat sie dich denn verklagt?"
"Nein, das lässt sie wohl bleiben. Der Pfarrer hat eben von irgendeiner guten Nachbarschaft gehört, dass es wieder einmal Händel bei uns gegeben hat, und hat dann die sache vor Kirchenkonvent gebracht. Sie haben gemeint, sie müssen heute noch eine Sitzung halten, die Herren, und das ganze Kutterfass vom alten Jahr ausleeren. Es sind noch viele vorgeladen gewesen."
"Haben sie dich gestraft?"
"Nein, wiewohl ich die Schläg nicht abgeleugnet hab, aber meines Weibes Bosheit ist eben Gott und der Welt bekannt. Doch bin ich auch nicht ungerupft davongekommen. Sie hat über mich geklagt, ich sei ein Faulenzer und verdiene nichts ins Haus. Jetzt sagt selbst, ihr Mannen, ob das wahr ist?"
"Nein, nein!" riefen alle zusammen, "das kann man dir nicht nachsagen."
"Ich weiss wohl", fuhr der Kübler fort, "es geht knapp bei uns her, und Armut ist eine Haderkatz. Wenn man vollauf hat, so kommt man viel leichter miteinander im Frieden aus. Aber meine Schuld ist's nicht, wenn's manchmal sogar am Kreuzer fehlt. Mein Weib mit ihrem abscheulichen Fluchen, wegen dessen sie gestraft worden ist, und mit dem Spektakel, den sie immer mit meinem Kind hat, schreckt die leute ab, dass sie nicht gern ins Haus kommen und