, da die Akten keine bestimmten Verdachtsgründe ergaben, die Angelegenheit ohne weitere Folgen liegen blieb. Wie es jedoch in allen solchen Fällen zu geschehen pflegt, so blieb genug davon an den Beteiligten hängen, und in der Sonne schienen die Flecken über den Glanz Meister zu werden, zumal die Geistlichkeit in ihrer Abneigung vor jedem Skandal das Monatskränzchen, das überhaupt nur unter einem sehr nachsichtigen Vorgesetzten im wirtshaus gehalten werden konnte, eingehen liess. Denn der Spezialsuperintendent, dein sie untergeben war, stand seinerseits unter einem Konsistorialrat, der das im Evangelium erzählte erscheinen seines obersten Kirchenherrn auf der Hochzeit zu Kana mit den Worten verurteilte: "Hätt's auch können bleiben lassen!" Unter allen Nachwehen aber, die den Sonnenwirt trafen, plagte ihn am empfindlichsten die Eifersucht seiner Frau; denn diese wollte ihn nicht freisprechen, wie die Konventsrichter ihn freigesprochen hatten. Ihr Schweigen und Trutzen veranlasste ihn, sie geradezu zu fragen, ob sie denn etwas von der Verleumdung glaube; worauf sie seufzend erwiderte, sie stelle die Sache Gott anheim, der ins Verborgene sehe. Auf diese Weise wusste sie jedem unmittelbaren Wortwechsel auszuweichen, quälte aber ihren Mann teils durch finsteres Stillschweigen, teils durch abgebrochene Redensarten, die ihn von weitem her trafen und wehrlos stachen, weil er sie nach dem Wortlaut nicht auf sich beziehen musste und doch dem Sinne nach auf niemand anderes beziehen konnte. So erzählte sie ihm spöttisch, sein Sohn habe auch wieder einmal einen kleinen Verdruss gehabt, es sei nur schade, dass die Sache werde weltlich vom Amt allein abgemacht werden, denn wenn sie geistlich gerichtet würde, so könnte man immerhin hoffen, dass die Konventsherren ein Einsehen haben würden von wegen der Süssigkeit des Honigs; dann schimpfte sie auf den Hirschbauer und seinen Sohn und bemerkte dabei, der Apfel falle eben nicht weit vom Stamme, es sei gemeiniglich einer so liederlich wie der andere! Durch dieses Betragen, bei welchem die leidenschaft ihr Salz dumm gemacht hatte, trieb sie den Vater auf die Seite des Sohnes und versäuerte ihm die Neigung, gegen etwaige Irrgänge desselben einzuschreiten. Friedrich hatte in dieser Widerwärtigkeit von Anfang an fest die Partei seines Vaters genommen. Zu haus schwieg er über den kitzlichen Gegenstand, wie jedermann dort darüber schwieg. Auswärts aber wachte er über jedes Wort, das die Leute redeten, und wehe dem, der sich die geringste Anspielung erlaubte! Die Ohrfeigen und Püffe, die er, oft nur im Vorübergehen auf der Strasse, austeilte, wurden sprichwörtlich; denn sein Eifer bedachte auch manchen Unschuldigen, der mit seiner Rede etwas ganz anderes gemeint hatte. Durch diese beständige Kriegsbereitschaft wurde die Zahl seiner Freunde nicht vermehrt. Sein Vater aber schien ihm, ohne jedoch viel mit Worten merken zu lassen, so gewogen, dass Friedrich oft dachte, er könne kaum eine günstigere Zeit finden, um sich die väterliche Einwilligung zur Heirat mit der Tochter des Hirschbauers zu erbitten.
Vielleicht wäre sie ihm zuteil geworden und hätte den Wildbach seines Schicksals in ein fortan friedliches Bette geleitet. Doch wer kann dies sagen? Vielleicht wäre es auch dein Vater in dieser milden Stimmung gelungen, den Sohn, der guten Worten so zugänglich war, andern Sinnes zu machen, bevor er sich unwiderruflich gebunden hätte. Allein der Sonnenwirt berührte den Gegenstand nicht mehr, weil er nach seiner Sinnesart nicht daran dachte, dass es seinem Sohne mit dieser Liebschaft Ernst sei, und diesem fehlte immer noch die Hauptbedingung, die ihm die Zunge lösen konnte, nämlich das Jawort des Mädchens, das er liebte. Er hatte von der Erlaubnis, nach seinem Lamm zu sehen, möglichst fleissigen Gebrauch gemacht, er hatte Christinen durch Vermittlung ihrer Brüder, denen er das Geld dazu gab, in den Lichtkarz und auf den Tanzboden gebracht, er hatte keine gelegenheit versäumt, mit ihr zusammenzutreffen, aber seine Wünsche waren noch weit von ihrem Ziel. Beim Heimgehen von einem Tanze, wo er sie begleitete und eine Strecke hinter ihren Brüdern blieb, flüsterte er ihr alles Liebe und Schmeichelnde zu, was ihm sein Herz zu dieser Stunde eingab; sie ging still und vor sich blickend neben ihm her, und als er heftig beteuerte, er müsse noch ihr Schatz werden, er tue es nicht anders, oder er gehe weit fort nach Amerika, antwortete sie lachend: "Mein Schatz, das kannst du schon sein, aber damit bin ich der deine noch nicht; nach Amerika musst aber nicht gehen, denn da geht niemand hin, der was recht's ist." Mit einem Sprung war sie bei ihren Brüdern und neckte ihn, dass er so langsam nachkomme. Wie sie ihm aber an ihrem haus gute Nacht sagte, traf sie ihn wieder mit einem Blicke, wovon ihm das Herz wirbelte. So hielt sie ihn, und liess ihn doch nicht näher kommen. Wenn sie allein mit ihm war, benahm sie sich scheu, und vor den Leuten war sie schnippisch gegen ihn. Er sagte sich, dass sie als ein armes Mädchen gegen ihn, den Sohn wohlhabender Leute, die sie nicht mit günstigen Augen ansehen würden, doppelt auf ihre Freiheit zu halten berechtigt sei; deshalb ertrug er ihr Wesen mit ungewohnter Geduld und begnügte sich mit der halben Gunst, dass sie unter vier Augen du zu ihm sagte. Wenn er bei einer solchen gelegenheit einen Kuss begehrte, so konnte sie ihm den Bescheid geben: "Ich will mich noch besinnen, bleibenlassen ist gut dafür." Wurde er dringender, so sagte sie: "