Ohne Zweifel haben dieselben nach der Sitte der Zeit ausführliche Beschreibungen dieses geistlichen Prozesses veröffentlicht; aber unter den vielen Schwarten von hochfürstlichen Geburts-, Hochzeits- und Leichenfeierlichkeiten in dem öffentlichen Bücherschatze, den der Herzog später anlegte, als er für ein gleichfalls verfehltes Leben Ersatz in der Erziehung der Jugend suchte, haben jene Schriften keinen Platz gefunden, und das Lebensbild, aus welchem nicht ein Zug hätte verlorengehen sollen, muss auch auf dieser Seite halbvollendet bleiben. Doch hat einer der beiden Geistlichen dem Sohne des Oberamtmanns einzelne Züge aus jenem Bekehrungsgange mitgeteilt, welche uns in der Erzählung desselben aufbehalten sind. Bei seinem ersten Besuche begann dieser Geistliche von dem Zorne Gottes zu reden, der diejenigen verfolge, welche die Mittel der Gnade zu lange verschmäht, von einer traurigen Ewigkeit und von den Schwierigkeiten einer aufrichtigen Besserung nach einem so ruchlosen Leben. Hiemit hatte er zwar untadelhaft nach seinem Schema gearbeitet, wie der Oberamtmann nach dem seinigen ein regelrechtes Protokoll zuschreiben wusste; aber seine Bemühung fand den entgegengesetzten Erfolg. Der Räuber rief ihm aufgebracht entgegen, ob er nur gekommen sei, ihn zu quälen? Der Geistliche bequemte sich, in die Schule des Oberamtmanns, der diesen harten Stoff besser zu kneten verstand, zu gehen, und stellte sich nun dem stolzen Verbrecher als ein Bote des Friedens dar, der dem reuigen Sünder im Namen Gottes – welcher ihm geboten habe, ihn in seinem Namen sogar darum zu bitten – Gnade antrug; dann ging er zum Gebet über, flehte Gott um Vergebung ihrer beiden Sünden an und dankte ihm für die Langmut, die er diesem seinem verirrten Schafe bewiesen habe. Jetzt war die rechte Saite angeschlagen: der Verbrecher war bewegt von dem Gedanken an die Langmut Gottes, sah den Geistlichen während seines Vortrags mit unverwandten Augen an und zerfloss in Tränen; auch gestand er, dass ihn diese Langmut Gottes während seines ruchlosen Lebens oft zu Tränen gerührt habe. Von dieser Zeit an schlug der Geistliche bloss diesen Weg ein und führte seine Aufgabe siegreich durch. Der stolze Wildling wollte auch von seinem Gott und dessen Dienern um die schwere Arbeit, die er auf sich nehmen sollte, manierlich angesprochen sein. Es lässt sich jedoch denken, und wird auch ausdrücklich erzählt, dass dieselbe nicht ohne Unterbrechung vonstatten ging, wobei besonders sein Stolz immer wieder den schwer zu brechenden Kopf erhob. Einst besuchten ihn, nach der Art der Zeit, welche äusserst neugierig auf Verbrecher war, zwei Fremde in seinem Gefängnis. Der eine betrachtete die berüchtigte Gestalt und fragte, ob er der Unglückliche sei, der so viele unglücklich gemacht habe? "Meine Herren", antwortete er, den mächtigen Kopf in den breiten Nacken werfend, "wer ist unglücklicher, Sie oder ich? Sie, die vielleicht mitten in Ihren Sünden durch einen einzigen Schlag dahingerissen werden, oder ich, der ich durch das Blut Jesu mit Gott versöhnet bin?" Indessen tat er gleich wieder Busse und sagte zu seinem Beichtvater: "Mein Gott, was bin ich für ein elender Mensch, dass ich nicht einmal diese einzige Rede habe erdulden können!" Aber auch die lustigen Farben des Lebens störten ihm das ernste Gewebe, an dem er wirkte. Die unanständigen Witze und die Religionsspöttereien, die so oft den Beifall seiner Gesellen erregt hatten, kehrten manchmal wieder zu ihm zurück und verdarben ihm durch irgendeine unwillkürliche Gedankenverbindung das Gebet oder das Bibelwort, durch welches er den glimmenden Docht seiner Leuchte anzufachen, das zerstossene Rohr seines Lebens aufzurichten suchte. "Ebensowenig", sagt sein Geschichtschreiber, "verliess ihn seine rohe Lustigkeit. Ein Glas Wein und ein gutes Essen machte ihn auch in den letzten Tagen seines Lebens so lustig, dass er die ganze Gesellschaft, die bei ihm war, mit Scherzen unterhielt und Henker, Tod, Bekehrung, alles vergass." Desto grösser aber war nachher immer wieder seine Zerknirschung, "so dass er einst, als er bei ziemlichem Durste mehr Verlangen nach einem Glase Wein als nach geistlichen Gesängen empfunden, aus Reue hierüber und aus Zorn über sich selbst das Gesangbuch auf den Boden warf, was ihm dann einen neuen ebenso grossen Kummer verursachte." Da im Menschenleben zwischen dem Kleinsten und grössten Gleichungspunkte sind, so drängt sich bei diesem zug von selbst die Erinnerung an die Kämpfe des grossen Reformators auf, in dessen Geistesbande dieser schwierige Zögling sich gegeben hatte und dessen riesige Gestalt die Nachwelt oft mit lächelndem mund bewundert. Gleichwie seine Kirchenänderung die leichtfertige Welt seiner Tage mit Umsturz und Zerstörung bedrohte, so geht auch der Lehrbegriff, den er von einem verwandten geist erbte, dem natürlichen Menschen revolutionär und terroristisch zu Leib. Die Lehre eines alten Kirchenvaters, der nach einem weltlich durchstürmten Leben durchgreifende Busse und Selbstentäusserung predigte, muss den Menschen erst an allen Gliedern brechen, um ihn neu aufbauen zu können. Hieraus ergibt sich von selbst, dass sie bei der Jugend und bei allen jenen weichen, freundlichen Gemütern, die in Übereinstimmung mit sich durch das Leben gehen, seine Widersprüche nicht empfinden oder beiseite zu schieben wissen, nur oberflächlich wirken kann. Wer aber durch Schuld und Not hindurchgegangen ist, wer sich in den Netzen des Lebens verstrickt und sich selbst darin verloren hat, bei wem jener Entäusserung die grenzenlose Selbstverachtung vorgearbeitet hat, die sich nicht mehr mit dem Splitter im Auge des Nebenmenschen zu entschuldigen vermag, und wer auf allen seinen Irrwegen zugleich, wenn auch nicht ein geistesstolzes Denken, doch ein geistiges Leben sich bewahrt hat, der ist reif, um jene Lehre mit ihrer