diese Zauberformel gegen böse Einflüsse und Vorbedeutungen dreimal auszusprechen, machte sie ihm lebhafte Vorwürfe wegen seiner sündlichen Rede.
"Das ist nur so figürlich gesagt", erwiderte er. "Ich hab dir bloss zeigen wollen, dass es Dinge in der Welt gibt, die man sich n i c h t vom Leib halten kann, wo man konträr wollen muss, man mag wollen oder nicht. Jetzt kann ich dir aber auch um so besser beweisen, dass es dafür andere Dinge gibt, die man sich vom Leib halten kann, wenn man nur recht tüchtig will. Zum Beispiel den Chirurgen –"
"Gott Lob und Dank, endlich kommst du doch auf den rechten Text. Aber sag nur einmal, wie?"
"Du nimmst ihn eben nicht."
"Aber wenn der Vater sagt: du musst?"
"Dann sagst du: ich will nicht."
"Kann ich mir dann auch die Streich vom Leib halten?"
"Ja sieh, lieb's Kind, das ist's eben, d a r a u f hab ich von Anfang an hinaus gezielt, und jetzt ist der Text vollständig. Vogel friss oder stirb! das ist der Text. Wenn aber das Vögele nicht fressen will, und es will eben um keinen Preis nicht, so muss es zwar sterben, aber die sache ist doch nach s e i n e m Schnabel gegangen. Das Leben ist der höchste Preis, den ein Vogel oder ein Mensch einsetzen kann, und mehr als das Leben kann man einem auch nicht nehmen. Wenn einer nun seinen Sinn fest darauf richtet, dass er denkt: die und die Nuss will ich nicht beissen! so muss ihm zum allerersten das Leben wohlfeiler sein als der Schnabel. Dann wird's aber auch ganz gewiss nach seinem Schnabel gehen und wird oft nicht einmal das Leben kosten. So sagst du jetzt, du mögest den Dürren nicht."
"Für mein Leben nicht!" rief das Mädchen leidenschaftlich.
"Just, wie ich sagen wollte! Du bekennst also selber, dass dir dein Leben nicht so lieb ist, als es dir lieb wär, des dürren Stecken ohne zu sein, und vorhin hast du ja gesagt, du wolltest lieber in die Fils springen. Damit pressiert's übrigens gerade nicht so sehr, nur muss es dein völliger Ernst sein, und zwar so, dass du dich lieber totschlagen liessest. Sieh, dein Leben wird dir doch lieber sein als eine trockene Haut oder ein heiler rücken. Was ein heiler rücken wert ist, das weiss ich aus Erfahrung, und ich kenn auch des Vaters schwere Hand."
"Ja, ich auch."
"Du wirst sie aber doch nicht so fürchten, wie den Tod."
"Nein, das gerade nicht."
"Nun sieh, jetzt kannst du an dir selbst die probe machen, ob's ein Ernst ist oder eine blosse Redensart mit dem, was du gesagt hast. Die Menschen brauchen viel leere Redensarten. Da sagt einer: Das und das lass' ich mir ums Leben nicht gefallen! Und nachher, wenn's drauf und dran kommt, lässt er sich's gefallen um des Esaus Linsengericht oder auch noch um weniger, oder weil er einen Buckel voll Schläg fürchtet. Nimm dir einmal die sache genau in Augenschein. Was kann dir der Vater tun? Umbringen wird er dich nicht, du bist ja sein eigen Fleisch und Blut. Aber puffen wir er dich, dessen kannst du gewiss sein, und mach dir nur keinen blauen Dunst darüber."
Magdalene seufzte.
"Auch sonst wird's dir übel gehen; du wirst ein wahres Hundeleben haben, mehr noch als bisher. So leid mir's tut, dir das für gewiss zu sagen, so müsst ich ja doch ein schlechter Ratgeber sein, wenn ich's verschweigen wollte."
Magdalene seufzte abermals.
"Ich glaube's gern", fuhr er fort, "dass es dir schwer eingeht, aber dennoch musst du's recht genau ins auge fassen. übrigens kannst du dir dabei voraus denken, wie du bei jedem scheelen blick, bei jedem Streich, an jedem Hungertag sagen wirst: ist mir doch lieber, als wenn ich bei dem Zaunstecken sein müsste, den ich nicht mag. Und dann, wie lang wird's dauern? Nur so lang, als sie meinen, dass sie dich zwingen können. Wenn deine Geduld grösser ist als ihre Bosheit, so wird ihre Bosheit zunichte. Der schlanke Freiersmann macht am Ende den Kuhhirten von Ulm, oder es find't sich unterdessen eine andere gelegenheit, die dem Vater in die Augen sticht, so dass er ihm selber den Laufpass gibt. Zeit gewonnen, ist alles gewonnen. Mit dem teil Ungemach, das du dir n i c h t vom Leib halten kannst, kaufst du dein junges Leben los von grösserem Ungemach und behältst es unverschandiert, so dass dir der grüne Schleicher sein Lebtag nicht ins Bett kommen kann. Ich sag dir, Magdalene, was ich da gesprochen habe – es ist zwar gar nichts Neues, und viele reden desgleichen, aber sie wissen nicht, w a s sie sagen; denn es ist ein Geheimnis! Wer's aber recht versteht, der kann Wunder damit tun, und Wunder sind auch schon damit getan worden! Mit drei einfältigen Wörtlein: Ich tu