sie unter Umständen gefangen worden, die ihn nicht zweifeln liessen, dass sie einer schwereren Haft als gewöhnlich entgegengehe. Auch sah er sie nicht eher wieder als in der Vaihinger Gefangenschaft, die er schon ein halbes Jahr nach dieser Verhaftung seiner Gefährtin betrat.
Arm an Hoffnung und bald auch an Barschaft schleppte er sich den Winter über hin und wagte während dieser Zeit nur einige wenige Unternehmungen, die ihm mehr Gefahr als Beute brachten. Er war überall und nirgends, aber von seinen hastigen Streifzügen kehrte er immer wieder nach einem vertrauten hof in der Nähe des Amtsfleckens zurück, wohin Christine abgeliefert worden war. Auf und bei diesem hof, der zugleich ein Vergnügungsort für die Honoratioren der Umgegend war, hielt er sich wochenlang auf und erlauschte eines Tages von der Küche aus die Kunde, die der Amtsschreiber den anderen Gästen im Wirtszimmer mitteilte, der Knecht und die Magd werden bald loskommen, das Weib aber scheine ein tüchtiger Fang zu sein; neulich sei ihr das Spiel von den Fleischmännern garstig versalzen worden, sie habe ausbrechen wollen und dann dem Amtmann auf seinen Vorhalt hierüber zur Antwort gegeben, ein grüner Wald sei ihr lieber als ein gemalter Turm.
In dieser Zeit wurde einst zu Steinbach bei Baden in einer Scheune eine nächtliche Gaunerversammlung gehalten, zu welcher sich die Zigeuner, die in den niederelsässischen Wäldern in Hütten hausten, von dem Sohne eines Fergen über den Rhein herüberführen liessen und zu welcher auch Schwan geladen war. Der Leutnant der überrheinischen Zigeuner, Mockel, trat hier mit einem Vorschlag auf, wobei es sich um nichts Geringeres handelte, als an dem Markgrafen Karl Friedrich von Baden-Durlach ein Exempel zu statuieren. Dieser pflichteifrige Fürst, dessen Land den Angriffen der Gauner am meisten ausgesetzt und der durch einen empörenden Einbruch des Konterwirts in Mühlburg (an dem nämlichen Orte, wo ein früherer badischer Fürst, der regierende Markgraf Eduard Fortunat von Baden-Baden, als gemeiner Strassenräuber an einen westfälischen Rosskamm Hand gelegt hatte) zu nachdrücklichen Massregeln gegen das Gesindel herausgefordert war, hatte, sehr im Gegensatze gegen den Deutschmeister und andere Nachbarn, den Grundsatz gefasst, nicht nur gegen alle, die auf seinem Boden betreten würden, aufs schärfste zu verfahren, sondern auch die Gefangenen von anderen Herrschaften, welche lässiger verfuhren, um Geld an sich zu kaufen. Infolge dieser Massregel waren die Gefängnisse von Karlsruhe mit selbstgefangenen und eingehandelten Gaunern überfüllt. Die Versammlung, Männer und Weiber, brach in die entsetzlichsten Drohungen gegen den Markgrafen aus und wollte auf Mockels Antrag den Beschluss fassen, das ganze Land anzuzünden und einen Schrecken zu erregen, der dem Fürsten die Lust zur Ausrottung der Kochemer vertreiben sollte. Sein Gestüt bei Reichenbach sollte nebst den Orten Grötzingen und Wilfertingen den Anfang machen, dann ein Einfall in das Frauenalbische folgen, und über den geeignetsten Zündstoff war man ebenfalls einig, als Schwan in diesem furchtbaren Parlament als Hauptsprecher gegen den Antrag auftrat und es durch seine Beredsamkeit und durch sein Ansehen unter den Räubern wenigstens dahin brachte, dass die Ausführung desselben verschoben wurde. Er bediente sich eines Verwerfungsgrundes, der seine wirkung bei der Versammlung nicht verfehlte, denn er machte geltend, dass die Gefangenen zu Karlsruhe und seine in Stein liegende Frau selbst darunter leiden müssten und nur eine desto härtere Todesstrafe zu gewarten haben würden. Aber er glaubte nicht, dass der Plan aufgegeben sei, und in seinem Verhör zu Vaihingen sagte er, es werde gewiss noch geschehen, und man werde vielleicht deshalb an ihn gedenken, wenn er schon tot sei. Es geschah jedoch nicht, denn sein Verrat verbreitete unter den Räubern denselben Schrekken, den sie dem badischen land zugedacht hatten, und die vielen Randzeichen des Vaihinger Untersuchungsprotokolls zeugen von den ebensovielen Mitteilungen, welche der tätige Oberamtmann an die benachbarten Ämter und Gerichte ausgehen liess, um ihre arme gegen die noch auf freiem Fuss befindlichen Genossen seines Gefangenen in Bewegung zu setzen.
Der Verbrecher, der seinen Vaterort täglich durch Drohungen mit Mord und Brand geängstigt hatte, verliess mit Abscheu die Versammlung, die der Ausführung solcher Taten fähig war, und entüllte in dem Briefe, den wir bereits kennen, dem Amtmann von Stein den verruchten Mordbrennerplan. Freilich war die gute Regung, die man nach seiner ganzen Beschaffenheit nicht an ihm bezweifeln kann, mit sehr menschlichen Absichten vermischt: er wollte Gnade für sich und hatte unter den badischen Beamten den von Stein ausgewählt, weil er durch seine Unterhandlung mit diesem günstig auf Christinens Schicksal einzuwirken hoffte. Dennoch würde selbst im Falle ausschliesslicher Eigensucht seiner Entüllung ein Verdienst nicht ermangeln; denn wenn jene politischen Blutegel, wie ein zeitgenössischer Beamter und Schriftsteller die zu Tausenden umherstreifenden Gauner nannte, Raum gefunden hätten, als geschlossene Macht aufzutreten, so wäre bei dem Zustande des Reiches und der von Preussen geschlagenen Reichsarmee mehr als viel auf dem Spiele gestanden.
Er erhielt jedoch von dem Amtmann keine Antwort, merkte aber bald, dass derselbe ihm auf der Spur sei, denn als er nach dem hof bei Stein zurückkehrte, vernahm er, dass das Gerücht von seiner Anwesenheit verbreitet sei, und hatte Not, sich durch die aufgebotenen Streif wachen durchzuschleichen. Unstet und flüchtig irrte er nach anderen Gegenden.
Nach dem vergeblichen Schritte bei dem Amtmann von Stein fasste er den noch abenteuerlicheren Gedanken, in der Residenz des Deutschmeisters, auf neutralem Boden also, wie er meinte, vor seinem aus dem feld heimkehrenden Herzog zu erscheinen und zu versuchen, ob er nicht sein Herz rühren könne. Dieser Einfall verrät eine Treuherzigkeit, die man einem Gauner und Räuber fürwahr nicht zutrauen sollte