Strasse getroffen, der ihn grüssen lasse. Als er in den folgenden Tagen wieder mit ihr zusammentraf, erfuhr er von ihr, dass sein Vater seine Kinder zu sich genommen habe. Inzwischen aber hatte er sich selbst in Ebersbach zu gast geladen und hiedurch den Tod eines Menschen veranlasst, dem er nichts weniger als übel wollte. In der Gegend umherschweifend, war er am Rechberg hinter einer Hecke hervor, unvermutet von einem Kameraden, dem sogenannten Jägerkasperle, angeschrien worden, der ihm klagte, er habe keinen Kreuzer hinter sich und vor sich, und ihn fragte, ob er keine gelegenheit wisse. Da fiel ihm sein Vormund ein, mit dem er noch ein Hühnchen zu pflücken hatte. Schon die nächste Nacht fand die beiden Spiessgesellen in dessen Laden. Während aber Schwan die erste Beute in einem benachbarten Gässchen absetzte, kam der Fleckenschütz zu seinem Unstern des Weges daher. Er hatte mit einem Bekannten bis über Mitternacht im Branntweinhause gezecht, sah den Laden offen und taumelte hinein, um zu sehen, was es gebe. Der Räuber schrie ihn an, er solle sich packen. Da aber der Schütz ihn anstarrte und noch näher auf ihn zuging, so gab der Räuber, der seinen Stock für eine Flinte hielt, ohne weiteres Feuer und sprang seinem Genossen zu. Ein Nachbar, der von dem Schuss erwachte, sah zum Fenster heraus und rief, da er jemand im Gässchen erblickte: "Was ist das für ein Schuss? Hat man nach des Sonnenwirts Frieder geschossen?" "Ja, ja!" antwortete dieser und machte sich mit dem andern davon. Dass der Getroffene der Schütz war und dass die Kugel ihm das Leben gekostet, erfuhr er erst später und prügelte seinen ungeschickten Kameraden dafür und für einen Einbruch bei einem Kaufmann in Winnenden, den er als einen ehrlichen Mann nicht bestohlen wissen wollte, tüchtig durch. Dieser, der die Schläge als verdient anerkannte, liess den Verdruss darüber an einem Dritten aus, der ihn zu dem Einbruch in Winnenden verleitet hatte, und hieraus entstand eine Feindschaft, welche so tödlich wurde, dass man einander mit Schüssen zu leib ging und dass der Verführer des kleinen Kaspars, als geschworener Gegner des "Sonnenwirts", von den rheinischen Gaunern den Namen "Konterwirt" erhielt. Der Tod des Schützen aber wurde in Ebersbach als eine neue Meucheltat der schädlichen bösen Wurzel angesehen, und der Vogt liess Sturm schlagen und alle Bürger unter das Gewehr rufen, als ob eine ganze Armee von Gaunern im Anmarsch wäre. Der Kirchenkonvent von Ebersbach, unter dem Vorsitze des Pfarrers und Amtmanns, beschloss, dem jüngsten kind des verunglückten Schützen eine kleine Unterstützung auszusetzen und zugunsten der übrigen Hinterbliebenen desselben ein untertäniges Memorial bei der herrschaft einzureichen, strafte aber zugleich den Zechbruder des Erschossenen um ein Pfund heller, weil er demselben beim Schnaps Gesellschaft geleistet und dadurch mittelbar gelegenheit zu dem Unfall gegeben habe.
Dennoch sollte der Räuber, so sehr er seine Hand rein von Blut zu erhalten strebte, noch einen dritten Mord, den zweiten und letzten, den er selbst beging, auf seine Seele laden.
Im Löwen zu Jöhlingen, einem dorf in der unteren badischen Markgrafschaft, hatte er einst mit der schwarzen Christine nebst einem Knecht und einer Magd, die das Paar bei sich im Dienste hatte, Herberge genommen. Sooft er seinen Stern mit Christinens Stern verband, konnte er im Wohlstande leben. Der Knecht war ein gelernter Gauner und in die Unternehmungen seiner herrschaft eingeweiht; die Magd aber, die anfänglich als Wärterin für ein inzwischen wieder gestorbenes Kind Christinens angenommen war, hatte bloss häusliche Dienste zu verrichten und alles eigenmächtige Stehlen war ihr von ihrem Herrn strengstens untersagt worden, weil sie, wie er sich ausdrückte, als ein Mensch von schlechter Kleidung und person leicht darüber ins Unglück kommen könnte. herrschaft und Gesinde speisten ruhig miteinander und achteten nicht darauf, dass zwei Männer in die stube traten, sie eine kleine Zeit aufmerksam beobachteten und sich dann einer nach dem andern wieder entfernten. Die Gesellschaft war aufgefallen, sei es, dass ihre jenische Sprache Verdacht erregt, oder dass man sie auf einem benachbarten Markte gesehen hatte. Plötzlich fiel auf der Strasse ein Schuss. Sie fuhren auf, aber zu gleicher Zeit drangen die beiden Männer wieder in die stube und auf sie ein. Schwan machte sich von ihnen los und stürzte hinaus, sah aber die Treppe mit Bewaffneten besetzt, unter welchen er den Ratsschreiber des Orts mit angelegtem Gewehr erblickte. Die Not gab ihm Kraft, eine tür auf dem Gange einzudrücken und sich in eine andere stube zu werfen, die aber keinen Ausweg hatte. Einer seiner Verfolger kam herein und fasste ihn an den Haaren. Er drohte ihn niederzuschiessen, wenn er nicht gehe, und da jener nicht abliess, so zog er die im Rockfutter versteckte Pistole, die er stets vermittelst einer Schnur am Arm hängen hatte, und jagte dem Angreifer die tätliche Kugel in die Seite. Hierauf griff er nach der anderen Pistole und erschien an der Treppe mit dem Ruf, wer ihn anrühre, den schiesse er über den Haufen. Der Schuss und die drohende Haltung des kühnen Räubers schüchterten die Bürgerwachen völlig ein. Sie drückten sich an die Wand und an das Treppengeländer, so dass er mitten durch sie hinunterkam. Erst als er aus dem haus hinausstürzte, sendeten sie ihm einige verlorene Schüsse nach. Er war frei, aber Christine blieb mit der reichgefüllten Kramkiste und mit Knecht und Magd in den Händen der Gerichte zurück, und diesmal war