ich's."
"Nun, und da ist deiner Christine Bruder auch darunter gewesen."
Er stiess einen Schrei des schmerzlichsten Zornes aus und wütete gegen die ganze Welt, den Herzog an der Spitze.
"Nimm dich doch in acht!" sagte der Hüter, "du kannst dich mit solchen Reden um den Kopf bringen."
"Was liegt daran!" erwiderte er.
Man hörte Schritte, und im Mondlicht kamen Soldaten zum Vorschein.
"Wer da?" rief er mit wilder stimme, hervortretend und das Gewehr anlegend.
"Die tun dir nichts", sagte der Hüter, "die sind in Urlaub und lassen sich's wohl sein, weil man wegen der unruhigen Zeit dem Soldaten ein wenig durch die Finger sieht, haben den ganzen Tag viel getrunken und wollen den Geist verluften; wenn sie vielleicht auch gesagt haben, dass sie auf dich streifen wollen, so ist's ihnen nicht Ernst damit."
"Ist des Jergs Bruder, der Hannes, unter ihnen?"
"Nein", sagte der Hüter und nannte ihm ihre Namen.
Er trat den drei bewaffneten und mit Gewehren versehenen Reichskriegern entgegen; mit der einen Hand hielt er sein Gewehr, mit der anderen klopfte er auf die Lederhosen und rief: "Nur her da, ich hab schon lang auf euch gewartet, ich bin der Sonnenwirtle!"
Diese Worte und Töne schlugen wie ein Kartätschenhagel in die Schar der Helden ein, die vielleicht in nächster Zeit gegen den rebellischen König von Preussen in das Feld rücken sollten. Sie machten Kehrt und liefen so schnell davon, als ihre steifen Stiefeletten, die doch recht eigentlich ein Mittel gegen das Fluchtfieber abzugeben geeignet waren, es gestatten wollten.
Er lachte unbändig hinter ihnen her. Über dem spasshaften Anblick und über der Befriedigung seines Stolzes hatte er, für einen Augenblick wenigstens, alles vergessen, was ihn drückte.
"Hab ich's nicht gesagt, die tun dir nichts?" sagte der Feldhüter. "Die könnt man mit keinem Pferd mehr einholen."
"Hol mir Wein."
"Gern, aber weisst, damit ich vor Amt schwören kann, du habest mich gezwungen, so musst mir's anders befehlen."
"Gut." Er klopfte an sein Gewehr. "Du musst mit mir da hinein und zu trinken holen, und wenn du nicht willst, so musst du."
"Sehr wohl."
Sie gingen zusammen bis nahe an den Flecken. Dort gab er ihm Geld und wartete mit angezogenem Gewehre auf seine Zurückkunft.
Der Hüter kam allein, denn er wusste wohl, dass eine Verräterei ihn ausser stand setzen würde, je wieder seinen Dienst bei Nacht zu tun. Hierauf gingen sie in das Feld zurück.
Der Hüter musste den Wein tragen und durfte dafür nachher mit ihm trinken.
"Was reden sie in Ebersbach von mir?" fragte er, sich bequem auf den Boden streckend.
"Sie haben gottsträflich Angst vor dir."
Er lachte und liess nicht ab mit fragen, bis ihm der Hüter die gleiche Antwort wohl sechsmal in verschiedenen Wendungen wiederholt gegeben hatte.
"Aber die Börtlinger Geschicht macht bös Blut, es wird allentalben nach dir gestreift, und es ist da herum nicht mehr gut wohnen für dich."
Er lachte noch lauter und fing nun mit diesem Einbruch, den er vor wenigen Stunden mit manchem Gewissensbiss erzählt, heillos zu prahlen an. Dabei machte er sich mit dem Amtmann von Adelberg und anderen vornehmen Personen gross, indem er so das Märchen, das vielleicht seine Genossen zu seiner eigenen Aufmunterung ersonnen hatten, weiter verbreitete. Indessen erreichte er seine Absicht, denn der Hüter bemerkte, wenn solche Leute mit in der Verschwörung seien, so werde der Schrecken in der ganzen Gegend um so grösser werden. Hierauf befahl er ihm, den Amtmann von ihm zu grüssen, er habe eine schöne Flinte, die dem Herrn Amtmann gewiss anständig wäre, sie sei recht leicht; warum er denn gar nicht mehr auf die Jagd komme? Zu diesen Hohnreden fügte er Drohungen gegen seine Verfolger, seinen Vormund und den ganzen Flecken. Nach der Ernte, wenn die Scheuern voll seien, sagte er, sei es besser, die Häuser anzuzünden, es brenne leichter und gebe eine grössere Freude. Der Hüter wagte bescheidentlich einzuwenden, er gehe ja selbst nach Brot und werde doch der Gottesgabe nicht so mitspielen wollen. "Ei was!" erwiderte er kindisch, "ob ich's verbrenne oder ob's der Hagel erschlägt, das ist alles eins."
Zuletzt kam er wieder auf den Schulteissen von Börtlingen zu sprechen und sich zu rühmen, wie er diesen für seine Heuchelei und Ungerechtigkeit bestraft habe. "So muss man's machen", sagte er, "ist's nicht recht so?"
"Unser Pfarrer", sagte der Hüter ausweichend, "schimpft auch auf ihn und sagt, jetzt habe er's, dass er nicht mehr Vorsicht anwende und alles dem Himmel überlassen wolle; er verderbe dem geistlichen und weltlichen Amt das Spiel, verschmähe allen erlaubten Profit, hänge sein Geld an die Armen, die dadurch nur immer begehrlicher werden, und opfere sich auf eine einfältige Art für seine Gemeinde auf, so dass ihm's kein Pfarrer und niemand nachmachen könnte, der sich nicht zugrunde richten wollte."
"So?" sagte der Räuber und versank in stummes Nachdenken. So