streiten, wenn du streiten willst", erwiderte sie und ging hinein. Nach kurzer Frist kam sie mit ihrem kleinen Bündel zurück und sagte: "Da drinnen meinen sie auch, es sei das best für mich, ich geh wieder heim. Sie sind arg betrübt, dass der Christle heute abend ins Ottenbacher Tal 'nüber ist, um deine Kameraden aufzusuchen."
"Das ist das rechte Klima!" versetzte er. "Wenn er sie nicht antrifft, so kann er sie dort jedenfalls erfragen. Was willst du aber machen, wenn dich deine Mutter nicht behält, wie sie schon einmal getan hat?"
"Dann probier ich's wieder mit der Schulmeisterin zu Denzlingen, oder auch, wenn alle Sträng brechen, mit meiner Zuchtausaufseherin. Es ist hohe Zeit für mich, dass ich wieder in ein anders Leben komm."
Sie schritt unaufhaltsam dahin, so dass er wohl oder übel mitgehen musste. "Wie ist's denn in Börtlingen gangen?" fragte sie.
"Wir sind sieben Mann stark mit der Margarete dem Schulteissen ins Haus gedrungen. Einer, der eine dunkle Kappe mit Augenöffnungen über das Gesicht gezogen hatte, ist unser Anführer gewesen; sie sagen, es sei der abgedankte Amtmann von Adelberg. Es war noch ein zweiter Unbekannter dabei, in einem schwarzen Kamisol und weissen Zwilchkittel, mit ganz schwarzgefärbtem Gesicht. Der mit der Kappe ist dem Melcher auf die Achsel und durch einen Laden eingestiegen und hat uns die Haustür aufgemacht und davor Wache gehalten. Wir sind hinein, haben bei fünfzehn Wachslichter teils unten und oben an die Wand geklebt, teils in der Hand gehalten."
"Und mit den Lichtern habt ihr den Schulteissen brennt?"
"Ich hab ihm weiter nichts getan als ihn binden helfen, hab ihn am Hals und um den Leib hart gehalten, einen alten Heuchler geheissen und angeschrien, er solle gestehen, wo er sein Geld habe, oder er müsse sterben. Zugleich ist die Magd in ihrem Schrecken nackend die Stege herunterkommen; der Christianus hat ihr die Zöpfe abgeschnitten, die hände und Füsse damit zusammengebunden und sie in der Frau Bett geworfen, weil sie geklagt hat, es friere sie so. Denn die Frau ist auf dem Boden gelegen, der Melcher hat ein Deckbett über sie geworfen. Die Magd hat gewimmert: hier stehe der Kupferhafs, sie sei ein armer Wais, man solle ihr nichts tun. Zugleich hat der Schulteiss gesagt, es sei Geld genug in der kammer drin. Die anderen aber haben aus der kammer gerufen: Wir haben das Möges schon, nämlich das Geld. Auf einmal hat die Margarete, die vielleicht Leute auf der Gasse gehört, Gaif! Gaif! gerufen und hat mir zugeschrien, ich solle hinunter und Feuer auf sie geben. Darauf hab ich unter dem Haus mit dem in der Kappe Wache gehalten und mich an nichts mehr beteiligt."
"Dann haben die anderen den Schulteissen misshandelt?"
"Ja", erzählte er zögernd, "sie haben noch mehr Geld gewollt und deshalb Torturen angewendet. Der Jägerkasperle, der dabei war, hat die Frau an den Augenbrauen geritzt, und der Schwamenjackel, der wüste Kerl, hat den Schulteissen geschlagen und mit einer am Licht glühend gemachten Nadel unter dem Nagel in den Daumen gestochen."
"Jesus! Jesus!" schrie Christine. "Das ist ja schrecklich."
"Sie haben aber nichts mehr von ihm bekommen als den Nachtmahlskelch nebst Zubehör. Er hat alles andere richtig angegeben und nur diese Sachen hat er verheimlichen wollen, weil sie seiner Gemeinde gehören."
"Wie ist's denn bekannt worden, dass du dabei gewesen bist?" fragte sie. "Hättest du dich nicht auch vermummen können?"
"Der Bettelmelcher", erwiderte er, "hat immerfort geschrien: Kennt ihr mich? Ich bin der Sonnenwirtle."
"Die Spitzbuben!" rief sie empört: "damit haben sie dich absichtlich 'neinreiten wollen! Und ich steh dafür, den gefährlichsten teil vom Raub, den Kelch, haben sie sicherlich d i r geben."
"Dass sie alle Mittel anwenden, um mich völlig in ihre Gesellschaft zu ziehen, ist natürlich", erwiderte er. "Ich kann ihnen das nicht einmal übelnehmen. Und was bleibt mir sonst übrig?"
In diesem Augenblicke kamen sie aus dem wald auf das freie Feld heraus, das noch vom letzten Tageslicht erhellt war. Sie sah ihm schmerzlich und schüchtern in das Gesicht, dessen starre Züge eine finstere Ergebung verkündigten. "Mir gräuselt's vor dir!" sagte sie.
"Du hast's nötig, so zu reden!" rief er wild. "Wer hat sich denn Essen und Trinken und Kleider von mir bringen und das Kostgeld für sich bezahlen lassen? Wer hat vom Melcher ein Pfännle verlangt? Hast du geglaubt, der Bettelmelcher werde es kaufen? Und wer hat diesem Dieb und Räuber von Profession die gelegenheit in Heseltal beschrieben und ihm angegeben, wo der Wirt sein Geld hingetan hat?"
"Ach Gott!" rief sie weinend, "du hast freilich recht! Ich sag ja, es sei hohe Zeit für mich, in ein anders Leben zu kommen. Da siehst, wie man in d e r Gesellschaft wird. Sie lachen ein' so spöttisch aus und stellen ein' so miserabel hin, dass man's nicht aushält und ihnen vor lauter Ärger zeigen muss,