ist feurig und eine Flamme des Herrn, dass auch viel wasser nicht mögen die Liebe auslöschen, noch die Ströme sie ersäufen." Er schlug unruhig die wohlbekannten zwei Blätter hin und her, die auch für ihn so manches Wort entielten, und das Herz klopfte ihm, als die Stelle vor seine Augen trat, wo es heisst: "Ich bin schwarz, aber gar lieblich, ihr Töchter Jerusalems, sehet mich nicht an, dass ich so schwarz bin, denn die Sonne hat mich so verbrannt."
Er legte das Buch wieder hin und ging, um sein Weib aufzusuchen. Er war in dem schon nächtlich dunklen wald noch nicht weit gegangen, als er eine weibliche Gestalt gegen sich kommen sah, die bei seinem Anblick zaudernd stehenblieb. Er erkannte sie erst, als er sich ihr bis auf wenige Schritte genähert hatte. Es war die blonde Christine, die ihn vergebens im wald gesucht hatte und nun auf der Rückkehr begriffen war. Sie befand sich aber in einer Laune, die nicht nach den Würzgärten Salomos schmeckte. "Deine Zigeunerin hat mir schon gesagt, wo du seiest", warf sie mürrisch hin, "sie ist mir begegnet."
"Sie wird dir gesagt haben, dass ich dich hab besuchen wollen."
"Lässt mich den halben Tag um dich 'rumlaufen."
"Nun, jetzt hast mich ja."
"Bist mit deiner Zigeunerin 'rumzogen?"
"Ja."
"Gib mir nur mein Halstüchle, mein Müffle und mein' Schurz wieder. Ich brauch's."
Gereizt durch ihren zänkischen Ton, öffnete er den Büchsenranzen und gab ihr die gepfändeten Gegenstände zurück. "Ich hab dir auch einen getüpfelten Schurz mitgebracht", setzte er verdriesslich hinzu, "wenn du aber so widerwärtig bist, ist nichts mit dir anzufangen. Da!"
"Ich brauch ihn nicht", sagte sie trutzig.
"Nein, du musst ihn nehmen", rief er. "Man kann ja nirgends mit dir hin in deinem schwarzen leinenen Schurz; wo du hinkommst, sehen dich die leute für ein Baurenmensch an."
"Ich bin dir in meinen Kleidern lang gut gnug gewesen", sagte sie und zog die Hand zurück.
Er warf ihr das Geschenk über die Schulter.
"Ich will nichts von deinen gestohlenen Sachen haben!" rief sie und warf es zu Boden.
"Wart, ich will dir so unartig sein!" rief er zornig und hob die Hand gegen sie auf. "Ich sollt dich nur –"
"Schlag mich nur in dem Zustand, in dem ich bin!" rief sie, in Weinen ausbrechend. "Die Liebe ist dir ja doch vergangen. Lass du mich heim, ich kann schaffen und dienen, ich hab nicht nötig, gestohlen Brot zu essen. Geh du, wo dich dein Herz hinzieht, zu deinem Zigeunermensch."
"Wenn du mir's so machst", erwiderte er, "so kann mir die Wahl nicht weh tun. Aber bis jetzt hast du keinen Grund zur Eifersucht, das kann ich dir schwören. übrigens ist die Zigeunerin christlicher gesinnt als du. Sie sagt, wenn du mit mir zu ihnen übertretest, so wolle sie dich wie eine Schwester halten, und nur, wenn du durchaus nicht mit mir gehen wollest und nach Haus begehrest, wolle sie mir Geld für dich geben, damit du nicht Not leiden müssest."
"Ich will kein Geld von ihr, um mich abfinden zu lassen", sagte sie heftig, "ich will mich und meine Kinder von meiner hände Arbeit ernähren."
"So schimpf wenigstens nicht über sie, denn sie tut nichts, um dich zu verdrängen, und meint's ehrlich mit dir. Dass es aber zwischen uns endlich zu einer Entscheidung kommen muss, das wirst du selbst einsehen."
Während dieses unfreundlichen Wortwechsels ging Christine ohne Aufentalt immer vorwärts, und er folgte ihr.
"Bist du heute nacht mit dabei gewesen in Börtlingen?" fragte sie nach einer Weile.
"Woher weisst du was von Börtlingen?"
"heute früh schon hat man's auf dem Hof gehört, es sind leute dort vorbeikommen, und heute nachmittag sind mir leute im Wald begegnet, denn wenn ich allein bin, so brauch ich mich nicht zu fürchten und kann die Strass gehen. In der ganzen Gegend ist ein Geschrei: eine Räuberbande sei bei lichtem hellem Mondschein zu Börtlingen eingefallen und der Sonnenwirtle sei ihr Hauptmann gewesen und hab die leute schwer misshandelt und den Schulteissen am Feuer geröstet."
"Und gefressen wie einen Schöps!" setzte er lachend hinzu. "So arg ist's nicht."
"Also in der Hauptsach ist's wahr?"
"Dir leugn' ich's nicht", antwortete er.
Sie waren bei diesen Worten wieder in der Nähe des Hofes angekommen. "Wart ein wenig", sagte sie, "ich will nur geschwind meine Sachen holen, denn ich muss eilen, wenn ich noch nach Ebersbach kommen will, vor's ganz Nacht wird. Begleiten wirst mich wenigstens zu guter Letzt noch ein bissle."
"Ist dir's Ernst?" fragte er düster.
"Ich weiss mir kein' andern Weg."
"Ich lass dich nicht!" rief er, und seine stimme verriet, dass es in ihm zu kochen begann.
"Wir können ja unterwegs