Schönes hören. Mein Weg führt übrigens nicht dortin, ich muss dich allein ziehen lassen."
"Nein, bleib bei mir, wir wollen nur ein wenig umherschweifen, ich muss Gesellschaft haben."
"Hast ja dein Gewehr", sagte sie, blieb ihm übrigens zur Seite, während er hastig längs einer Schlucht hinanstieg.
Sie waren auf einem kleinen, tief im Dickicht fortlaufenden Pfade lange gegangen, als Christine in einer Vertiefung, durch die derselbe führte, den Schritt anhielt und sich über die schwüle Luft beklagte. Sie bog die Zweige auseinander und ging einem Plätschern nach, das sich seitwärts hören liess. Er folgte ihr. Ein Bächlein rieselte durch den Wald und bildete, etwa mannshoch über Felsen springend, wenige Schritte vom Wege, aber tief verborgen, einen kleinen Wasserfall, aus dessen moosigem Flecken es leise weiterfloss. An dieser kühlen, dunklen, heimlichen Stelle liess sich die Zigeunerin nieder und wühlte in dem Moose, unter welchem Tropfsteine hervorblinkten. Er setzte sich ihr gegenüber auf einen umgefallenen Baumstamm.
"Du bist müd, deine Augen brennen vor Schlaflosigkeit", sagte sie. "Zwei Nacht hast du jetzt nicht geschlafen und den ganzen Tag nicht geruht."
"Woher weisst du das?"
"Ich hab auf dich acht gehabt. Leg dich hier schlafen, hier ist Schatten und Frische! Ich will bei dir wachen, dass dich niemand stört."
"Ich kann nicht schlafen", sagte er.
Sie spritzte ihm von dem Schaume des Wassers ins Gesicht.
"Das wasser tut mir wohl", sagte er und tauchte gleichfalls die Hand ein, um sich die Augen zu kühlen.
"In dir geht etwas vor", sagte sie.
"Wenn sich der Mensch umkehren soll wie ein Handschuh", erwiderte er, "so ist das nicht auf einmal geschehen." Er stützte den Kopf in die Hand und brütete vor sich hin.
"Wie meinst du das?" fragte sie.
Er richtete sich wieder auf. "Die Habsucht von ihrem Überfluss erleichtern", hob er nach einer Weile an, "gegen harte Menschen streng auftreten, dazu kann sich der Mensch mit Leichtigkeit entschliessen. Aber die Leute quälen und martern, wie die Henker, das geht mir wider die natur. Es sind diese Nacht bei dem Schulteissen Dinge geschehen, die mir am Herzen nagen und die ich nicht aus dem Gedächtnis bringen kann."
"Du redest recht schulteissenmässig", sagte sie. "Möchtest du jetzt vielleicht noch Schulteiss von Ebersbach werden?"
"Nein, ich rede keinem Schulteissen das Wort, aber foltern soll man ihn nicht."
"Hast du nicht selbst gesagt, dass diese deutschen Henker das den Unsrigen tun?"
"Ich will's ihnen lassen."
"Was? Und man soll's ihnen nicht vergelten, den Ungeheuern? Weisst du nicht mehr, welche Reden du gegen deine Ebersbacher geführt hast? Hast du nicht gesagt, dein Herz werde keine Ruhe finden, bis du den ganzen Flecken zusammenbrennen sähest, den Magistrat mit Pfarrer und Amtmann an der Spitze möchtest du hinschlachten, deinen eigenen Vater nicht verschonen und den schwangeren Weibern den Leib aufschneiden? Nun, die ungeborenen Kinder sind doch gewiss unschuldiger als der Schulteiss von Börtlingen."
Er starrte unmutig vor sich hin.
"Prahlst du mit Worten", fuhr sie fort, "und schrickst recht deutsch und feig vor einem bisschen Gequiek und Geschrei zurück? Du Maulheld, geh zu deiner Ebersbacherin und lass dich mit ihr ins Zuchtaus sperren."
Er sprang auf wie ein gereizter Tiger, und seine rotumsäumten Augen funkelten. "Weibsbild!" schrie er, "ändere deine Zunge, oder du sollst den Maulhelden spüren, bis du mürb wirst."
Sie war ebenfalls aufgesprungen und blickte ihm fest und keck ins Gesicht. "Glaubst du, dass ich dich fürchte?" rief sie. "Du kannst bloss drohen, du bist ein Weib."
Mit einem Schrei der Wut stürzte er sich auf sie und suchte sie zu ergreifen, aber mit Erstaunen musste er sich bekennen, dass ihm dieses Weib gewachsen sei. Sie zeigte ihm eine unerhörte Muskelkraft und dabei eine Behendigkeit, mit der sie ihm wie eine Flamme unter den Händen durchschlüpfte; dann hielt sie ihm wieder beide hände fest, dass er der äussersten Anstrengung bedurfte, um sich loszureissen und den Kampf von neuem zu beginnen, wozu sie ihn durch ein fortwährendes Hohnlachen reizte. Lange hatten sie miteinander gerungen, bis er sie endlich bemeisterte und zu Boden warf, dass ihr die Glieder knackten.
"Willst du degenmässig werden?" schrie er.
"Nein!" antwortete sie und suchte sich wieder emporzuringen.
"Willst du mich für deinen Herrn erkennen?"
"Nein!"
"Parieren musst du!" schrie er, drückte sie zwischen seine Knie, dass sie nach Luft schnappte, und zog das Messer. Sie stöhnte, aber nicht vor Angst. Ihre Augen spien Feuer, ihr heisser Atem durchglühte ihm die Wange, und ihre braune Haut brannte von dem Blute, das ihr die Anstrengung in Gesicht und Hals hervorgetrieben hatte. Er kämpfte bebend mit der Gewalt ihrer Schönheit, aber entschlossen setzte er ihr das Messer auf die Brust und rief: "Willst du dich unterwerfen?"
Sie sah ihn mit grossen Augen ruhig an. "Vor einer Minute noch wär ich freiwillig dein gewesen", sagte sie, "aber eher will