des Friedens zwischen waldigen Anhöhen, und der Rauch aus den Schornsteinen stieg nach dem blauen Abendhimmel empor. Es war ein Bild vertrauensvoller Ruhe, die nicht ahnte, dass ein Ungewitter der grausamsten Art, von Menschen gegen Menschen entladen, im Anzuge war.
Er eilte am Berge hinab, durchmass rasch den Wald und befand sich mit Anbruch der Nacht auf dem hof, wo er die blonde Christine, jetzt nicht mehr die einzige Christine, wusste. An dem langen Wege, den er heute ohne der Rast zu bedürfen, gemacht, konnte er am besten die innere Unruhe ermessen, die ihn trieb.
Man war eben im Begriff, zu Bett zu gehen, als er eintrat. Christine war da, wie er vorausgesetzt hatte. Er zahlte das schuldige Kostgeld, welches mit freundlichen Augen angenommen wurde. Die Gegenwart der Familie liess keine vertrauliche Unterredung aufkommen. Christine war heiter, aber ihre Laune schien ihmerzwungen zu sein.
"Komm mit mir", sagte er, "ich bin da, um dich zuholen."
Sie entschuldigte sich mit Müdigkeit.
"Dann muss ich allein wieder fort", entgegnete er.
"Gehst zu deiner Zigeunerin?" fragte sie.
"Versteht sich", antwortete er.
"Bist ein Kerle wie ein Pfund Lumpen!" rief sie inihrer volkstümlichen Scherzweise und bemühte sichzu lachen.
Die Frau vom hof ging gleichfalls in diesen Ton ein und neckte sie, dass sie als neuverheiratete Frau schon mit ihrem mann eifere.
"Wenn's so steht", sagte er endlich, "so muss ich mich deiner doch versichern." Unversehens hatte er ihre Mütze, Halstuch und Schürze weggenommen, die sie neben sich auf die Bank gelegt. Sie schrie und griff danach, aber er war schon entsprungen. "Gute Nacht!" rief er unter der tür: "wenn du deine Sachen wieder willst, so weisst du, wo du sie finden kannst und mich dazu."
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"Schwan, kleb an!" sagte Bettelmelcher pfiffig lächelnd zu Christianus, als jener mit der schwarzen Christine den Waldversteck verliess, wo die sogenannte Gesellschaft lagerte. Die Bande hatte das Lager im wald unter dem Hohenstaufen nicht mehr sicher gefunden und sich tiefer in die Wälder zurückgezogen.
Christianus nickte und lächelte ebenfalls.
Die beiden gingen zusammen fort, während jedes gegen das andere tat, als ob es nur zufällig um diese Zeit und nach dieser Richtung aufgebrochen wäre. Auch sprachen sie lange nichts miteinander, bis endlich Friedrich, als es ihm schien, die Zigeunerin trachte nach einem anderen Wege abzubiegen, das Stillschweigen brach. "Gelt", sagte er, "dich hat's erzürnt, dass ich deine Schwester brav zerpeitscht habe?"
"Bewahre", antwortete sie lachend, "daran hast du ganz recht getan. Du musst's ihr aber nicht nachtragen, dass sie dich bei der Verteilung betrogen hat. Weisst, zuerst hat sie dich ganz haben wollen, und nun ihr dies missglückt ist, hat sie sich auf andere Weise an dir schadlos zu halten gesucht. übrigens tust du gut, die Augen immer offen zu haben, denn es ist nicht alles Gold, was glänzt."
"Du auch?"
"Ich glänze ja nicht, ich bin dunkel. Meine Schwester glänzt, aber ich bin ihr nicht gram drum. Doch muss ich immer denken, dass sie gut zu dir passen würde, denn du hast ein feines weisses Gesicht, wie sie."
"Sehr verbunden! Aber sie kommt mir vor wie die liebe Sonne, die offenbaret ihr Feuer bald und scheinet über Gerechte und Ungerechte."
Sie lachte. "Darin sind doch die deutschen Männer alle einander gleich", sagte sie, "dass sie von einem Weib verlangen, sie solle immer zu Boden schauen, wie wenn sie nicht auch von Fleisch und Blut wäre. Freie Augen wollen sie keinem Weib verstatten, die wollen sie für sich allein behalten. Du Narr, ich kann auch frech sein, frecher vielleicht als meine Schwester" – sie gab ihm eine probe, indem sie die Augen wie zwei Feuerströme, die aus dunklem Schlunde hervorbrechen, so bohrend auf ihn warf, dass es ihn fieberheiss durchzuckte –, "aber", fuhr sie fort, "ich bin es nur gegen den einen, der mir gefällt, und besinne mich lang, bis ich so ein nichtsnutziges Mannsbild in mein Herz kommen lasse."
"Würdest du einem trauen, der ein paar Tage nach der Hochzeit sein Weib verlässt, dir zu Gefallen?"
"Warum nicht, wenn ich sehe, dass sie nicht zusammen taugen, und besonders wenn die Bekanntschaft vorher sieben, acht Jahr gedauert hat. Länger will ich auch nicht, dass mir einer Wort halten soll, denn in sieben Jahren, sagt man, werde der Mensch mit Haut und Haaren neu, dann ist er also ein anderer als der, der das Wort gegeben hat."
Er lachte laut. "Du wärst imstande, einen bis in die Hölle zu führen", sagte er.
"Warum nicht, wenn ich ihn der Müh wert halte", erwiderte sie.
Er blieb lange stumm. "Wo willst du denn eigentlich hin?" fragte sie. "Es sieht ja aus, als ob du wieder einmal nach Ebersbach wolltest."
"Ich hätte wohl Lust dazu und zu fragen, was die Ebersbacher von mir sagen."
"Da würdest du viel