müssen eben einmal die probe mit ihr machen, wie sie sich bei uns gefällt", fuhr er fort, nachdem jener sich entfernt hatte. "Wir beweisen dir eine grosse Rücksicht, Bruder, und gehen weit von unseren gewohnten grundsätzen ab, wenn wir deine Frau in unsere Gesellschaft aufnehmen. Was die Männer betrifft, so halten wir's nicht gar streng mit den Deutschen, selbst wir Zigeuner nicht, die wir uns noch am meisten abzuschliessen pflegen. Meine Mutter ist, wie du weisst, mit Deutschen verheiratet gewesen. Unsre beiden Freunde hier sind gleichfalls Deutsche, wenigstens dem Aussehen nach, denn ihr Stammbaum ist ihnen selbst nicht recht bekannt. Welche Aufnahme du bei uns gefunden hast, das weisst du selbst. Gegen die deutschen Weiber aber besinnen wir uns dreimal, bis wir eine zulassen."
"Aber nicht, weil wir eifersüchtig sind!" rief seine jüngere Schwester trotzig dazwischen.
"Nein, das sind wir nicht!" stimmte die ältere mit einem spöttischen Gelächter ein.
"Die deutschen Weiber", sagte die Alte, "sind nicht zu unserem Leben erzogen und taugen deshalb selten dazu."
"Sie sind", ergänzte ihr Sohn, einen Augenblick aus dem Tone guter Lebensart fallend – "sie sind in der Regel dumme Hunde, die zu nichts zu gebrauchen sind."
Es rauschte im wald, und man hörte das Zirpen einer Grille, das der Zigeuner mit dem gleichen laut beantwortete. Gleich darauf erschien Bettelmelcher, eine Frau am arme führend oder vielmehr nach sich ziehend. Es war Christine, die ihm ängstlich und mit sichtbarem Misstrauen folgte. Sie machte grosse Augen, als sie ihren Frieder zwischen den beiden Schönheiten sitzen sah, von welchen ihr Begleiter vermutlich nichts gesagt hatte. Dieser rechtfertigte das Lob, das der Zigeuner ihm zuerkannt hatte: er führte seine Anbefohlene mit fratzenhafter Galanterie herbei und sagte kratzfussend, indem ein leises, aber unbeschreiblich boshaftes Lächeln in seinen Mundwinkeln stand: "Habe die Ehre, Madame Schwan der Gesellschaft zu präsentieren."
Christine zog ihren Arm aus dem seinigen und trat zu ihrem mann. "Wo steckst denn so lang?" fragte sie weinerlich. "Lässt mich eine geschlagene stunde vor'm Wald da warten, dass ich schier am Umsinken bin,"
"Nun, so setz dich", erwiderte er etwas unmutig, "bist ja jetzt bei mir."
Die jüngere Zigeunerin rückte zuvorkommend und zog Christinen zu sich nieder, so dass sie zu ihrem mann zu sitzen kam. Freilich war der Platz nach der anderen Seite hin nicht sehr vorteilhaft für sie, sofern sie die Vergleichung mit ihrer jüngeren, schöneren und reizend gekleideten Nachbarin aushalten musste. Friedrich wusste, dass die Gesellschaft stille Blicke unter sich wechselte, die das Ergebnis dieser Vergleichung aussprachen. Er sah die Blicke nicht, aber er fühlte sie.
Aus Rücksicht auf den neuen Gast wurde die Unterhaltung, zu welcher man sich bisher der jenischen Mischsprache, untermengt mit modischen Brocken, bedient hatte, nun ganz deutsch geführt, wollte aber nicht recht in gang kommen. Man bot Christinen, deren schlaffe Züge Müdigkeit und Hunger verrieten, von den Überbleibseln des Essens an; sie genoss einige Bissen, stiess aber bald die Speise zurück und klagte über Übelkeit. Der dienstfertige Mundschenk bot ihr die Flasche; sie trank gierig, fand aber den Wein zu stark, lehnte sich an ihren Mann und klagte, der Kopf schwindle ihr. Der Zigeuner suchte ihr eine bequeme Lagerstelle aus, breitete ein Tuch zur Unterlage für den Kopf auf den Boden und redete ihr zu, sich zur Ruhe zu legen. Sie betrachtete den Pfühl mit kaum verhehltem Widerwillen, entschloss sich aber doch, sich seiner zu bedienen, legte sich hin und war oder schien bald eingeschlafen.
"Du hast's also nicht zur Kopulation bringen können, Bruder?" fragte Bettelmelcher, als die Gesellschaft wieder vertraulich, wie nach einer überstandenen Störung, beisammen sass.
"Nein", antwortete der Gast und erzählte ausführlicher als vorhin die geschichte seiner vergeblichen Bemühungen um den kirchlichen und hiemit zugleich bürgerlichen Segen für sein eheliches Band.
"dafür weiss ich Rat", sagte sein neuer Freund; "wenn's dir immer noch darum zu tun ist, so kann ich dir einen Pfarrer angeben, der dich um Geld und gute Worte ohne Anstand kopuliert. Er ist ein Schulkamerad von mir, du brauchst ihm nur einen Gruss von mir zu sagen."
"Wo ist er?" rief der Gast voll Feuer und Flamme. Das Wort hatte bei ihm eingeschlagen wie ein Blitz, und über der Aussicht auf ein Ziel, dem er so lange umsonst nachgejagt, auf die Möglichkeit, dem ganzen Flecken Ebersbach nebst Pfarrer und Amtmann zum Trotz den Eid zu halten, wegen dessen er einst vom Kirchenkonvent gestraft worden war, und seine Heirat zu vollziehen, über dieser Aussicht vergass er alle Reize, die ihn zum Eintritt in eine neue Welt lockten und die unscheinbar gewordene erste Liebe verdunkelten. "Wo ist der Pfarrer, Bruder?" fragte er wiederholt den Freund, der durch ein so nahes Verhältnis zu einem mann von ehrwürdiger Stellung in seinen Augen nicht wenig gestiegen war.
"Wurst wider Wurst!" antwortete Bettelmelcher, den der Zigeuner still angesehen hatte, mit schlauem Lächeln. "Wenn du einmal der unsrige bist, so hab ich kein Geheimnis mehr vor dir."
"Nein!" rief der Zigeuner mit dem Tone der Billigkeit, "man