zu reden, und als dein Freund und Kriegskamerad brauch ich kein Blatt vor den Mund zu nehmen –, für einen Mann, der, wie du, zu etwas Besserem bestimmt ist, ist es ein erbärmliches Handwerk. Ich sag dir, es ist unter deiner Würde, und wieviel du Seide dabei gesponnen hast, wirst du selbst am besten wissen."
Der Gast warf einen unwillkürlichen blick auf seine abgetragenen Kleider, der dem Redner gestand, dass er ihm recht geben müsse.
"Hanf aber", fuhr dieser fort, "kannst du dabei gerade so viel spinnen, wie bei den schönsten Unternehmungen, die sich der Mühe und Gefahr wenigstens verlohnen. Meinst du, wenn sie dich kriegen, so werden sie mit ihren lateinischen Ausdrücken, die auf alles passen müssen, grosse Unterscheidung machen? Mich wundert's nur, dass sie dich nicht schon längst am Fittich haben, und es geschähe dir recht; denn wie du ihnen unter der Nase herumvagierst, das ist kein Mut, das ist Wahnsinn! Bei uns ist ganz anders für deine Sicherheit gesorgt. Wir wissen in aller Herren Ländern jedes Plätzchen, wo man sich ruhig niederlassen kann."
"Ist denn das zum Beispiel hier der Fall?" unterbrach ihn der Gast.
"Freilich!" rief der Zigeuner. "Die Frage beweist, wie wenig du die Welt noch kennst. Hier sitzen wir auf edelmännischem Boden und sind so sicher, wie das Kind im Mutterleib, während du in deiner Unkenntnis mit ein paar Schritten ins Württembergische taumelst, wo die Leute dumm sind und die Beamten, wie du selbst erzählst, sich kein Gewissen daraus machen, einem seine eigenen Kinder als Lockwürmer an die Angel zu stecken, um den fisch damit zu fangen. Auch haben wir überall unsere vertrauten Leute, die uns Nachricht geben, wenn etwas gegen uns los ist. Und wenn je einmal eins von uns den Fuss übertritt und in die unrechten hände gerät, so gibt es auch Mittel und Wege, ihm wieder aus der Falle zu helfen. Das alles geht dir ab, solang du wie ein Irrlicht allein und auf eigene Faust umherflackerst Und was für Ehre hast du davon, dein kümmerliches Leben immer und ewig um dein einfältiges Ebersbach herum zu fristen, wo alles schreit: 'Der Dieb, der schlechte Kerl, der Sonnenwirtle ist wieder einmal dagewesen und hat dies und das gestohlen!' Wenn du in unsere Gesellschaft eintrittst, so hörst du ganz andere Titel, da bist du allen ein lieber werter Freund, wirst wegen deines Mutes, wegen deines Verstandes, wegen deiner Treue geliebt, geachtet, bewundert, auf den Händen getragen. Du hast einmal auf einen wunderlichen Adjutanten zu Hohentwiel das Bibelwort angewendet: 'Es ist dem Menschen nicht gut, dass er alleine sei.' Das passt nicht bloss darauf, dass er eine Gehilfin haben sollte, es passt auch auf das Handwerk, das er treibt, er muss auch darin seinesgleichen um sich haben, bei denen er Beifall und Aufmunterung findet, denn sonst ist's ein Hundeleben."
"Das ist sehr wahr!" rief der Gast, von dieser Bemerkung ergriffen.
"Bei uns findest du keinen Brotneid, keine Unterdrückung, wie in der honetten Welt draussen. Du bist uns mit deinem Kopf und Arm willkommen, und wir bedürfen deiner, wie du unserer bedarfst. Unsern Ertrag teilen wir ehrlich und redlich, und wenn einer vor den andern eine besondere Mühe auf sich genommen hat, so wird ihm ein verhältnismässig grösserer Anteil zuerkannt. Einen Leutnant, der das Beste an sich reisst und die andern als seine Untergebenen behandelt, gibt es nicht bei uns. Wer die beste Meinung geltend machen kann, dessen Anschlag wird befolgt, und was gemeinsam beschlossen ist, wird in strenger Ordnung ausgeführt. Ausserdem aber leben wir als freie Leute auf gleichem Fuss miteinander."
"Und immer in Floribus!" fiel Bettelmelcher ein, indem er die Flasche schwang und dem gast reichte.
"Leuchtet dir aber die Wahrheit deines Sprüchleins auch im anderen Punkte ein", hob der Zigeuner wieder an, "und möchtest du eine Gefährtin haben, die in deinen neuen Lebenslauf passt, so hast du, ohne Ziererei gesprochen, zwischen meinen Schwestern die Wahl. Du wirst sie, denke ich, beide nicht übel gefunden haben. Eine abschlägige Antwort hast du nicht zu befürchten; ich bürge dir nicht bloss für die Freundliche, sondern auch für die Trutzige, die mir ein herbes Gesicht für meine Rede macht. Auch findest du nicht einmal einen Nebenbuhler, denn beide sind frei, Freund Bettelmelcher aber ist versehen und schwört nicht höher als auf seine Marianna, die zärtliche Taube, die auch mit uns fliegen wird, und Freund Schwamenjackel macht dir nicht die mindeste Konkurrenz. Der hat statt des Herzens eine zweite Leber, oder wenn's je ein Herz ist, so ist es für die Weiber unzugänglich: keine Schottenfellerin wird es einsakken, keine Schrendefegerin wird hineinsteigen."
Schwamenjackel grunzte, und die andern brachen in ein Gelächter aus.
"Sollten jedoch beide keine Gnade vor deinen Augen finden", setzte der Zigeuner hinzu, "so dürfen sie dir kein saures Gesicht machen, wenn du eine andere wählst. Ich hab dir's ja schon früher gesagt: in Bickesheim bei Rastatt, am grossen Wallfahrts- und Jahrmarktstage, da kannst du alles beisammen finden, was zu unserer Verwandtschaft gehört, und noch viel andere mehr, den