Darum wird auch kein vernünftiger Koch um in jenem Gebiet etwas anstellen, aber es ist ein sehr günstiges Terrain, um von da aus in der Umgegend mit Unternehmungen aufzutreten. drei Leutnants haben dort Gesellschaften gegründet mit einer Einrichtung, die man sonst nirgends trifft. Jeder hat ungefähr dreissig Mann unter sich, meist Juden, auch Zigeuner, und im Notfall werben sie auch sonst taugliche Leute dazu. Wenn ein Koch unternommen werden soll, so wird zuerst der Waldoberer ausgeschickt, der die gelegenheit auskundschaftet und dafür seine besondere Belohnung erhält. Der kauft dann etwa einem Bauern ein paar Ochsen ab und sieht, wo er das Geld hintut, damit man's wieder holen kann und weiteres dazu. Dann schickt der Leutnant seine Knechte aus und lässt seine Leute von Ort zu Ort – bei den Judenschulen trifft man sie am sichersten – auf einen Sammelplatz zusammenbieten, reicht ihnen auch, bis die Sache ausgeführt ist, was oft acht Tage und darüber ansteht, allen ihr regelmässiges Taggeld nebst Unterhalt, und wenn das Unternehmen gut ausfällt, noch obendrein jedem seine Portion. Nach der Verteilung der Beute stellt er sie in einen Kreis, liest die Namen ab und heisst sie dann einzeln auf verschiedenen Wegen sich fortmachen, nicht trinken, nicht spielen, bloss bei den Juden über Nacht bleiben und still zu haus warten, bis er sie auf einen anderen Koch zusammenberufen werde. Bei dem Unternehmen müssen sie streng Order parieren, und es wird nicht jeder angenommen, sondern scharfe Auswahl gehalten. Der Jägerkasperle – du wirst ihn kennenlernen, wir erwarten ihn täglich hier – der hat einmal mitgehen wollen, aber der Leutnant Löw hat ihn bei der Musterung von oben herab angesehen und gesagt, was man denn mit dem kleinen schlechten Kerl tun wolle, es seien ohnehin Leute genug da, man solle ihm etwas geben und ihn fortweisen. Darauf hat ihm ein Unterbefehlshaber einen Gulden geschenkt; der Kleine ist heute noch wild darüber."
"Das war auch nicht recht", bemerkte Bettelmelcher, "denn der Jägerkasperle ist zwar nicht gross, aber ein solch rahner, flüchtiger, gewandter Bursch, dass er's mit dem Teufel aufnimmt, freilich mehr in List als Gewalt. Er lobt besonders den Welzheimer Markt. Ich freue mich sehr auf den lustigen Bürstenund Kehrwischhändler, der sich die Leute durch so hohe Preise vom Leib zu halten versteht, dass ihm gewiss niemand seinen nötigen Vorrat abnehmen wird. Auch auf sein kleines sauberes Frauele freu ich mich: sie ist eine treffliche Bemutter und wird nicht leicht eine so geschickt einen Beutel wegzustibitzen wissen."
"Jawohl", sagte der Zigeuner. "Diese Juden", fuhr er in seiner unterbrochenen Rede fort, "sind ganz verfluchte Kerls. Sie haben ein Regiment und Staat errichtet, dergleichen zwischen Rhein und Donau nirgends ein ähnliches existiert, und die Sache wär wohl der Nachahmung wert. Sie müssen einen unbegreiflichen Profit davon haben, denn sie zahlen nicht bloss nobel aus, sondern wenn ein Unternehmen missglückt, so fallen alle Kosten auf sie allein. Und doch haben sie immer Geld genug, tragen goldene Uhren, gehen im feinsten Tuch proper gekleidet, und die vornehmsten Juden halten es mit ihnen. Wollen wir's nicht auch einmal probieren?" setzte er lächelnd gegen den Gast hinzu.
"Da wird's für einen Anfänger nötig sein, sich ein hebräisches Wörterbuch anzuschaffen", bemerkte die alte Zigeunerin mit wohlmeinendem Tone gegen denselben, "denn das Jenische reicht bei ihnen nicht ganz aus, sie mischen mehr hebräische Wörter darunter. übrigens", wendete sie sich gegen ihren Sohn, "sehe ich nicht ein, warum man den Juden in ihren Sack arbeiten soll. Und wie lang werden sie's noch mit ihren Gewalttaten treiben? Ich bin überhaupt nicht für diese Art von Arbeit. Diese Einbrüche machen einen grossen Lärm weit umher, verderben das Terrain, misslingen oft und tragen im besten Fall nicht viel ein, weil der Gewinn in zu viele Teile geht. Ich lobe mir die stillen sichern Marktunternehmungen, wie sie in unserer Familie bisher gebräuchlich gewesen sind. Kennt unser Gast die Fuhre? Ich denke, wir dürfen ihn als einen Kochum, das heisst, wenigstens als einen vertrauten Mann betrachten?"
"Ich bürge für ihn", rief der Sohn, während der Gast erwiderte, dass die Fuhre ihm bis jetzt ein unbekanntes Wesen sei.
"Die Fuhre", belehrte ihn die alte Zigeunerin, "ist eine zweckmässige Kleidung für den Marktgang –" "Ja, sie gehört eigentlich ins Gebiet der Moden", unterbrach Bettelmelcher lachend.
"Richtig, und ist. eine sehr sinnreiche Mode –"
"Für die Weiber", sagte Schwamenjackel. Die jungen Leute lachten zusammen.
"Für die Weiber", fuhr die Alte geduldig fort, indem sie jedoch zugleich einen stechenden blick nach dem Unterbrecher sendete. "Ober- und Unterkleid, welche sehr weit und faltig sind, werden am unteren Saum rings mit einem Faden zusammengezogen, der innen auf beiden Seiten bis zu den hohlen Taschenöffnungen heraufgeht. Auf diese Weise bildet das Kleid einen grossen Sack, in den eine tüchtige Schottenfellerin zwei, drei Ballen von je zwanzig Ellen und mehr nacheinander hineinpraktizieren kann, ohne dass jemand eine Spur davon sieht. Ist das Gepolster zu gross, so deckt man's mit dem breiten Strohhut zu. Der Krämer muss sich's gefallen lassen, dass man vor seine Bude tritt und seine Waren prüft. In der Regel hütet