. Diesmal aber muss es sein, die Haut wird dich nicht zu Boden drücken, und in Gmünd musst mit beim Erlös sein, damit mich der Christle, der abgeführte Spitzbub, nicht betrügt, denn sonst kann ich deine Schuld hier nicht bezahlen. Die Haut trägt dir morgen der Christle, heute aber musst sie selber tragen, denn ich will derweil sehen, ob ich nicht noch einen schiessen kann. Komm!"
Sie seufzte. "Du musst dich aber vor rasieren", sagte sie verdrossen. "Jetzt hast schon wieder ein achttägiges Stoppelfeld, und ich leid's nicht, dass du dir den Bart wachsen lässt, denn du siehst so arg wild drin aus, und wenn dir jemand begegnet, so muss er wunder was von dir denken."
"Meinetwegen!" brummte er, griff ohne Umstände nach dem Rasierzeug des Hofbesitzers und kam ihrem Begehren nach, worauf sie den Hof verliessen und den Weg nach dem wald einschlugen.
"Ist denn gar keine Möglichkeit, aus dem Leben da fortzukommen?" fragte sie im Gehen mit kummervoller Miene. "Du hast mir versprochen, du wollest mich nach Frankfurt mitnehmen, oder in den Krieg, hast auch von Amerika gesagt. Ich ging überall mit dir hin, wenn ich nur aus dem Leben draussen wär und die Kinder bei mir hätt'."
"Warum hast dich in Dettingen fangen lassen!" versetzte er unwirsch. "Während deiner Gefangenschaft ist mein Erspartes von Sachsenhausen draufgangen, mein Vater tut keinen Zug, um sein Versprechen zu halten, und wie kann ich denn als ein vogelfreier Mensch etwas erwerben, damit wir zu Reisgeld kommen? Sag, ich soll in Ebersbach einen höflichen Besuch machen, oder mit einem Rossjuden, beschnitten oder unbeschnitten, nach dem Markt ein Wort in Güte reden, dann sollst du Geld genug haben."
"Um Gotts willen nur nichts s o !" rief sie.
"So sagst du immer, aber dabei willst in einem fort Geld und Lebensmittel und bekümmerst dich nicht drum, wo ich's hernehmen soll. So hast du mich auch gequält, bis ich meinem Vater die Frucht geholt hab, und dann wieder, bis ich dem Pfarrer ins Haus gestiegen bin, und hintennach ist dir's dann doch wieder nicht recht gewesen."
"Es ist auch nicht recht", sagte sie.
"Gelt, weil's zu bösen Häusern führen kann? Wenn du das nicht willst, so schick dich eben in die Zeit, nur mach mir nicht den Kopf mit deinem Lamento warm."
"Ach!" seufzte sie, "ich hab mir eben ein ganz anderes Leben fürgestellt, wie wir von Nekkardenzlingen miteinander fort sind. Da hab ich schon gemeint, ich werde wieder jung, und hab alles gern dahinten gelassen."
"Machst mir das zum Vorwurf? Bin ich nicht auch im Rohr gesessen und hätt' mir Pfeifen schneiden können, und hab ich nicht um deinetwillen auf alles verzichtet?"
"Wärst lieber blieben, bis sich etwas für uns gemacht hätt'. Hätt'st mir ja derweil schreiben können."
"Man kriegt ja keine Antwort von dir. Und hab ich gewusst, wo ich hinschreiben soll? Nach Ebersbach, wenn du nicht dort bist? Hätt ich mir etwa selber einen Pass von Sachsenhausen nach Hohentwiel schreiben sollen?"
"Ich will nichts mehr sagen", versetzte sie, "du wirst gleich so wild."
Sie gingen lange Zeit stillschweigend hin. "Was siehst du denn immer auf den Boden?" fragte sie, da ihr sein Benehmen auffiel.
"Da ist wieder einer!" rief er, sich bückend und etwas aufhebend. Es war ein frisch abgebrochener gabelförmiger Zweig. Er betrachtete ihn von allen Seiten, schüttelte den Kopf, da er nichts weiter daran fand, und legte ihn sorgfältig wieder auf den Boden. Dann sah er sich an den Bäumen um, blickte scharf von Stamm zu Stamm, schüttelte den Kopf abermals, als fände er nicht, was er erwartete, und setzte den Weg wieder fort. Sie waren eine weitere Strecke gegangen, da lag ein neuer Zweig von gleicher Form, den er aufmerksam betrachtete, worauf er den eingeschlagenen Weg verliess und einen schmalen Seitenpfad zur Rechten betrat. Christine folgte. Mit zufriedenem Kopfnicken fand er dort bald wieder einen Zweig von der vorigen Art und weiterhin noch mehrere. Sie waren einer wie der andere an der Seite des Weges schief hingelegt, so dass von den beiden Spitzen der Gabel, deren eine geknickt war, die andere unversehrte in gleicher Richtung mit dem Wege vorwärts deutete.
"Das sind Zeichen", bemerkte Christine, welche den Zweigen und seiner Beobachtung derselben eine gespannte Aufmerksamkeit zugewendet hatte. "Gelt, gesteh's nur, da sind deine Kocher, oder wie sie heissen, um den Weg, und dein scheeler Christianus will dir was zu wissen tun."
"Wenn e r da wär, so hätt' er mir seinen Zinken irgendwo hinterlassen", versetzte er, "es ist aber nirgends nichts zu sehen."
Nachdem sie noch ein wenig fortgegangen, kamen sie auf einen freien Platz, welcher sich nach einem Waldabhang senkte und einen weiten blick über endlose Waldung tun liess, die in reicher Abwechslung von Höhen und Tiefen sich um den Hohenstaufen lagerte, gegen das Remstal abwärts und nach den jenseitigen Hügeln strich. Die Zeichen, wenn es solche waren, schienen