hab's von dem Schubjack nicht anders erwartet, als dass er mich verraten werde", sagte er und sah sich in der stube um. Der grosse tiefe Wandschrank schien ihm zu gefallen: er schloss ihn auf, leuchtete einen Augenblick hinein und stellte dann die Ampel wieder genau dahin, wo sie gestanden war. "Schlechte Maus, die nur ein Loch weiss, aber es wird genügen", sagte er, schlüpfte in den Schrank und zog die tür desselben hinter sich zu. Er war noch nicht lange darin, als die Haustüre mit dem Geräusch aufgeschlossen wurde und die Wachmannschaft, den Bäcker an der Spitze, in die stube stürzte. Sie sahen sich um. "Wo ist er denn?" schrien alle wie aus einem mund. "Da ist er gesessen", sagte der Bäcker bestürzt. "Geschwind, das Haus durchsucht!" schrien sie und verteilten sich nach allen Richtungen. Die stube, die angrenzende kammer und Küche wurden sorgfältig durchgesucht, aber an den Schrank dachte niemand. Nachdem sie hier und in den anderen Räumen des Hauses mit den wieder angezündeten Lichtern in jeden Winkel geleuchtet und nichts gefunden hatten, kamen sie zurück. Die einen schalten, die anderen höhnten den Bäcker, dass er sie um eines leeren Traumes willen in Alarm gebracht habe. Derselbe schwur hoch und teuer, der Sonnenwirtle sei in seinem Haus gewesen, auf diesem stuhl sei er gesessen und aus dieser Flasche habe er getrunken. "Jetzt glaube ich's auch", sagte er, "dass er mit dem Teufel im Bund ist, denn sonst könnt ich nicht begreifen, wie er 'nauskommen ist, denn ich hab die Haustür zugeschlossen, wie ihr selber wisset, und einen anderen Ausgang gibt's nicht. Dass er reinkommen ist, wundert mich weniger, denn es wär möglich, dass ich vorher nicht zugemacht hätt', weil ich mir fürgestellt hab, ihr werdet doch noch mehr Wein wollen."
"Das ist noch das Vernünftigst, was dir den ganzen Abend durch den Schädel gangen ist", sagte der Schütz. "Und da wir einmal da sind, so wollen wir eben so frei sein und des Sonnenwirtles sein Wein versuchen. Sein Wohl! Ich wünsch ihm, dass er weit von hier sein guts Brot finden und uns nichts mehr zu schaffen machen möchte."
Er trank und liess die Flasche weitergehen. "Du bist gut laden, wie langs Heu", sagte ein anderer zu ihm.
"Ja, du hast deine beste Züg im Hals", bemerkte ein dritter.
Nachdem die Flasche geleert war, sprachen sie auch noch dem Kruge zu, scherzten über die Geisterseherei des Bäckers und begaben sich endlich wieder auf ihren Posten zurück. Der Bäcker begleitete sie, schloss die Haustüre hinter ihnen sorgfältiger als jemals ab und ging wieder in seine stube. Aber wer vermag sein Entsetzen zu beschreiben, als er seinen furchtbaren Gast an derselben Stelle und in der gleichen Haltung wie vorhin am Tische sitzen sah. Langsam und ruhig, aber mit dem strengen Blicke eines Richters, wendete dieser sein Gesicht nach ihm hin. "Elender Hund", sagte er, "hab ich dir je in meinem Leben etwas zuleid getan? Kannst du's vor deinem Weib verantworten, dass du den Verräter an mir gemacht hast? Sie würde dich nicht mehr ansehen, wenn sie noch lebte. Geh, du bist nicht wert, in dem Stuhl zu sitzen, der so oft ihr Schmerzenslager gewesen ist."
Der Bäcker zitterte und hatte alle Fassung verloren.
Der Gast schlug ein Gelächter auf, das dem Wirt durch Mark und Bein ging. "Was seid ihr doch für erbärmliche Dummköpfe!" rief er. "Ihr habt mich gesehen, angerührt und in der Hand gehalten und habt mich doch mit allen euren Lichtern nicht gefunden." Der Bäcker starrte ihn mit irren Blicken an. Der Schreckliche erzählte ihm haarklein alles, was vorgegangen, und wiederholte ihm jedes Wort, das gesprochen worden war. Dem Bäcker wirbelte der Kopf.
"Dummer Tropf! da, in der Bouteille bin ich gesteckt!" rief jener endlich höhnisch.
Der Bäcker fiel auf die Knie, streckte die hände, wie um Gnade flehend, nach ihm aus und war feig genug, zur Verminderung seines eigenen Kerbholzes, ihm zu verraten, welches Gelübde der Fischer, der Müller und dessen Knecht getan.
"Jetzt hol mir frischen Wein, hast mich lang genug warten lassen. Ich will dich noch einmal auf die probe stellen, aber ich folge dir unsichtbar. Wenn du mir einen falschen Tritt tust, so sitz ich dir im Nacken und will dich reiten, dass du nach Gott schreien sollst. Und misch mir den Wein nicht, Schuft, oder du sollst mir keines natürlichen Todes sterben."
Diesmal brauchte er nicht an der tür zu lauschen, denn der Bäcker hatte sie weit offengelassen. Er hörte ihn den richtigen Weg nach dem Keller einschlagen, aus welchem er bald wieder zurückkam, fast wahnsinnig vor Angst, die sich erst etwas legte, als er das Gespenst nicht mehr hinter sich vermuten musste, sondern leibhaftig vor sich am Tische sitzen sah. Der Unhold stellte ihm die missliche Aufgabe, sich zu besinnen, welche Strafe er durch seinen Verrat verdient habe, und trank, während der Bäcker alle Qualen der Todesangst ausstand, seinen Wein langsam und behaglich aus. Dann erhob er sich mit den Worten: "Wenn ich