."
"Die alten Knochen sind's Leben gewohnt", erwiderte der Invalide. "Ich hab auch glaubt, ich werde der Beckin Quartier machen, und jetzt ist sie mir lang vorangegangen. Ich hab eigentlich kein Gliederweh, 's sind eben Flüss, die mir im Leib rumziehen, bald da, bald dort, ich mein manchmal, sie fahren mir bis in die Krücken hinein, und oft werfen sie mich so bösartig ins Bett, dass ich schier nimmer aufstehen kann."
"Lasset nur den Wein tapfer durch die Gurgel laufen, alter Kriegsknecht, der wird Euch die Flüss schon 'naustreiben. Dass dich! aber jetzt muss ich mich verwundern, dass der Fischerhanne auch so viel Courage hat und ins Wirtshaus geht! Nun, du darfst dir heute schon was gönnen: hast gewiss bei dem gestrigen Fang etwas Schön's verdient, gelt?"
Der Fischer schmunzelte. "Wenn man sich für den Flecken in Gefahr begibt", sagte er, "so könnt man, denke ich, mehr ansprechen, als die paar Gulden, aber doch ist's immer besser als gar nichts."
"Die Gefahr muss nicht so gross gewesen sein", bemerkte der Müller: "wie ich hör, habt Ihr ihn mit der Schling gefangen?"
"Ja!" rief ein anderer. "Die Schling ist ein Einfall vom Fischerhanne gewesen. Das ist das sicherste Mittel: wenn einer nicht weich geben will, so zieht man eben zu, dann vergeht ihm die Kraft, und er wird zahm wie ein Lamm."
"Ich hätt zugezogen, bis er hingewesen wär", versicherte der Fischer, "denn wenn der loskommen wär, so möchte ich doch auch sehen, wer mir behaupten könnt, es hab kein Gefahr gehabt."
"Gottlob", sagte der Müller, "dass der Kerl aufgehoben ist. Jetzt kann man doch wieder ruhig schlafen und ungeängstigt leben. Ich hoff, dasmal werden sie ihn fester verwahren, dass man endlich sicher vor ihm ist. Warum schüttelt Ihr den Kopf, Profos? Meint Ihr, er werde doch wieder auskommen, oder wär's Euch lieb?"
"Nein", erwiderte dieser, "für ihn selber wär's das best, er blieb gefangen, wie er ist. Was kann ihm die Freiheit wert sein, wenn die ganz Welt immer mit Stecken und Stangen auf ihn aus ist, um ihn zu fangen? Ich mein nur, 's ist halt doch kurios, dass ein ganzer Flecken mit so viel starken Männern vor dem einzigen Menschen zittert. Und was hat er eigentlich getan?"
"Was er getan hat?" schrie alles zusammen. "Ist er nicht von Hohentwiel ausbrochen?"
"Nun ja", sagte der Invalide, "das tät jeder von uns auch, wenn ihm das Gefängnis entleidet wär, und er wär so geschickt wie er, um eine halbe Unmöglichkeit zu vollbringen."
"Und zweimal aus dem Zuchtaus!" sagte der Müller.
"Und hat sich beidemal freiwillig wieder gestellt", entgegnete der Invalide. "Dazu gehört doch ein gutes Gewissen."
Ein unwilliges, höhnisches Gelächter war die Antwort auf diese Bemerkung.
"Der Profos hat immer ein wenig zu ihm gehalten", bemerkte der Fischer.
"Er hat auch immer eine gute Seit gehabt", versetzte der Invalide. "Wenn man übrigens kein' anderen Grund hat, ihn zu fürchten, so müsst man eigentlich jeden, der stark und verschlagen ist, umbringen, damit er einem nicht schaden kann, wenn's ihm etwa einfallen sollt."
"Hat er denn sonst nichts getan?" schrie der Müller. "Ich will die Diebstähl, die er bei seinem Vater begangen hat, nicht so hoch anschlagen: aber ist er nicht erst kurz verwichen dem Lammwirt in Metzig und Keller einbrachen und hat ihm Fleisch, Brot und Wein genommen?"
"Requiriert", sagte der Invalide.
"Was?" schrien die andern.
"Requirieren heisst man das bei den Soldaten", erläuterte der Invalide ruhig. "In der Kampagne, wenn's nichts zu beissen und zu brechen gibt, kommt man zum Bauern in die Visit und holt sich Fleisch, Brot, Wein, Hühner, Gäns, Eier, kurz, was man finden kann, und wenn das ein Verbrechen wär, so müsst vom General bis zum Gemeinen runter alles gehenkt werden. Der fürnehmst Offizier schämt sich nicht dran. Und da geht's oft zu, dass mir's in der blossen Erinnerung weh tut. Der Frieder ist noch bescheiden, nimmt nicht mehr, als er für den Hunger und Durst braucht, und hat dem Lammwirt doch nicht das übrig Fleisch zu Fetzen verhauen und den Wein in Keller laufen lassen, wie's der Soldat oft und viel tut. Es ist jetzt ohnehin Krieg in der Welt; denket euch, der Feind komm in den Flecken, oder auch der Freund, denn 's macht's einer wie der ander, dann tätet ihr die Hundert oder Tausend gern gegen den einzigen Marodeur eintauschen und tätet sagen: der hat's doch noch gnädig gemacht."
"Das ist was anders", sagte der Müller. "Der Krieg verlangt's eben einmal so, er muss die leute ernähren."
"Wenn man mich lebenslang auf die Festung setzt und mich nach