mit dem Hunger auf du und du zu stehen kommen."
Der Knabe warf seinen Löffel auf den Tisch und ass nicht weiter, während sein Vater unter dem Reden den Löffel fleissig nach dem mund des kleineren Kindes führte.
"Da wär's in Pennsylvanien doch besser", bemerkte die Alte.
"Meint Ihr nicht, der Jerg ging mit?" fragte er und setzte schnell hinzu: "dass wir Euch nicht allein zurückliessen, versteht sich von selbst."
"O du mein Heiland, Er hat's gut mit mir vor", sagte sie. "Sollt ich auf meine alte Tag noch so weit übers Meer? Und der Jerg, der ist jetzt zu Stuttgart im Dienst als Packer bei einem Kaufmann und meint, er könn's sein Leben lang nicht besser kriegen. Nächstens will er mir all Woch ein Geldle schicken."
"Das Land da drüben ist so gross, wie ich mir habsagen lassen, dass wir ein halbes Fürstentum in Besitznehmen könnten. Das wär doch ein ander Leben."
"Mein letzte Stütz sollt ich hergeben oder gar selber mitgehen und vielleicht unterwegs, wie der Jonas, von einem fisch gefressen werden?"
"Ahne, der fisch hat ihn ja wieder ausgespien", bemerkte der Knabe dazwischen.
"Und das Reis'geld", fuhr sie fort, ohne auf die Bemerkung zu achten, "wär für uns alle zusammen nicht gnug."
"Ob mein Vater die vierhundert Gulden auf einmal hergibt oder auf zweimal, kann ihm gleichgültig sein, wenn's ihm überhaupt mit dem Anerbieten Ernst ist. Glaubt Ihr wirklich, Schwieger, dass er's ehrlich meint?"
"Dass er's anders tut, als er gesagt hat, glaube ich nicht, dagegen das glaube ich, dass ihm zu trauen ist, denn warum? er möchte Ihn eben fort han, weil er sich vor Ihm fürchtet und weil der ganz Fleck in Ängsten vor Ihm ist."
Der Geächtete lachte stolz.
"Ich glaube ferner auch", fuhr sie zutraulich fort, "dass der Amtmann mit unter der sache steckt; denn dem wär's ebenmässig wohl, wenn er nichts mehr mit Ihm zu tun hätt."
"Der Amtmann?" sagte er. "Wenn das der Fall ist, so muss man sich vor Finten hüten. Der arbeitet an einem doppelten Plan. Mag leicht sein, dass er fürlieb nimmt, wenn er mich über alle Berg weiss, aber noch lieber ist's ihm, wenn er mich wieder unter seine Klauen kriegen und einliefern und eine Belobung davontragen kann. Nein, Schwieger, wenn ich gewusst hätt, dass der Amtmann im Spiel ist – seht ja zu, dass Ihr die Hand nicht zu einem falschen Spiel bietet!"
"Ich vermut's ja nur", sagte sie. "Mein Herz denkt an nichts Args. Wer wird denn auch gleich so ängstlich sein?"
"ängstlich!" rief der Geächtete, und sein ganzer Stolz flammte auf: "wer kann mir nachsagen, dass ich jemals Angst hab blicken lassen?"
"Nu, nu, man redt ja nur. Eins ist so wenig nutz wie das ander. Wer alle Stauden will fliehen, kommt nie in Wald, und hinwiederum, dem Trauwohl hat man den Gaul weggeritten. Für heute hat's jedenfalls kein Gefahr, denn kein Mensch weiss, dass Er da ist."
"Doch will ich nicht über Nacht bleiben."
"Ja, und wenn sie dann wieder mitten in der Nacht Haussuchung halten wollen, so lässt Er ihnen wieder das Nachsehen. Denn besser in der Acht als in der Hacht, besser der Nam als der Leib am Galgen."
"Wenn man durch meinen Vater mit dem Amtmann unterhandeln könnt, dass die Christine frei würde, unter der Bedingung, mit mir nach Pennsylvanien zu gehen, so könntet Ihr mir ja an einen sichern Ort Meldung tun. Aber ohne den Jerg ist's nur halb gelebt. Ein Mann wie mein Schwager wär mir mehr wert als ein Kapital in dem grossen wüsten Land, wo man Wälder ausstocken und mit den Wilden kämpfen muss."
"Wenn die Kinder im Bett sind, so wollen wir weiter reden", sagte sie und trug das Essgeschirr hinaus.
"Vater", sagte der Knabe jetzt, der lange auf einen Augeinblick, wo er auch etwas reden durfte, gewartet hatte, "Vater, ich hab mich so lang drauf gefreut, bis Er auch einmal wiederkommt."
Die helle stimme des Knaben tat dem Geächteten tief im Herzen wohl. "So, Friederle", sagte er, "hast dich auf den Vater gefreut? Sieh, ich hab euch auch was mitgebracht." Mit diesen Worten zog er aus der tasche allerlei Spielzeug, das er in müssigen Stunden künstlich geschnitzt hatte. "Die Docken gehören deinem Christinele, die gibst ihr morgen früh, wenn sie aufwacht." Er legte das Kind, das in seinem arme eingeschlafen war, auf das Bett und brachte aus seinen anderen Taschen noch mehr der Herrlichkeiten hervor. "Da sind für dich Soldaten, Fussvolk und Reiter, auch etliche Kanonen dabei, weil's jetzt Krieg ist, und damit deine Schulkameraden nicht sagen können, du habest nicht so schöne oder nicht schönere Spielsachen als sie. Lernst auch brav? Erzähl mir einmal, was heute in der Schule vorgekommen