guldenweis zu geben, um ihn sicher und in die Wirtshäuser der Nachbarschaft schwärmend und ihne vollsaufend zu machen, kontinuieren solle, was sich aber so ein als andernfalls von Zeit zu Zeit darauf ergebe, um die Messures' – beide lachten – 'darnach nemmen zu können, dem Herrn Amtmann zu hinterbringen. Sollte durch diesen Modum der Böswicht nicht zur Hand gebracht werden können, werde ich inzwischen auf etwas anderes raffinieren' – "raffinier du und der Teufel!" bemerkte der Amtmann – 'und nicht nachlassen, bis ich dessen habhaft geworden. Unterdessen ist alles möglichst geheimzuhalten. Mit göttlichen Schutzes Erlassung verharrend' "et caetera".
"Das Raffinement ist übrigens doch nicht so gänzlich aus der Luft gegriffen", bemerkte die Amtmännin, welche aufmerksam zugehört hatte. "Und zwar könnten wir vielleicht noch einen Schritt weiter gehen. Dass er seine Kinder bei der Grossmutter fleissig besucht, obgleich es bis jetzt nicht gelungen ist, ihn daselbst aufzuheben, darüber kann nach seinem ganzen Temperament und Charakter kein Zweifel sein. Nun käme es nur darauf an, ob man nicht das alte Muster, statt sie durch einen zweifelhaften Versuch misstrauisch zu machen, ins Komplott ziehen sollte."
"Meinst du?" fragte der Amtmann überrascht.
"natürlich müsste man da sehr reserviert zu Werke gehen. Wenn es aber gelänge, so dürften der Herr Vogt und Expeditionsrat alle ihre erlassenen Nasen wieder einziehen, und sollte ihnen dero hohes Haupt darüber zu einem Gebirg anschwellen. Über die Hauptfrage kann vielleicht am besten der Schwanenwirt, wie der gestrenge Herr sich sonst auszudrücken beliebt, Auskunft geben."
"So sende nach ihm."
"Auf den Abend."
Während sie sprach, klopfte es schüchtern an die tür. "Herein!" rief der Amtmann gebieterisch im Gefühl seiner Amtswürde und der erlittenen Störung. "Ah!" sagte er, als die tür aufging, "wenn man den Teufel an die Wand malt, so erscheint er auch sofort."
Der Eintretende sah aber keinem Teufel, oder wenigstens, wenn das Bild auf ihn passen sollte, einem armen Teufel ähnlich, nicht nach seiner äusseren Erscheinung, denn diese zeigte den wohlhabenden Bürger und Meister, wohl aber nach seinem niedergeschlagenen, sorgen- und kummervollen Aussehen. Es war niemand anders als der Sonnenwirt selbst. Er war alt, grau, dünnhaarig und gegen seine Oberen womöglich noch demütiger geworden. "Wenn's der Herr Amtmann nicht ungütig nehmen", begann er nach einer tiefen Verbeugung und angelegentlicher Erkundigung nach dem beiderseitigen Wohlbefinden, "so hätte ich eine Beschwerde wider den Kreuzwirt anzubringen. Es ist doch arg, wenn sich ein rechtschaffener Burgersmann von seinem Mitbürger und Mitmeister so unrechte und ungebührliche Sachen sagen lassen soll, wie der Kreuzwirt in dem Brief da schreibt."
Der Amtmann überflog den Brief, den ihm der Sonnenwirt reichte, und las halblaut murmelnd einzelne Stellen ab: "'Es will hiermit Unterzogener gegen den Sonnenwirt Schwanen nicht allein seine Grausamkeit erinnern, die er vor etlichen Jahren durch seinen eigenen Sohn an meiner person ausüben lassen.' – Das alte Lied!" bemerkte der Amtmann dazwischen.
"Er behauptet immer, er sei damals zum Krüppel geschlagen worden", sagte der Sonnenwirt, "und es ist doch alles nicht wahr."
"'Solch gottloses Anstiften'", las der Amtmann weiter, "'legt sich desto glaublicher wirklich an Tag, da der Vater aus einer sonderbaren Rachgier mich noch obligieren will, Post zu reiten, da ihme doch bekannt, dass ich weder mir noch den Meinigen etwas zum Nutzen schaffen kann, so sucht er dannoch mir aufzubürden, was e r zu tun schuldig. Es ist bekannt, dass nicht allein die Metzger wegen seines übel erzogenen Sohnes viele Posten prästieren müssen, sondern auch neben diesem musste die ganze Burgerschaft wegen einer solchen schönen Frucht nicht allein fatigieret werden, sondern auch noch grossen Schaden leiden. Der Schwan hat immerdar nach einer Post getrachtet – – – jetzt hat er das Postreiten, aber nicht nach seinem Sinn – – – eigennützige Konzessionen im Metzgerhandwerk – – – durch Geld und Arglist seinen Mitmeistern das Brot aus dem Mund genommen' –. Ein unverschämter Kalumniant!" unterbrach sich der Amtmann, "was die Obrigkeit anordnet, das soll ihr durch Geld und Arglist abgedrungen worden sein?"
"Das murmelt er beständig an alle Nachbarn hin, wie mir erzählt worden ist", sagte der Sonnenwirt.
"'Dieses Postrittprästieren'", las der Amtmann weiter, "'zeugt von seines Herzens heimlicher Bosheit; der Sohn zeugt vom Vater; da dieser damals im Beisein meiner sagen dörfen, sein Sohn habe mir recht getan, so möchte ich nun wissen, ob er auch recht getan, da er vor etlich Jahren seines Vaters Haus bestiegen, sich noch rühmte, wie künstlich und geschickt er wäre, jedoch ein schlechtes Jubiläum von den Zuschauern erhielte, sondern von männiglich als ein erschreckliches Exempel angesehen wurde' – und so weiter. Dummes Zeug! Ich werde den Briefschreiber für seine unverständigen Lästerworte um einen kleinen Frevel strafen. Ist Er damit zufrieden?"
"Aufzuwarten, Herr Amtmann, ich sag meinen gehorsamen Dank", antwortete der Sonnenwirt und verbeugte sich.
"Hat Er ihn denn zum Reiten beordert?"
"Da der Herr Amtmann befohlen haben, dass ein für allemal auf jeden Tag in der Woche ein berittener Mann als Expresspostillon parat sein solle, so hab ich als Obermeister dem Kreuzwirt den