, dass man hat eine Stunde ungestört sich unterhalten können, da hat man Neuigkeiten gehört, dass einem die Welt noch einmal so gross und weit vorkommen ist und dass sogar die Schmieren oder Launiger – will sagen, die Aufseher oder die Soldaten, die die Wache gehabt haben – mit aufgerissenen Augen und Mäulern dabeigestanden sind und das Abwehren vergessen haben. Sie wissen dir von jedem Land, gross oder klein, seinen Regenten und wie er gesinnt ist, seine gesetz und Einrichtungen, die Nahrungsweise des volkes, den Wohlstand, die Eigenschaften fast jedes einzelnen Beamten, die Verhältnisse zu anderen Ländern und ihren Regenten und Beamten, alles das wissen sie dir wie am Schnürle herzusagen, denn es sind lauter Dinge, die zu ihrem Handwerk gehören und nach denen sie ihr Tun und Lassen abmessen müssen. Ich hab aber oft denken müssen, wie nützlich es wär, wenn die Bürgersleute, die sich doch zum teil mit Handel und Wandel zwischen so vieler Herren Gebiet, das absonderlich in unserem Land unzählbar ist, fortbringen müssen – ich will nur zum Beispiel von den Wirten reden – sage, wenn sie solche notwendige Wissenheiten in den schulen und dafür meinetwegen ein paar Sprüch und Vers weniger lernen würden. Aber auch in vielen anderen Dingen trifft man die schönsten Kenntnisse bei ihnen an. Da stehen besonders die Felinger im ersten Rang, und unter diesen wiederum die sogenannten Staatsfelinger. Das sind dir Leute, die fürnehm gekleidet in Samt und Seide, oft in eigenen Karossen mit Pferden und grosser Dienerschaft als Bergleute oder Doktoren das Reich durchziehen, treiben ihr Handwerk meistens in den Städten, führt mancher gar ein Privilegium von kaiserlicher Majestät mit sich und weiss sich eine Manier und ein Ansehen zu geben, dass jeder Reichsgraf ihn für seinesgleichen erkennen muss. Aber auch die geringeren Felinger, die das dumme Volk mit Quacksalberkünsten, Schatzgräbereien und dergleichen kaspern und brandschatzen, haben bei allem Betrug oft manche gute Wissenschaft in ihrer Kunst. Wir selber haben einen solchen auf Hohentwiel gehabt, der in Krankheiten sehr erfahren war und nicht nur mir und manchem anderen geholfen, sondern auch den Festungsdoktor selbst mehr als einmal ausgestochen hat. Der hat ihm freilich die Ehre nicht gönnen wollen, als wenn es recht kritisch hergangen ist, aber just dann ist auch der Ruhm desto grösser gewesen."
"Wenn aber so leute so geschickt sind", wendete sie ein, "dann sollt's ihnen ein Leicht's sein, sich ehrlich und redlich zu nähren."
"Ist bald gesagt", erwiderte er. "Diese Leute sind meistenteils von Kindesbeinen auf heimatlos, gehören zu einem verachteten, verworfenen Menschenschlag und würden zu ehrlichen Hantierungen im bürgerlichen Leben gar nicht angenommen, sind auch, was ich zugeben will, teils schon durch ihre Eltern dazu verdorben oder sie sind mit und ohne ihre Schuld aus dem bürgerlichen Leben hinausgestossen worden – denke nur dran, wie's u n s gangen ist – und müssen froh sein, dass sie da draussen noch eine Welt finden, in der sie leben können. Das sind Leute, wie zu Davids Zeit, da er vor dem König Saul in die Höhle Adullam fliehen musste und sich allerlei Männer zu ihm versammelten, von denen die Schrift sagt: Männer, die in Not und Schuld und betrübtes Herzens waren. Jetzt ist's freilich nicht mehr Mode, dass einer aus einem Obersten über solche Männer ein König werden kann, und es deucht mir selber unbegreiflich, wenn ich dem Ding nachdenke, zumal dass von allen Kanzeln sein Lob gepredigt wird, da er doch Stücke getan hat, die heutzutag mit Galgen und Rad bestraft würden. So schickt er zu dem Nabal hin und lässt ihm sagen: 'Gib mir und meinen Leuten, was deine Hand findet'; wie aber der Nabal Faust in Sack macht, so heisst er einen jeglichen sein Schwert um sich gürten und zieht, vierhundert Mann stark, gegen ihn, just so wie sie jetziger Zeit manchmal aus den böhmischen Wäldern hervorbrechen. Und wiewohl die Abigail sich ins Mittel gelegt hat, dass es nicht zum äussersten kommen ist, so hat er Speis und Trank genug ohne Zeche und Kreide gefasst und hat eigentlich doch den Nabal umgebracht, denn d e r hat aus Schrecken über den Anmarsch der vierhundert betrübten Herzen den Geist ausgeblasen und hat ihm erst noch seine Witwe zum Weib lassen müssen. Die Schrift sagt wohl von ihm, der Mann sei hart und boshaftig in seinem Tun gewesen; aber gibt's darum keine seinesgleichen mehr, die, wie er, fast grossen Vermögens sind und viele Schafe und Ziegen haben? Ich möchte sehen, wenn ihnen einer heutigs tages so was tät, was weltliche und geistliche Obrigkeit dazu bemerken würden. Von den Zigeunern sagen sie, sie betteln zuerst, und wenn man's ihnen nicht gutwillig gebe, so nehmen sie's mit Gewalt. Aber das hat noch kein Pfarrer als Muster aufgestellt. Vielmehr hat mir schon in Ludwigsburg einer, der bei einem Generalstreif aufgefangen wurde und in Gesetzen sehr bewandert und ein halber Gelehrter war, der hat mir gesagt, es sei erst vor wenigen Jahren ein Kreispatent ausgegangen, dass man das gottlose und verruchte Jauner- und Zigeunervolk, auch wenn man es nicht auf einer Missetat ergreife, – ich weiss den gelehrten Ausdruck nicht mehr, aber der Sinn ist: ohne eigentliches Verhör und Urtel, also dass man ebensogut einen Unschuldigen treffen kann – sage, ohne alle Umstände solle man sie aufs Rad legen und