mancher Sechsbätzner, mancher Krug Wein als Schmerzensgeld hinter seinem rücken aus der Sonne gewandert."
"Wenn man dem Ding nachdenkt", sagte der obere Müller, "so hat es mit so einem verzogenen Söhnle eigentlich nicht anders kommen können. Ich glaube, ein anderer war auch so geworden."
"Vielleicht lauft er sich die Hörner noch ab", versetzte der jüngere. "Wiewohl, es wird schwer halten. Er ist eben einmal an die Gewalttätigkeit gewöhnt. Wenn man ihm irgendwie einen Riegel vor die Tür schiebt, so muss er mit dem Kopf durch die Wand, das tut er nicht anders."
"Ja, und sein Hochmut wird ihn auch nicht anders werden lassen", sagte der Fischer, "denn das ist der Hauptteufel, der ihn reitet."
"Der steckt in der ganzen Sippschaft. Ist die Magdalene vorhin wieder hereingekommen? Nein, weil man sich einen kleinen Spass mit ihr herausgenommen hat, so hat sie den Wein durch die Mutter geschickt."
"Aha!" sagte der ältere Müller leise, dem Fischer zuwinkend, "hast ihn hören trappen?"
"Immer hat er sich für was Besonderes gehalten", fuhr dieser fort, ohne auf die Bemerkung achtzugeben. "Ha, wenn ich nur daran denke, was er mir einmal für eine Zumutung gemacht hat! Das war das einzige Mal, dass ich was Apartes in die Schule mitbrachte, wo ich mir was drauf zugut tun konnte. Der Herzog war eben vorher durch den Flecken gefahren, und da fand meine Mutter auf der Strasse ein kleines Stück hellblauen Sammet, Gott weiss, woher und wie er auf den Boden gefallen war. Meine Mutter wusste nicht, was damit tun, nun zerschnitt sie's in Läpplein und machte mir eine Windmühle, wisst ihr, wie's die Buben an Stecken haben; wenn sie damit springen, so dreht sich's herum. Das Ding sah hoffärtig aus, und die ganze Schule hatte Respekt davor. Den Sonnenwirtle aber verdross es, dass er mir's zum erstenmal nicht gleichtun konnte; er liess sich aber nichts anmerken, sondern verspottete mich und schalt mich den herzoglichen Windmüller. Da war's auch bei den andern aus, ich konnte mich allein an meiner Windmühle ergötzen; sie sahen mich nicht mehr darum an. Ein paar Tage drauf ist meine Windmühle weg. Ich hatte niemand anders im Verdacht als den Frieder und sagt's auch den andern Buben. Wie der's aber hört, so speit er Gift und Galle, passt mir auf, und an der Ratausecke stellte er mich, wie ich mich unterstehen könne, ihn zu bezichtigen, dass er mich bestohlen habe. Jetzt, was meinet ihr, dass er mir zugemutet hat? Ein Messer nahm er in die Faust, und mir bot er ein anderes dar und sagte, ich solle mich wehren. natürlich hab ich mich dafür bedankt, und dann fiel er über mich her und prügelte mich durch; denn er war weitaus der Stärkste von uns allen."
"Und hatte er wirklich die Windmühle gestohlen?"
"Nein, ich fand sie hernach wieder; ich hatte sie nur verlegt. Auch hätt ich's nicht so schwer genommen, nicht einmal die Prügel bekümmerten mich, wiewohl er immer eine harte Tatze hatte. Nein, aber der Hochmut, dass er den fürnehmen Herrn spielen wollte und sich duellieren, wie ein Edelmann, das hat mir ihn zuwider gemacht. Und er war dazumal ein Bub von zehn Jahren. Wenn das am grünen Holz so ist, wie wird's am dürren werden?"
"Duellieren hat er sich wollen, wie ein Offizier?" rief der Knecht. "Ei, so verreck!"
"Da hat sich das adelige Blut frühzeitig geregt", sagte der jüngere Müller lachend.
"Wenn die selige Sonnenwirtin nicht so ein kreuzbraves Weib gewesen wär", versetzte der ältere Müller, "so könnt man auf allerlei Gedanken kommen."
"Und was ist denn sein Vater Grosses?" fuhr der Fischer eifrig fort. "Er mag meinetalb für ein paar Batzen hochmütig sein, aber alles hat seine Grenzen. Er ist Wirt, muss den Leuten für ihr Geld Kratzfüsse machen; er ist Viehhändler, patscht jedem Rosskamm in die Hand; er ist Metzger, muss den Ochsen und Säuen im Gedärm herumfahren." "Es müsst's nur das Metzgerhandwerk machen", sagte der ältere Müller, "damit übt er eine Art von Blutbann aus, und das ist doch was Adeliges." "Ja", rief der andere, "und darin stehst du ihm nach, Fischerhanne. Denn du und die, über deren Leben und Tod du Gewalt hast, haben kein Blut." "Oder nur weisses." Die andern lachten. "Sorget nur nicht für mich!" sagte der Fischer etwas ärgerlich. "Meine Untertanen haben auch Blut." "Ja, und Galle." "Ja, und beissen können sie auch." "Aber der Ochs hat Hörner." "Wenn er zu hitzig stosst, so brechen sie ab." "Wenn sie nur schon abgebrochen w ä r e n !" sagte der ältere Müller. "Aus dem Burschen könnt noch was Tüchtig's werden. Ich wollt, man tät ihn m i r anvertrauen, ich zög ihn durchs Kammrad, dass er geschlacht würde