hilfreich ist er und meint's vielmals gut. Denkt's Euch noch, wo er die Schramm her hat, die man immer noch auf seiner Stirn sieht? Da ist einmal der Totengräber mit seinem Weib und seinem Mädle am Burggarten runtergefahren, haben ein Wägele mit Heu, glaube ich, geführt, und wie eben die leute vergesslich sind, oder vielleicht auch aus Armut, haben sie keine Kette bei sich gehabt und ein mageres Kühle vorgespannt, und haben die Weibsleut den Radschuh machen müssen, wie's auch sonst im Leben oft vorkommt."
Die Gesellschaft lachte. "Ist auch oft nötig", rief eine rüstige dicke Frau, die für die Braut den Mund auftat. "Wenn ein Mann kopfüber kopfunter bergabe will, so tut's ihm wohl not, dass er ein tüchtig's Weib hat, das ihm den Rappen anhält und den Wagen sperrt."
"Über das", fuhr der Müller fort, "ist das Wägele in Schuss kommen, das Kühle hat's nicht mehr verheben können, und wer weiss, wie's gangen wär, da kommt auf einmal der Frieder des weges daher, sieht den Unstern und springt bei, er ist schier kaum sechzehn Jahr alt gewesen. Anhalten hat er das Wägele auch nicht mehr können, aber rum hat er's samt dem Kühle gerissen, so dass das Rad am Mäuerle aufgefahren ist und am Vorsprung festgesessen. Kuh und Wagen und leute, keinem hat's was getan, aber den Frieder hat's mit der Stirn an die Mauer hingeschlenkert, dass man ihm hätt mit einer Latern in Kopf hineinzünden können."
"Ja, ich weiss wohl noch, wie man mir den gottlosen Buben halbtot ins Haus bracht hat", sagte der Sonnen wirt.
Die tür ging auf, und Friedrich erschien mit den Flaschen. Der Müller, der sich entweder sehen lassen oder auch vielleicht das Gespräch noch länger fortsetzen wollte, rief: "Was, das ist alles? Gleich wieder in Keller! Der ganz Tisch muss vollgepfropft sein. Kann dir nicht helfen, Friederle, heute muss ich dir müde Füss machen."
"Oh, ich tu's ja gern", rief Friedrich und eilte wieder in den Keller.
"Ich hab oft zu mir gesagt", hob der Müller wieder an, "aus dem Buben kann noch was werden."
"Im guten oder im bösen", erwiderte der Sonnenwirt. "Ich hab's auch schon gedacht, dass er nichts Halb's werden will. Seit einiger Zeit aber hat er sich ganz auf die eine Seit geneigt. Ihr wisset's ja selber, wie er mir Verdruss und Bekümmernis macht."
"Darin will ich ihm den Kopf nicht heben", sagte der junge Müller, indem er seine Braut zärtlich ansah. "Besser ist besser, das weiss i c h . Aber wenn die sache eben einmal so weit ist, wie bei dem Frieder – ich sag's ganz unmassgeblich, Herr Sonnenwirt, ich rede bloss von mir – wenn ich 'n Sohn hätt, und er ging in solchen Schuhen und wollt eben um Gottes oder 's Teufels willen seinem Schatz Wort halten und sein Kind vor Elend bewahren – ich weiss nicht, was ich tät, aber soviel müsst ich mir doch immer sagen: das Kind, das ist dein Enkel."
"Unser Herrgott wird davor sein, dass dir so was zustosst", sagte die dicke Frau, welche die Sprecherin machte, mit scharfbetonter Missbilligung. "Hätt'st wenigstens gleich dazu sagen sollen: Unbeschrien! An einem Tag, wie der heutig, musst kein so Ding reden."
Der Bräutigam wurde gewahr, dass er einen grossen Bock geschossen. Er wandte sich zu seiner Braut, welche blutrot geworden war, und flüsterte ihr unausgesetzt gute Worte zu, ohne weiteren Anteil an dem Gespräch zu nehmen. Anfangs schien sie etwas scheu und widerwillig zu sein, auch zog sie den Arm weg und rückte ein wenig, wenn er sie berühren wollte; nach und nach aber liess sie sich wieder begütigen.
"Das wär mir eine neue Erziehung", nahm die Sonnenwirtin nach der Tadlerin das Wort, "wenn des Menschen Eigensinn Gottes Will heissen müsst. Des Teufels Will, ja, das ist recht gesagt." – Sie sah sich im Kreise um und begegnete, wenigstens bei den weiblichen Mitgliedern desselben, lauter beifälligen Gesichtern.
"Herr Sonnenwirt!" begann ein alter Fuhrmann, der beinahe unbeachtet in der Ecke am anderen Fenster sass und dem gespräche sehr aufmerksam zugehört hatte: "Lasset ein Wort mit Euch reden und gebet Eurem Sohn das Mädle, dass das Geschrei unter den Leuten einmal aufhört. Bei Kannstatt drunten hab ich einen ähnlichen Fall erlebt. Da hat auch ein Wirtssohn eine arme Taglöhnerstochter geheiratet, und die ganz Verwandtschaft ist dagegen gewesen, aber er hat's durchgesetzt, warum? Weil er Herr im Haus gewesen ist nach seines Vaters Tod. Es ist aber ganz gut geraten. Anfangs, freilich, hat man auch dem Teufel ein Bein brechen müssen, denn die jung Frau hat ein wenig hochmütig sein wollen auf ihr fein's Gesicht und ihren neuen Stand und hat dabei natürlich von der Wirtschaft nichts verstanden und der Schwieger nicht folgen wollen; aber der Mann ist gescheit gewesen und hat zu seiner Mutter gehalten und sein Weib links und rechts hinter die Ohren