."
Der Irländer hatte mit Teilnahme die Not seiner Offiziere gesehen. – "Muscha," sagte er, "das Dings da schaut aus wie eine Axt von einem der Kerle mit den langen Bärten, und das da drüben ist, wenn ich richtige Augen mit auf die Welt gebracht habe, ein umgehauener Baum oder ein Balken von den Schanzgräbern. Holz woll'n wir schon kriegen, Sir, wenn nur der kapitän einen Augenblick meinen Posten einem Andern zuteilen will." Damit begann er, sein Gewehr zurücklassend, bereits über den Rand der Grube zu klettern.
kapitän Stuart wollte ihn zurückhalten. – "Kerl, Du bist rasend! Du bist durchlöchert wie ein Sieb, ehe Du zwanzig Schritt zurückgelegt hast."
Aber Mickei war bereits aus der Grube und wakkelte langsam und ohne seine Pfeife ausgehen zu lassen, auf den Baum zu, nachdem er mit einer – unbeschreiblichen Geberde nach den russischen Schanzen hin seine Verachtung aller Gefahr ausgedrückt hatte.
"Lassen Sie ihn gewähren, Sir," sagte der Corporal, "es ist ohnehin zu spät und ich habe oft gesehen, dass Tollheit und Uebermut am besten gegen die Kugeln fest machen. Wir wollen lieber die Burschen auf den Wällen und in den Gruben im Auge behalten."
In der Tat erwies es sich so, wie der alte Soldat prophezeiht. Des tollen Irländers Uebermut war sein bester Schutz, denn während er gemächlich begann, einen Vorrat von Spänen abzuhauen, schienen die Russen zuerst ganz erstaunt über dies kalte Blut. Bald genug iedoch knatterte ein bleierner Platzregen um den seltsamen Holzhacker her, der aber noch ganz ruhig eine Zeit lang fortarbeitete. Die Russen, dadurch noch wütender gemacht, feuerten nun um so leidenschaftlicher, und selbst drei Mal mit einer Kanone, deren Vollkugel kaum zwölf Schritt zur Seite über die Ebene schlug, ohne dass sich Mick deshalb im Geringsten beeilte. Offenbar rettete ihn nur die Leidenschaftlichkeit der Feinde, die sie nicht zum ruhigen Zielen kommen liess, ausserdem aber unterhielten die besten Schützen der seinen und der nächsten Grube, sobald man den kühnen Streich des Mannes bemerkt, ein scharfes Feuer auf Alles, was sich vom Feinde blicken liess, und kapitän Stuart schoss selbst einen der Kanoniere in der Schiessscharte nieder, aus der man die Kanone auf den Irländer gerichtet. Dennoch schützte ihn eben nur der Zufall, während seit diesem bald in der ganzen Armee bekannten Vorgang riele seiner Kameraden den Irländer als kugelfest verschworen.
Der Verwegene sah sich endlich die abgehackten Späne an, schien zu überlegen, ob es genug seien, kauerte dann nieder und sammelte das Holz in seinen grossen Feldmantel, latschte zurück durch die ununterbrochenen Salven und sprang unversehrt mit seinem Schatze wieder herab, nachdem er den Russen noch mit der Faust gedroht. Man sah's ihm an, er hatte in seiner echt nationellen Sorglosigkeit keine Vorstellung davon, welcher Gefahr er sich eben ausgesetzt, denn kaum dass er im Schutz der Grube sich befand, traf eine vierte Kanonenkugel des Feindes, der jetzt die Richtung gefunden, den Stamm und zerschmetterte ihn.
In einem kleinen Feldkessel wurde das Feuer angemacht, da der Boden zu nass war, um zur Unterlage zu dienen, und eine grosse zinnerne, längst geleerte Feldflasche diente dazu, mit den Schneewasser starken Kaffee zu bereiten, wovon lieber nach wiederholten Auflagen seinen Anteil bekam, denn Mickei war fürsorglich gewesen und hatte auch an "etwas Warmes" für sich gedacht. Die Leiden des jungen Offiziers linderten sich, obschon häufig Fieberschauer durch seine ohnehin vor Kälte bebenden Glieder fuhren; dagegen starb bald darauf unter schrecklichen Convulsionen der Soldat, den die Ruhr überfallen. Man hob die Leiche zu seinem Kameraden über den Grubenrand.
Die Schrecknisse und Gefahren der kleinen Besatzung in der Schützengrube sollten mit diesem zweiten Todesfall jedoch noch nicht ihr Ende erreicht haben, obschon bereits der Abend Hereinzubrechen begann. Die Russen feuerten jetzt häufig mit Kartätschen über die Fläche, teils um Wagnisse, wie das vorhergegangene, unmöglich zu machen, teils um den Rückzug an den Schützengruben zu verhindern. Dazwischen zischten von Zeit zu Zeit Bomben über ihren Köpfen und schlugen mehrmals unfern von ihnen in den Boden, sich dort im Zerspringen ein trichterförmiges Loch wühlend.
kapitän S t u a r t sah nach seiner Uhr. – "Ich muss Sie verlassen, Vetter," sagte er, "und auf alle Gefahr versuchen, die Grube links zu erreichen, um von dort die Signale für die ganze Linie steigen zu lassen, denn verschiedene Anzeichen beweisen mir, dass die Feinde sich bereit machen, bei eingetretener Dunkelheit einen Ausfall zu machen, und wir müssen auf unserer Hut sein. Halten Sie –" er vollendete nicht, denn das Krachen einer einschlagenden grossen Bombe unterbrach ihn und ein gellender Angst- und Hilferuf übertönte selbst den Donner der Geschütze.
"Heiliger Patrik – es ist der pfeifende Dick!"
"Wo – wo? – die Kugel muss in die Trancheen gefallen sein."
"Nein, nein – da links – sehen Sie – die Grube – unsere Kameraden!"
Die Männer hatten sich bereits über den Rand der ihren erhoben, unbekümmert um die Gefahr; – in der Richtung, in der die mittlere Schützengrube lag, wirbelte eine Erd- und Dampfwolke in die Höhe – im Dämmerlicht glaubten sie eine menschliche Gestalt zu schauen, die auf den Rand der Grube emporsprang, zwei Mal mit den Armen wild durch die Luft schlug, im nächsten Augenblick aber in einem aufzischenden Feuerstrahl verschwand – sie meinten die