über den kleinen Erdwall geworfen, der die gefährliche Stellung gegen den Feind hin decken sollte.
In dem engen Raum herrschten Elend und Not in vollem Maasse. Es gehörte ein scharfes Auge damals dazu, die britischen Offiziere von ihren Untergebenen zu unterscheiden. Eine rote Uniform war fast nur noch bei den fortwährend eintreffenden und dennoch die Lücken nur spärlich füllenden Ersatzmannschaften zu erblicken und bald genug war ihr Glanz im Schlamm und Kot verschwunden. Der junge Mann, der neben dem kapitän auf einem Stein kauerte, die Füsse bis über die Knöchel in dem Schlamm und Schneewasser, das den Boden der Grube bedeckte, trug freilich noch eine solche unter dem Soldatenmantel, aber eine alte Pelzmütze von tatarischer Form, die ihm sein entfernter Verwandter Stuart geliehen, hüllte bereits den Kopf ein. Darunter sah ein feines aristokratisches Gesicht hervor; – der arme Bursche, der nene Fähnrich der Compagnie, der O'Mallei's Stelle eingenommen, war der jüngere Sohn eines englischen Peers und im Glanz des Reichtums erzogen, bis ihn der Familiengebrauch mit 50 Pfund Zuschuss hinausstiess in die Welt und Alles für ihn getan zu haben glaubte, indem er ihm eine Offiziersstelle in einem Infanterie-Regiment kaufte. Fähnrich E l l i s d a l e war erst vor sechs Tagen mit den letzten Ersatzmannschdaften eingetroffen und sein Traum von Ruhm und Ehre war in der kurzen Frist bereits kläglich zusammengeschmolzen.
Sein älterer Vetter, in dessen Compagnie er glücklicher Weise gekommen, war als bewährter Soldat besser geschützt gegen die Kälte und Nässe. Hohe Matrosenstiefel, damals ein sehr gesuchter Artikel und in Balaclawa mit dem fünffachen Preise bezahlt, reichten bis über die Mitte der Schenkel. Ein tatarischer zerrissener Pelz, starrend von Schmuz und Fett, von dem übergeschnallten Säbelgurt zusammengehalten, bildete die Hauptbekleidung, während die Mütze mit einem dicken roten Tuch umwunden worden. Aehnlich waren die meisten Soldaten bekleidet, – Flicken von allen möglichen Farben und Stoffen zierten als Ausbesserung Jacke und Beinkleider, – drei von den armen Teufeln aber hatten ein jämmerliches zerrissenes Schuhzeug, und die Lappen und Binden, mit denen sie ihre Knöchel und Füsse umwunden, waren nur geringer Schutz gegen die Feuchtigkeit und Kälte.
Aber noch nicht genug dieses Elends, – auch Krankheit und Schmerz herrschten in der schrecklichen Höhle. Der eine der Soldaten litt fürchterlich an der roten Ruhr, einem andern hatte eine russische Büchsenkugel den linken Arm zerschmettert, als er unvorsichtiger Weise beim Zielen ihn über die Dekkung hinausgestreckt. An wundärztliche Hilfe war nicht zu denken, bevor die Ablösung in der Nacht erfolgt war. Der kapitän hatte den armen Menschen, so gut es gehen wollte, verbunden, aber das schmerzliche Stöhnen des Mannes unterbrach oft das Gespräch der Andern, das mit der Gleichgültigkeit geführt wurde, zu welcher die unbeschreiblichen Beschwerden bereits gegen die Leiden des nächsten fast jedes Herz verhärtet. An der einen Ecke der Brustwehr, den Kopf hinter derselben verborgen und das Minié-Gewehr durch eine Oeffnung im Anschlag stand der Soldat, an welchem die Reihe des Postens war, während an der andern kaum 6 Fuss entfernten Seite Mick der Irländer, der wackere und heitere Diener des frühern Führers der Compagnie, die Spähwache hielt nach dem Artilleriefeuer der Russen.
kapitän Stuart führte die Aufsicht über die drei Schützengruben, die vor diesem Punkt der englischen Linien angelegt waren und hatte ein kurzes Schneegestöber um Mittag benutzt, um, auf dem Bauch fortkriechend, von seinem Standpunkt in der mittelsten die zur rechten Seite zu besuchen. Das rasche Aufhören des Schnees und das scharfe Feuer der Feinde fesselten ihn jetzt in dieser.
"So haben Sie also Cavendish gesehen, Ellisdale," sagte er, die kurze Pfeife aus dem mund nehmend und im Gespräch fortfahrend, "wie geht es dem Burschen?"
"Um vieles besser, als da Sie ihn selbst besuchten, Vetter. Die Wunde in der Brust ist geschlossen, das russische Bajonet hat keinen der edlen Teile verletzt und er hofft in höchstens vier Wochen wieder beim Regiment zu sein."
"Beim Regiment – er wird sich verteufelt wundern, was davon noch übrig ist. Mickei und ich und drei oder vier Andere sind so ziemlich Alles, was Inkermann, die Cholera und die Kälte von der Compagnie im Dienst gelassen haben, die in jener höllischen Redoute unter dem tapfern Armstrong focht."
"O Akushla, mein Liebling," warf Mickei ein, "es ist brav von Ihnen, kapitän, wenn Sie auch nur ein Schotte sind, dass Sie so gut sprechen von meinem seligen Herrn. Ich habe mir immer Vorwürfe gemacht, dass ich ihn um vier Schillinge betrog bei dem Verkauf der Rumflasche in jener gesegneten Nacht."
"Ich sah, wie Du ihn aus dem Kampfe trugst, Bursche, und das wiegt manche Deiner Sünden auf," sagte gutmütig der Offizier. "Es ist mir lieb, dass Cavendish davonkommt, da ich jetzt nicht mehr auf seinen Tod zu warten brauche, um meinen Rang zu erhalten; ausserdem kann der Bursche uns jetzt seine famose Tigergeschichte zu Ende erzählen. Aber wie gesagt, er wird sich wundern, obschon es dem 95. nicht allein so gegangen. Das 63. Regiment hatte gestern noch 7 Mann diensttüchtig und Goldies 46. noch 30. Die schottischen Garde – Füsiliere, die 1562 Mann stark nach der Krim kamen, zählen jetzt einschliesslich der Offiziersbedienten und Corporale noch 210 Mann, – und in den meisten Brigaden steht es eben so1."
"Es sind 12 Regimenter seit vierzehn Tagen eingetroffen, drei