vorüber nach dem Süden zogen zu Kampf und Ruhm.
Der alte Revolutionair sorgte mit der Aufmerksamkeit und Liebe einer Mutter für jedes Bedürfniss, für jede Pflege des Enkels, während jedes seiner Worte ihn für seine Pläne zu gewinnen berechnet war. Das Schweigen des Jünglings galt ihm als Zugeständniss für die Erfüllung seiner Wünsche, und schon bereitete er ihre Abreise nach Odessa vor, um von dort nach Frankreich oder der Schweiz zu gehen, als an einem Morgen der Unterfähnrich plötzlich verschwunden war. Ein zurückgelassener Zettel zeigte ihm die Täuschung, in die er sich gewiegt, die Worte lauteten: "Tausend Dank und Segen für Deine Liebe, Grossvater, aber Michael Lasaroff hat das Herz eines Russen und sein Platz ist in Ssewastopol!"
Fussnoten
1 Station. 2 Tumulen, alte mongolische Grabhügel. 3 Kohlsuppe und Grütze. 4 Brüderchen – häufige Anrede gegen Untergebene. 5 Menoniten. 6 Oberst-Lieutenant. 7 Unter Kosziusko am 17. Juli 1792. Das "Finis Poloniae!" in der zweitgenannten Schlacht gegen Suwaroff am 10. October 1794 ist bekannt. II. Nicht auf den Schlachtfeldern allein stirbt man den
Heldentod für's Vaterland!
Wir haben unsern Lesern im ersten Band unseres Buches, das sich seinem Ende naht, versprochen, sie noch ein Mal in das Kabinet des mächtigen Monarchen zu führen, gegen den in diesem Augenblick das halbe Europa in Waffen stand.
Der Kaiser war seit mehreren Tagen leidend – die in Petersburg mit grosser Heftigkeit herrschende Grippe hatte auch ihn ergriffen, und die Rastlosigkeit, mit der er seine Tätigkeit fortsetzte, die Aufregung, der er sich über die politischen Ereignisse innerlich hingab, und die geringe Schonung seiner Gesundheit hatten das Uebel von Tage zu Tage gesteigert. Obschon bis jetzt noch keine Gefahr vorhanden war und sein Leibarzt Dr. Mandt dies auch anerkannte, hatte dieser doch um erlaubnis gebeten, einen zweiten Arzt zuziehen zu dürfen und der Kaiser die Beratung seines gewöhnlichen Leibarztes auf Reisen, des Dr. Karell, bewilligt. Am Tage vorher hatten beide ärzte dem kaiserlichen Herrn ernste Vorstellungen gemacht und erklärt, dass, wenn er nicht eine grössere Vorsicht eintreten lasse, sie für die Folgen nicht stehen könnten.
Trotz der Bitten der ärzte und seiner Familie hatte der Kaiser sich geweigert, sein gewöhnliches Kabinet zu verlassen, das für seinen Zustand durch die Ekklage und die grossen Fenster, auf die der Wind von zwei Seiten stiess, sehr unvorteilhaft war. Es herrschte in dem Zimmer kaum 10 bis 12 Grad Wärme, während draussen der Termometer auf 20 bis 23 Grad unter Null zeigte.
Der Kaiser hatte eine schlaflose Nacht gehabt, nachdem er den ganzen Abend vorher mit dem Staatskanzler Graf Nesselrode gearbeitet und nachher noch mehrere geheime Berichte und Depeschen durchgesehen. Er hatte sich am frühen Morgen ankleiden lassen und schon um 7 Uhr nach seinem alten Freunde und Vertrauten, dem General-Adjutanten Grafen O r l o f f gesandt.
Der riesige Graf – er war einer der grössten und stärksten Männer Russlands und tödtete im Jahre 1851, nach Staraia-Russia gesandt, um einen Aufstand in den Militair-Colonieen zu dämpfen, mit einem einzigen Faustschlag einen jungen Soldaten, der aus dem Gliede hervortrat – sass seinem kaiserlichen Herrn gegenüber an dem grossen Arbeitstisch, der mit Papieren bedeckt war. Sein Antlitz war ernst und sorgenvoll, das des Kaisers blass, nur von Zeit zu Zeit durch die Anstrengungen des Hustens oder die innere Aufregung mit fliegender Röte bedeckt.
"Einhundertdreiundzwanzigtausend Mann – es ist nicht möglich," sagte der Monarch heftig. "Dolgorucki muss sich irren!"
Der Graf reichte ihm das Memoir, das er in der Hand hielt. "Der Feldzug an der Donau kostet uns 60,000, – Silistria allein den sechsten teil. Die Almaschlacht zählt mit 6000, Balaclawa und Inkermann 9000, – in Ssewastopol sind in den drei Monaten 18,000 gefallen, mehr als eben so viel sind dem Typhus und der Cholera unterlegen oder untauglich."
"Es ist schrecklich – aber unsere Gegner haben fast eben so viel verloren. Welches furchtbare Resultat und für was?"
Der General schwieg. "Ich muss der Sache klar in's Auge sehen," fuhr der Kaiser fort, "ich habe gestern bis 11 Uhr mit Nesselrode gearbeitet, um nochmals alle unsere Aussichten zu prüfen."
"Euer Majestät reiben sich auf mit dieser rastlosen Tätigkeit bei Ihrem Unwohlsein. Ihr Leben ist das schätzbarste Gut Russlands."
"Wer weiss – wer weiss, alter Freund! Wir sind Beide Soldaten und wissen, wie leicht jede Lücke sich schliesst. Hätte nur Kleinmichel mich nicht mit den Strassen im Stich gelassen, die Sache stände anders. Wer hätte von Oesterreich Das gedacht!"
"Ich habe Euer Majestät stets gewarnt, sich nicht von Meiendorf täuschen zu lassen. Er über Wien – Nesselrode über London. Er war Metternich nicht gewachsen und verliess sich blind auf seine Verwandtschaft."
"Ich weiss, dass Du die deutsche Partei nicht liebst," sagte kopfschüttelnd der Kaiser, "Meiendorf trifft keine Schuld, Du selbst hast bei diesen undankbaren Oesterreichern Nichts ausgerichtet. Was geschehen ist, lässt sich nicht ändern."
"Euer Majestät erinnern sich, dass ich im Jahre 49 gegen die Hilfe ohne Bedingungen war. Grossmut in der Politik ist immer ein Fehler und das Möglichste zu fordern nie ein Schade!"
Der Monarch lächelte bitter. "Das ist das Prinzip, nach dem Du beim Vertrag von Adrianopel1 gehandelt. Und was nützen