seiner Bestimmung in einem der Corpshäuser in Petersburg erzogen."
"Und Ihre andere Familie? Ihre Schwester?"
"Sie blieb bis zu ihrem Ende eine treue Tochter Polens, während ihr Gatte, der an meiner Seite gefochten, mit Russland seinen Frieden machte, und ihr Sohn später im russischen Kriegsdienst stand und mit dem Gatten seiner älteren Stiefschwester wie – ich muss es zu unserer Schande sagen – so viele Polen im Kaukasus zur Unterjochung Ihrer freien Nation unter dem Doppeladler focht. Er fiel vor fünf Jahren als ein Opfer der Cholera und seine uns fremde Frau und seine Kinder sind die Erben der Guter in Polen. Aber meine Schwester hatte ein zweites jüngeres Kind, eine Tochter, Wanda, die Sie kennen, und in der ihr Geist, ihr Herz, ihre Vaterlandsliebe fortleben. Sie sah ich in Berlin und Paris, sie liebte ich und durch sie erhielt ich Nachricht von dem Letzten meines Blutes, von meinem Enkel, und blieb in Verbindung mit ihm. Es wird Sie nach dem, was Sie ausgesprochen, wenig kümmern, aus welchen Gründen ich vor fast zwei Jahren, durch eine frühere Bekanntschaft mit dem russischen Staatskanzler unterstützt, die Amnestie des Czaren annahm und nach Polen und Russland kam. Nicht einer der geringsten war die sehnsucht nach meinem Enkel und die Liebe zu ihm, die noch einmal das welke Herz des Greises erfüllte und belebte."
"Und darf ich fragen, welche Absichten Sie mit ihm hegen?"
"Ich will Ihnen nicht verhehlen, dass die politische Aufgabe, die mich in dieses Land geführt, misslungen ist. Die Ereignisse sind uns aus den Händen gewachsen, andere und gefährlichere Gegner als Czar Nicolaus sind unserer heiligen Sache entstanden und haben unsere Pläne durchkreuzt, und wir können augenblicklich nur die welterschütternden Ereignisse beobachten und so viel als möglich die einzelnen Phasen für uns benutzen. Ich glaubte Michael, da er nur ein Knabe ist, noch nicht siebzehn Jahre, gesichert vor den Stürmen der Zeit in jener Anstalt zu Petersburg, wohin ihn das Testament seines Vaters bestimmt; ich bedachte und ahnte nicht, dass er den Geist desselben und seine Gesinnung geerbt. Am rand meines Lebens muss ich sehen, wie das Kind meines Blutes von mir abfällt und ein fanatischer Anhänger meines Feindes ist. In Odessa, wo ich grösstenteils mich aufgehalten, seit ich meine Nichte bis dahin auf dem Wege zu ihrer Stiefschwester am Kaukasus begleitet, überraschte mich der jubelnde Brief des törichten Knaben, dass sein Abgott, der Czar, ihm gestattet, in ein Regiment für die Krimm einzutreten, und dass er bereits auf dem Marsch hierher sei. Die Nachricht traf mich wie ein Donnerschlag und machte das alte Herz erbeben. Ich eilte ihm entgegen, ich versuchte durch alle meine Verbindungen das Geschehene rückgängig zu machen – vergebens! er weigerte sich, seinen Dienst zu verlassen oder zu vertauschen, ja, ich vermochte ihn nicht einmal dazu, die Strapazen, die seinen jungen Körper aufreiben müssen, sich zu erleichtern. So folgte ich, von Angst getrieben, schon von Kiew den Märschen seines Bataillons."
"Und nun?"
"Gott selbst hat entschieden! Das Bataillon, zu dem er gehört, ist durch seinen Ratschluss in diesem Augenblick wahrscheinlich vertilgt aus der Reihe der Bestehenden – er vielleicht das einzige Leben, das von tausend mit Ihrer Hilfe gerettet ist durch mich. Seine Pflicht gegen den Kaiser und sein Vaterland ist erfüllt, sein neues Leben gehört mir, seinem Retter und einzigen Verwandten. Ich werde ihn mit fortnehmen aus diesem land, wo der Mensch nur die Zahl ist in den Augen seines Herrn, und ihn, fern von hier, nach einem ruhigern führen, wo meine letzten Tage seinem Glück geweiht sein und ihn Besseres kennen lehren sollen, als die Opferung für Zwingherrschaft und Tyrannei."
"Aber Wanda, Ihre Nichte?"
"Sie lieben sie?"
Eine dunkle Glut überzog das edle Gesicht des jungen Tschetschenzen. – "Warum soll ich leugnen, wessen ich mich nie zu schämen brauche? Es wird das Glück meines Lebens sein, dass ich nur einen Dienst ihren Freunden zu leisten hoffen durfte und jetzt sie selbst auslösen kann aus der Gewalt Derer, die für sie Fremde und Barbaren sind. Ehe der Mond noch ein Mal seinen Kreislauf vollendet, wird Gräfin Wanda in den Armen der Ihren sein."
"Und verloren für Dich, Tor," sagte der Greis hastig. "Halte fest, was das Glück Dir bescheert, Du bist würdig, sie zu besitzen."
Djemala-Din sah ihm erstaunt, bestürzt in's funkelnde Auge. "Warum wollen Sie eine Hoffnung wekken, die nie verwirklicht werden kann?"
"So liegt es an Dir allein, Mann! Keinem möchte ich Wanda lieber gönnen, als Dir, dem künftigen Führer eines freien und edlen Volkes, das Polen mit Strömen von Blut und unvergänglichem Hass rächt an den stolzen Unterdrückern, das allein Russland's Macht bisher widerstanden hat. Nimm sie hin, die Tochter Polens, die Du Dir gerettet unter dem Mordmesser der Raubgesellen und die Dich liebt mit allem Feuer ihrer edlen Seele. Wanda denkt zu gross und hochherzig, um nicht dem mann ihrer Liebe zu folgen auch über die grenzen der hohlen zivilisation, und an ihrem Geist, ihrem Heldenfeuer und freien Sinn wird Deine eigene Seele und Begeisterung erstarken zum Kampf für die Freiheit."
"Glänzender Traum – hoch über dem Glück der Sterblichen, wie der Adlerhorst meiner Ahnen über den