mit sich hinweggeschleppt.
Da ruhen sie in unbekanntem grab, der heldenmütige wackere Jüngling, der tapfere verdiente Offizier. Kein Denkstein, wie sie auf den Leichenfeldern vor Sebastopol an Kampf und Glorie mahnen, erinnert an sie. Die rauschenden Wellen flüstern dem britischen Knaben im kühlen, Felsengrabe den Gruss von seinem tapferen Führer auf dem kühlen grund des Meeres! – – – – – –
Wenige Worte werden genügen, die verspätete Rückkehr der Fürstin in das Schloss Aju-Dagh zu erklären. Als sie und der französische Offizier von der Begleitung der englischen Dame zu der entfernten Hütte in den Uferfelsen zurückkamen, in der aus Gründen, die wir hier noch nicht zu erwähnen haben, Iwan, der Jessaul, mit zwei Pferden harrte, fanden sie die Grotte, welche den Zugang zu der geheimen Treppe des Turmes bildete, von Leuten des wilden Haufens eingenommen, den der Graf für seine Zwecke aufgeboten. Vergebens harrten sie in einem nahen Versteck des Abzugs der Männer, aus deren Reden die Fürstin den Anschlag entnahm, welcher die Schiffbrüchigen bedrohte. Es wäre Wahnsinn gewesen, sich der Entdeckung Preis zu geben, und der französische Offizier wurde durch die sorge für seine schöne Beschützerin nun dennoch gezwungen, in der Stunde der Gefahr, die jene ihm sorgfältig verbarg, sein zu sein von seinen Unglücksgefährten. Im Schutz der Nacht wandte sich, als die Bande am Ufer von ihrem Posten nicht wich, das Paar nach dem inneren, und umging die Felsen, um auf dem gewöhnlichen Wege das Tor des Schlosses oder sonst eine Zufluchtsstätte zu erreichen. Hierbei war es, wo der französische Offizier auf das Streifcorps unter de Gazé stiess, das Mistress Duberly und der Jessaul so glücklich schon diesseits des Yaila-Gebirges gefunden. Unter dem Schutz des alten Kosacken kehrte die Fürstin zu dessen verborgenen Aufentalt zurück, während der Colonel mit den Husaren zur Befreiung der Engländer eilte.
Fussnoten
1 Führer einer kleinern Abteilung Kosacken. 2 Die Dame spricht in ihrem später veröffentlichten Tagebuch: "Journal kept durind de Russian War etc." sehr viel von ihrem Pferde, aber sehr wenig von ihrem mann!
D.V.
Während des Winters.
I. Wiederum in der Steppe.
Es war ein frosteller Nachmittag im Januar, gegen Ende des Monats, als ein Schlitten vor einer Stanzia1 auf dem Wege nach Perecop hielt, in der nämlichen Gegend, die wir im Sommer in den Gefahren des Steppenbrandes gesehen. Die unermessliche Eintönigkeit der Steppe war geblieben und schien nur die Farbe geändert zu haben. Das in Myriaden Krystallen glitzernde Eistuch des Schnees spannte sich über die weite Fläche, nur an einzelnen Punkten des Horizonts unterbrochen durch die lichten Schatten einer der aufsteigenden Moginen2. Im Schlitten, in den dunklen Bärenpelz gehüllt, sass ein junger Offizier in Ulanenuniform, seine Waffen und sein Gepäck füllten den Vorderteil, auf dessen Brett der Führer des Gespanns gesessen.
Der Wirt und Aufseher der Stanzia stand bereits an der Tür, vor der sich auch viele andere Personen versammelt hatten: Knechte, Muschiks und Tataren, darunter einige Kosacken, die hier zu Depeschendienst stationirt waren. Die Leute beeilten sich, mit der Untertänigkeit des niedern Russen gegen Jeden, der Offiziere-Uniform trägt, herbeizuspringen, die Pferde abzuschirren und dem Reisenden herauszuhelfen.
"Ich wünsche Ihnen Gesundheit, Euer Wohlgeboren," sagte der Stationsaufseher, die Pelzmütze in der Hand. "Wenn Sie weiter wollen, so muss ich Ihnen gehorsamst melden, dass keine Pferde auf der Station sind. Aber ich hoffe. Euer Gnaden werden die warme stube nicht verschmähen und einen Napf Blinh und Kascha3 oder ein Glas warmen Getränkes."
Dem jungen Offizier schien die Nachricht, dass keine Pferde zu haben seien, höchst gleichgültig, denn er kannte die auf allen Stationen sich wiederholende Ausrede, dagegen die Aussicht auf die warme stube nicht unangenehm, weil ein eisig scharfer Wind über die Steppe zog und die Kälte fortwährend zunahm. Ohne zu antworten, trat er in die Küche und durch deren erstickenden Rauch in die wohlgewärmte, für den Aufentalt der Reisenden bestimmte stube, denn das Stationshaus war auf kaiserliche Kosten erbaut und hatte die vorgeschriebenen Einrichtungen. Er setzte sich auf die Bank am Ofen, zog die Uhr und sagte einfach zu dem ihm gefolgten Aufseher:
"In einer Stunde, Brat4, lasse die Pferde auspannen. Einstweilen gieb mir, was das Haus vermag."
"Aber ich versichere Euer Wohlgeboren, es ist ein Huf im Stalle ..."
"Mir gleich. In einer Stunde! Dienst des Kaisers!" Er hielt ihm die offene Ordre entgegen.
Der Postmeister krümmte sich wie ein Wurm. – "Der heilige Michael möge mir beistehen, – wo soll ich die Pferde hernehmen? Der Dienst ist jetzt unaussprechlich schlimm seit dem Kriege. Die letzten sind heute Mittag mit dem Herrn fort, der das Bataillon begleitete."
Sein flehender blick traf auf eine sehr unempfindliche Miene; der Offizier hatte seine kleine Kabardiner Pfeife auf's Neue gefüllt und sich bereits auf die Bank gestreckt. – "Was gibt es Neues von Ssewastopol?"
"Die Heiligen mögen es schützen!" entgegnete der Wirt. "Es kam heute Morgen ein Courier hier durch, dem Sie vielleicht begegnet sind. Er ging auf der grossen Strasse nach Petersburg."
"Ich komme nicht von dort. Welche Nachrichten?"
"Schlimm genug. Die arbeiten der Feinde in den Laufgräben haben wieder begonnen und die Feinde viele Verstärkungen erhalten. General Osten-Sacken, der, wie