Soldaten und wir sind in der Klemme!"
"Halt!" schrie der Baronet. "Um des himmels willen – das sind französische Signale! ich kenne sie! Ein Hurrah, Ihr Burschen, dass sie uns hören!" Ein donnerndes "Vive l'Empereur!" antwortete dem Hurrahruf der Briten, Waffen blitzten im Feuerschein am Fuss der Felsen, Reiter sprengten den Pfad herauf, französische Husaren – ein Offizier an ihrer Spitze, neben ihm Colonel de Méricourt!
Ein Jubelruf begrüsste die Ansprengenden. – "Das ist brav, Herr, dass Sie uns nicht verlassen, wie wir gefürchtet," sagte der Schiffslieutenant, dem Vicomte die Hand reichend. – "Wie war es Ihnen möglich, die Hilfe zu finden?"
"Wir haben keinen Augenblick zu verlieren, Herr Kamerad," sagte der Kommandant der Husaren auf Englisch. "Sammeln Sie schnell Ihre Leute und führen Sie sie den Weg hinunter in den Schutz meiner Escadron. Wir müssen auf der Stelle fort, denn wir haben sichere Nachricht, dass russische Truppen noch vor Tagesanbruch hier sein werden. – Sacristi! was ist das?" – Er sprengte nach dem haus, aus dem mehrere englische Matrosen eine Dame schleppten, die in kreischenden Tönen um Hilfe rief und in französischer Sprache beteuerte, dass sie keine Russin sei. "Lasst die Frau los, Männer, und macht, dass Ihr fort kommt! Parbleu, täuschen mich meine Augen oder ist dies Madame Celeste?"
"Himmel! Alfred de Sazé! Ich beschwöre Sie, Marquis, nehmen Sie mich unter Ihren Schutz!" – Der Offizier war galant vom Pferde gesprungen und erkundigte sich, wie die ehemalige Geliebte, die seine Verführung zur Lorette gemacht, in das Felsenschloss an der Yaila geraten, als der Vicomte ihn auf die drohende Gefahr aufmerksam machte, und wie jeder Augenblick Zögerung Alles verderben könnte. – "Eh bien," sagte der leichterzige Franzose, "wir wollen den Russen eine doppelte Niederlage beibringen. Wollen Sie Ihren russischen Liebhaber aufgeben, Madame, und mit uns kommen, so verspreche ich Ihnen ein Lagerleben, so gut es sich haben lässt. Es fehlt uns teufelsmässig an schönen Frauen!" – Celeste reichte ihm die Hand. "Ah bas! Wenn wir uns vertragen wollen – ich bin der vergoldeten Gefangenschaft bei diesen Barbaren herzlich müde!" – Der Offizier gab ihr den Bügel und schwang sie vor sich in den Sattel. – "Wohlan, das nenne ich mir einen glücklichen Streifzug, und nun, Messieurs so rasch als möglich auf und davon, Jeder, so gut er kann!" Der Trompeter blies, der Colonel, Hunter und de Sazé trieben, so rasch es ging, die Leute vor sich her, dem Tor und dem Felsenwege zu, während von drüben her einzelne Schüsse der wütenden Gegner herüber knallten; – mit Kummer und Schmerz schaute der deutsche Arzt nach dem Felsenplateau des alten Schlosses, wo das Gewühl der Feinde die Gestalt des heldenmütigen Mädchens ihm verbarg, und schwankte, ob er bleiben oder fliehen sollte, dann trieb der Zuruf des Vicomte und das Gedränge ihn hinab und nur die düstre Flamme allein, die in den Nachtimmel emporloderte, belebte noch, sich rasch verbreitend, die Stätte, während unten im dunklen Tal die Signale schmetterten und die Colonne sich eilig in Marsch setzte, verfolgt von den Flüchen der Russen, die nicht wagen konnten mit dem feindlichen Detachement sich zu messen. – – ––––––––––––––––––––––––––––
Am Vormittag, der der Nacht des Ueberfalls folgte, hatte Schloss Aju ein sehr verändertes Aussehen. Eine Ssotnie Kosacken war in der ersten Morgendämmerung eingetroffen und von dem Grafen sofort zum grössten teil zur Verfolgung des feindlichen Streifcorps abgesandt, das so glücklich für die Schiffbrüchigen seinen Zug bis über das Yaila-Gebirge ausgedehnt hatte; bald darauf eine Compagnie russischer Jäger und diese hielt jetzt das Schloss und die Küste besetzt.
Drüben auf dem nachbarlichen Felsenplateau dampften noch die Ruinen der Villa, die der Brand ganz in Asche gelegt. Die Spuren des nächtlichen Kampfes zeigten sich noch auf verschiedenen Stellen, aber die Leichen waren bei Seite geschafft. Aus der Flurhalle im Erdgeschoss des Turmes schallte ein leiser monotoner Gesang, die Todtenklage der Krieger der Steppe um die vier gefallenen jungen Landsleute, deren Leichen sie hier gefunden und auf dem Steinflur der Halle neben einander gelegt hatten, von Leichtern umstellt.
Auf der untersten Stufe der breiten Steintreppe sass Nursädih, das schwarze Mädchen, das Haupt des schwer verwundeten Bruders in ihrem Schooss und jede Pflege ihm widmend, die sie ihm gewähren konnte. Mit den Stücken ihres zerrissenen Yaschmals hatte sie seine Wunden verbunden, Niemand leistete ihr Hilfe, Niemand kümmerte sich auch um sie, als das tatarische Mädchen, das mitleidig ihr wasser gebracht.
Der Graf schritt finster und unruhig mit dem kapitän der Jäger im Hofraum auf und ab, diesem seine Dienstanordnungen erteilend. Er schien mit sich selbst zu grollen über die nächtliche Tat und vermied so viel, als möglich davon zu sprechen. Das Verschwinden der Fürstin hatte ihn nicht weniger beunruhigt, denn die sorgfältigste Nachforschung in dem ganzen Gebäude hatte keine Spur von ihr gegeben und das Rätsel, wie der französische Offizier entkommen und zu der raschen Hilfe gelangt, blieb ungelöst. Die Flucht der Französin war ihm gleichgültig.
Plötzlich erhoben sich am Tor streitende Stimmen, wie als wollten sie Jemand am Eintritt hindern. Dann kam durch die Pforte ruhig und ernst auf seinem kleinen Steppenpferde Iwan, der greise Jessaul, und blieb erst