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die Gemächer der Herrin verlassen!" – Der Graf lächelte grimmig mit der Gewissheit des Triumphes: "Dann sind sie mein! Folgt mir und besetzt alle Ausgänge und Verbindungstüren!" – Er sprang die Treppe hinan und wollte die Gemächer der Fürstin betreten, als vier Lanzen sich ihm und dem mordlustigen Haufen entgegen kreuzten. Die vier jungen Kosacken, Iwan's Enkel, hielten treu an ihrer Wache. "Zurück, Gospodin, hier darf Niemand passiren!" – "Seid Ihr toll? Seht Ihr nicht, wer ich bin? Fort mit Euch!" – "Wir dürfen nicht, Gospodin! Nur die Fürstin darf uns fortschicken!" – "Hundssöhne, so habt, was Ihr wollt!" – Er feuerte die Pistole aus Wanka ab und der junge Mann stürzte zusammen. "Wollt Ihr gehorchen, Tölpel!?" – "Wir dürfen nicht, Herr, es ist unser Posten!" – Der starre russische Gehorsam liess sie nicht weichen von ihrer Pflicht, ohne dass sie doch den Angriff erwiderten. – "So nehmt, was Ihr verdient! Euer Blut komme über Euch! Nieder mit ihnen!" – Du wilde Haufe stürzte sich über sie und die drei Kosacken fielen auf der Schwelle, die sie mit ihrem Leben verteidigt. Die Tür war nicht verriegelt, wer auch hätte es gewagt, die Zimmer der Herrin zu betreten und dem Verbot zu trotzen, als die Flut der Empörung wilder Leidenschaften? – "Bleibt zurück und haltet Wache, dass Niemand entrinne!" befahl der Graf und klopfte an die innere Tür. "Es gilt Ihre eigene Rettung. Fürstin Iwanownageben Sie die Gefangenen heraus!" – Keine Antwort erfolgte. – aus dem hof herauf tönte allein das Geschrei des wilden Kampfes.

"Ich beschwöre Sie, Fürstin, zu öffnen! Diese Rasenden lassen sich nicht bändigen!" – Wieder keine Antwort. Höhnisch und bedeutsam winkte der Graf seinem Haufen nach der Tür. Im Nu war diese gesprengt, aber selbst die wilde mordlustige Bande wagte nur mit Scheu über die Schwelle zu dringen. Vor einem Betpult kniete die Gestalt der Fürstin, schluchzend, die hände ringend: – sie war allein.

Der Graf nahte ihr zögernd. – "Ich vermochte diese Schreckliche nicht zu wenden, Fürstin, die Volkswut ist entflammt durch den Schutz, den Sie den Feinden gewährt. Ich beschwöre Sie, um unserer eigenen Rettung willen, geben Sie die Versteckten heraus und Niemand wird wagen, Sie zu beleidigen. Mein Leben bürgt für Ihre Sicherheit?" – Er beugte sich zu ihr und versuchte sie aufzurichtenplötzlich fuhr er zurück und riss die Knieende dann mit rauher Faust empor. – "Höllischer Betrugdas ist die Fürstin Oczakoff nicht!" – Seine Hand entfernte roh die verhüllenden Schleierein bleiches angsterfülltes Gesicht zeigte sich seinen Blicken, nicht die stolzen Züge Iwanowna's.

"Was bedeutet der Betrug? Wo ist die Fürstin? – sprich, Unglückliche!" – Annuschka, die treue Dienerin, in der Fürstin Gewändern, rang die hände, doch kein laut des Verrats kam über ihre Lippen! – "Rede, Dirne, oder Du bist des Todes!" – Er schlug sie mit der geballten Faust in das Gesicht, dass das Blut ihr hervordrang und die Unglückliche auf den Boden stürzte. Schaum der Wut stand dem Offizier vor dem Mund, als er sich so getäuscht sah. – "Sie sind verborgen! Hundert Rubel dem, der ihre Spur findet! Durchsucht jeden Stein des Hauses!"

Ein wilder Hurrahruf unterbrach seine Befehledas war nicht das Siegesgeschrei der Seinen. – "Old England for ever!" donnerte es durch die Nacht, das Kampfgewühl schien nicht mehr in Hofüber die Körper der treuen Wächter hinweg sprang er die Treppe hinunter: die kleine Schaar der Engländer hatte sich durchgeschlagen und den unbesetzten Ausgang zur Villa erreicht, sie kämpfte an der schwanken brücke, die schon ein teil überschritten. Drüben am Felsenrand kommandirte der britische Lieutenant ruhig und fest wie im tobenden Seesturm, und der Andrang der rasenden Barbaren, die als blutige Mordtrophäen die Köpfe des Midshipmans und des Capitains auf ihren Piken trugen, brach sich an dem unerschütterlichen Mut und der Körperhaft der Matrosen. Einer der Letzten der kühnen Verteidiger war Jussuf, der Mohr.

"Brecht das Gebälk ab, Jungens!" scholl die klare stimme Hunter's. "Besetzen Sie das Haus, Maubridge. Teufelda haben die Burschen ein Gebäude bereits in Flammen gesteckt. Nieder mit der brücke, Keane, es wird uns Zeit schaffen zu unserer Verteidigung."

In dem Augenblick, als der Mohr, der Letzte vor der brücke unter den Hieben der wilden Feinde zusammensank, riss sich aus den Armen des deutschen Arztes im Haufen der Engländer mit gellendem Wehgeschrei die schwarze Sclavin, seine doppelte Retterin, los und stürzte durch die erhobenen Waffen hinüber nach dem jenseitigen Felsen und warf sich auf den Körper des Bruders. Die aussergewöhnliche Tat hielt selbst die erhobene Hand der blutigen Männer zurück, die überdies glaubten, das Weib gehöre zur Dienerschaft des Schlosses, und ihre Aufmerksamkeit wurde zugleich anders gefesselt, denn dicht hinter dem Mädchen stürzte das leichte Gebälk der Verbindung in den Abgrund.

Aus dem Tal aber schmetterten Trompeten, Fanfaren, während der Feuerschein des brennenden Seitengebäudes die Scene ringsum beleuchtete. – "God damn! unsere Arbeit ist umsonst," rief der Lieutenant "da kommen die russischen