haben, um uns einen Angriff abzuwehren."
"Ich wünschte," brummte der Hochbootsmann, "wir wären heute Morgen aufgebrochen – wir haben zu viel Zeit verloren."
"Sie wissen, Keane, dass es unmöglich war; wir waren zu erschöpft und unfähig zu einem Entschluss."
"Ist es möglich gewesen, einige Waffen zusammenzubringen?"
"Den Teufel auch! – einige Beile und ein alter Spiess – weiter Nichts! ich habe schon alle Tischmesser in Beschlag genommen. Der Kerl von Schlossverwalter oder was er vorstellt, versteht mich nicht oder will mich nicht verstehen."
"Lady Duberly," sagte Hunter, "hat es übernommen, der Fürstin unseren Entschluss mitzuteilen und sie um Waffen zu bitten; aber sie scheint sich dort so wohl zu befinden, wie der Franzose, dass Beide das wiederkommen vergessen haben."
"Wir wollen nach ihnen schicken," sagte der Hochbootsmann.
"Ich habe es bereits getan, aber die vier Kosakken, die an der Treppe Wache halten, weigern sich, Jemand hinauf zu lassen, und der Kastellan erklärt in den paar Worten Französisch, die wir Beide verstehen, dass die Fürstin verboten, sie zu stören."
"Wenn es sich bloss darum handelt, uns zu bewaffnen," sagte der Midshipman Gosset, dessen Ansprüche die Erinnerung an die überstandenen Gefahren nicht wenig vermehrt hatten; "ich weiss deren genug zu finden!"
"Wo, Bursche? hast Du spionirt?"
"In dem Gewölbe über dem Tor sind alte Waffen genug, es scheint eine alte Rüstkammer aus wer weiss welcher Zeit. Ich sah's heute Morgen durch das Schlüsselloch und auch Gewehre darin, als ich in den Gängen umherstrich."
"Ei, so nehmen wir sie mit Gewalt morgen, wenn man sie uns verweigert," sagte heftig der Baronet, dessen Lebensgeister die Spannung ihrer gefährlichen Lage auf's Neue geweckt zu haben schien. "Auch was an Pferden sich vorfindet."
"Aber das wäre Raub und eine schlechte Vergeltung für die uns gewordene Aufnahme," meinte edelmütig Frank. "Der französische Colonel versprach ausdrücklich heute Morgen der Fürstin, dass wir uns ihrem Willen unterwerfen würden!"
"Gott verdamm' mich, Master Frank, wenn ich's tue," murrte Keane. "Was geht uns des Franzosen Versprechen an? Es ist ein Unglück, dass wir die Kerle bei uns gehabt."
"kapitän Warburne würde anders über sein Wort denken," sagte der Midshipman trotzig.
Die Erinnerung an den braven kapitän, der so mutig für ihre Rettung in den Tod gegangen, berührte Alle tief und einige Augenblicke wagte Niemand, dem Einwurf des Midshipman zu begegnen. Dann aber sagte Hunter entschlossen: "Wir Alle haben gehört, wie die Herrin dieses Schlosses uns erklärt hat, dass sie uns vorläufig nicht als Gefangene betrachten könne und die Bestimmung darüber dem russischen Oberbefehlshaber überlassen wolle. Niemand kann es uns verdenken, wenn wir einen Versuch machen, der Gefangenschaft zu entgehen, und wir können dabei nicht allzu krittlich sein. Weigert man uns Waffen, so müssen wir nehmen, was wir bekommen können. Morgen machen wir den Versuch, und bis dahin mag Jeder sich Ruhe gönnen. Ich gesteh', ich brauche sie selbst. Sind die Männer, die wir zur Vorsorge am Tor postirt, an ihren Stellen?"
"Die Zugbrücke ist aufgezogen, an jedem Eingang Einer von unsern Leuten," berichtete Frank. "Ich überzeugte mich, eh' ich hierher kam."
"Wer von Ihnen Beiden wird die erste Wache halten? Clinton oder Sie? denn ich und Gosset taten es in voriger Nacht."
"Ich denke," meinte der Hochbootsmann, "Master Frank übernimmt die erste Nachtwache und weckt mich dann."
"Gut, so sei es! Und jetzt legt Euch nieder, Männer, und Sie, Frank, halten Sie die Leute auf den Posten wach. Kommen Sie, Sir Edward."
Während der Lieutenant, nachdem so alle ihm möglichen Vorsichtsmassregeln getroffen waren, sich nach einem anstossenden Gemach begab, wo das Lager für ihn aufgeschlagen, blieb Gosset noch einige Augenblicke bei seinem Kameraden. "Ich hoffe, Frank, Du wirst kein Narr sein und Schiffsdienst tun," sagte er leichterzig. "Ich habe die ganze Morgenwache geschlafen, bis Clinton mit einem Fusstritt mich weckte, der grobe Halunke. Es hat nicht die geringste Gefahr und ist eine Bosheit von Hunter, dass wir uns den Schlaf selbst am land entziehen sollen. Gute Nacht, Frank!"
"Schlaf wohl, Gosset!"
Sie schüttelten sich die hände.
An der Tür des Gemachs, das den Offizieren angewiesen war, blieb der Baronet, wie von einer plötzlichen Anregung ergriffen, stehen und kehrte zu seinem Bruder zurück.
"Höre, Frank," sagte er, "Du hast nur wenige Stunden geschlafen und bedarfst der Ruhe. Lege Dich nieder, ich werde die Wache für Dich übernehmen."
Die ziemlich seltene Freundlichkeit und Beachtung des älteren Bruders rührte das Herz des jungen Mannes. "Ich danke Dir, Edward," sagte er innig, "aber ich würde einen schlechten Offizier abgeben, wenn ich meinen Posten einem Andern anvertrauen wollte. Du selbst bist noch immer leidend und würdest Dich kränker machen. Lass mir die Freude, Deinen Schlaf zu bewachen."
Der ältere Maubridge fasste mit der Hand nach der kranken Brust, die ein trockener