selbst auf der andern Seite hinan, nur von Michael, dem Tabuntschik, und der Pariserin begleitet.
An dem Feuer, das die Fregatte in die Bucht gelockt, das so vielen Tapferen das Leben gekostet, blieben nur einige in Hütten zerstreut umher wohnende Eingeborene zurück, um das entfernte Wrack mit gierigen Blicken zu überwachen, und zu erwarten, was der finstere Wellengott bei seiner Zertrümmerung an die Küste führen würde. ––––––––––––––––––––––––––––
Der Sturm hatte ausgetobt, nur die Trümmer, welche rings die Brandung an's Ufer geworfen, und ein teil des noch immer zwischen den Felsen festgeklemmten Vorderkastells der einst so stattlichen Fregatte zeigte von den Verheerungen, die er angerichtet. An der ganzen Küste entlang hatte er mit gleicher Heftigkeit gewütet, so dass die ältesten Leute sich nicht eines ähnlichen erinnern konnten. Die Ufer der Krimm waren mit den Trümmern zu grund gegangener feindlicher Schiffe bedeckt. Bei Eupatoria waren zwei Linienschiffe, darunter der "Heinrich IV.", zwei Dampfer und dreizehn kleinere Schiffe gestrandet; bei Sebastopol vierzehn und ausserdem mehrere bei Balaclawa und an den Felsenküsten der Ostseite. Aehnlich war die Verheerung im Lager der Alliirten; die Zelte waren umgestürzt, die Hütten zerstört worden, eine allgemeine Verwirrung und Betäubung herrschte und die französische Armee dachte bereits an jene Schrekken der natur, die vor zweiundvierzig Jahren so furchtbar für Russland aufgetreten waren.
Der Sturm hatte sich zwar in der Nacht gänzlich gelegt, aber ein unfreundliches Wetter war eingetreten und der Winter hatte begonnen. Es schneite und regnete fortwährend. Im schloss Aju waren die Schiffbrüchigen, so gut es ging, untergebracht und Alles war zu ihrer Verpflegung und Unterstützung getan, wie die Herrin befohlen. Im Uebrigen aber zeigten die Diener und Eingeborenen eher mürrischen Groll über den Zwang, dem sie sich beugen mussten, als Teilnahme, und mancher blick des Nationalhasses ward getauscht, als die Erschöpften erst sich wieder zu fühlen begannen.
Die britischen Matrosen und Soldaten, die von der Fregatte gerettet worden, standen während des Tages in einzelnen Gruppen in den Hallen und dem hof des Schlosses umher, betrachteten mit Missmut die hohen Mauern und die aufgezogene Zugbrücke und besprachen mit einander ihr Schicksal. Es war offenbar, dass, wenn sie irgend das Land gekannt und gewusst hätten, wohin sie sich wenden sollten, sie den Versuch gemacht haben würden, das Lager der Alliirten zu erreichen. Dasselbe Tema wurde mehrfach in dem grossen Gemach abgehandelt, in dem die Offiziere ihren Platz und reichliche Brwirtung gefunden hatten. Bei aller Güte, welche die schöne Herrin des Schlosses für sie bewies, konnten sie sich doch nicht verhehlen, dass sie so gut wie Gefangene waren, und die Nachricht, dass vielleicht schon am andern, jedenfalls zweitfolgenden Tage ein russisches Detaschement erwartet wurde, machte dies los gewiss. Das Schicksal der Besatzung des Tiger bei der Strandung am Ufer von Odessa war unzweifelhaft auch das ihre, und wahrscheinlich ein härteres und mit grösseren Unannehmlichkeiten verbunden, da seitdem durch die Belagerung Sebastopols die Erbitterung unter den Russen bedeutend gestiegen war.
Auch die Fürstin empfand das Schwierige ihrer Lage. Sie hatte am Morgen einen der Kosacken mit der Anzeige des Strandens der Fregatte in das Hauptquartier nach Baktschiserai geschickt, doch wusste sie, dass die Truppen von Kaffa und Symferopol, welche dem Obersten untergeordnet worden, eher eintreffen mussten, als die Bestimmung des General-Gouverneurs, und dass Graf Wossilkowitsch dann das Recht und die Mittel in Händen hatte, seinen Absichten Gehorsam zu erzwingen. Der Verkehr zwischen dem alten und neuen Schloss schien während des Tages ganz abgebrochen, doch hatte sie teils selbst bemerkt, teils war ihr von Sergei und der tatarischen Zofe berichtet worden, dass drüben grosse Tätigkeit zu herrschen schien. Boten hatten zu Pferde das Tor der Villa verlassen und die Richtung nach Yalta und Alushta eingeschlagen. Eine neue Gefahr drohte von anderer Seite. Der Schiffbruch hatte, sobald sich die Nachricht verbreitete, eine Menge Bewohner der Gegend herbeigezogen, Fischer, Tataren, Leibeigene anderer Grundherren und eine der zahlreichen Zigeunerhorden, wie sie umherziehend einen teil der Bevölkerung der Krimm bilden. Wohl an zweihundert wilde, ihrer Botmässigkeit, die sich auf das kleine Gebiet des Schlosses erstreckte, nicht untertane Männer lagerten, der Witterung trotzend, am Meeresstrand und teilten sich in die Beute, die teils das Meer an's Ufer geworfen, teils sie selbst aus dem Wrack plündernd geholt hatten. In Allen lebte offenbar Hass gegen die geretteten Feinde, durch die grausame Plünderungen, welche kurz vorher englische Schiffe an der unbeschützten Küste verübt hatten, zur grimmen blutdürstigen Erbitterung gesteigert. Der alte Tabuntschik ging wiederholt unter ihnen umher, und schien die Leute zu einem unbekannten Unternehmen anzuspornen und zu bereden, wie die häufig nach dem Schloss gerichteten Geberden bewiesen. Die Fürstin hatte daher strengen Befehl gegeben, alle Ausgänge des Schlosses sorgfältig zu schliessen, und die gefährdeten nach der Terrasse hin zu verrammeln, so dass kein Ueberfall zu besorgen war. Am Vormittag hatte sie die Vornehmeren der Geretteten und die englische Dame empfangen, der sie Kleider und Wäsche gesandt und jede Höflichkeit erzeigt hatte, die ihr Geschlecht forderte. Seitdem hatte die Fürstin vermieden, mit den männlichen Gästen zusammenzutreffen – sie fürchtete, i h n wieder zu sehen. Die Lady war bei ihr geblieben.
Es war am Nachmittag, als der Colonel in einem kleinen gewölbten Gemach am Lager seines verwundeten Kameraden sass, an dem er den Arzt abgelöst. Doctor Welland hatte die Nacht und den Vormittag bei dem Patienten zugebracht, der im wilden Fieberwahnsinn ras'te, bald