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eingetreten, deren wir bereits bei den Scenen am land erwähnt haben, und die Mannschaft stand, nachdem alles Mögliche geschehen war, um die Fregatte vom land abzurichten, in Gruppen auf den Decks umher, während die Offiziere auf dem Hintercastell bald die Wolken, bald die versuchsweise aufgesetzten Seegel beobachteten.

Auf der Bank am Lee sassen die beiden Franzosen, Méricourt, noch den linken Arm in einer leichten Binde tragend, und kapitän Depuis, und sprachen mit Welland und dem Schiffsarzt, die sich an den Wandungen festielten. Näher dem Steuer, wo kapitän Warburne mit dem ersten Lieutenant stand, klammerte sich an die Gallerie eine hagere, krankhafte Gestalt, der selbst in diesen Stunden der Gefahr die französischen Offiziere ganz unverholen ihren Widerwillen und ihre Missachtung zeigten: Edward Maubridge, der Baronet. Erst als das Schiff bereits unter Seegel war, hatten sie erfahren, dass er, krank und leidend, noch immer ein Gast auf dem Fahrzeug seines alten Freundes war, der ihn nach jener Mordnacht in Varna an seinen Bord hatte bringen lassen, um ihm dort eine Pflege zu widmen, die er in einem Lazaret oder unter Fremden nicht gefunden hätte. Ein hohler trockener Husten erschütterte von Zeit zu Zeit den siechen Leib und zeigte, dass der Dolch des Griechen edle Teile getroffen hatte. Trotz der Mahnungen des Arztes und des Capitains war der Baronet auf Deck gekommen und weigerte sich, es zu verlassen, obschon seine Kraft ihn kaum gegen den Wind aufrecht erhalten konnte und die Sturzseen, die über das Verdeck schlugen, wenn das Schiff in eine tiefe Höhlung der Wogen sank, ihn bis auf die Haut durchnässten.

Auf allen Gesichtern lag Ernst und Besorgniss, denn die Gefahr, in welcher das Schiff schwebte, war selbst den Laien bekannt, und der finstere blick des alten Capitains kündete neues Unheil.

"Der Fockmast trägt die Seegel kaum länger, kapitän Warburne," sagte der erste Lieutenant, indem er unruhig nach diesen schaute. "Die Stengen biegen sich wie die Peitschenstiele und die Wanten sind wie Eisen gespannt. Lassen Sie uns wenigstens das Vormars- und das Vorbram-Seegel einziehen."

Der kapitän wies statt aller Antwort nach Südosten, wo schwärzer und schwärzer die dunkle Wand zugleich mit den Schatten des Abends heraufstieg.

"Ich sehe das Alles, Sir," sagte ehrerbietig der Lieutenant, "aber die Gefahr, dass der Mast über Bord geht, ist uns näher."

"Es ist unmöglich, Sir, dass wir die hintern Seegel benutzen können. Der alte Bau liegt so schwer im wasser und die Wellen auf diesem verteufelten Meer sind so kurz und schnell hintereinander, dass wir nur mit dem Fock uns einigermassen stetig halten können. Wie hoch schätzen Sie die Entfernung jetzt vom land?"

Der Offizier sah prüfend nach der Küste hinüber, die im zunehmenden Dunkel zu verschwinden begann. – "Wir hatten um Mittag vier Seemeilen und werden vielleicht eine gewonnen haben."

"Ich fürchte," flüsterte der kapitän, "das Schlimmste kommt erst nach. Wenn wir an einer befreundeten Küste wären und Warnungsfeuer uns die Richtung angeben würden, könnten wir entkommen. Indess, wir müssen das Möglichste tun. Lassen Sie Adams das grosse Seegel bereit halten, Master Price, damit, wenn Gefahr ist, es im Augenblick gehisst sein kann."

"Ja, ja, Sir!" – Der Befehl lief weiter nach dem grossen Deck. Price, der Schiffer, ging selbst nach dem Fuss des grossen Mastes, um die Anstalten zu beaufsichtigen.

"Hast Du das schwarze Frauenzimmer bemerkt, Frank," fragte der Midshipman Gosset seinen älteren Kameraden, "die durchaus nicht hinunter wollte, als die Lukenklappe wieder geschlossen wurde? Ich glaube, sie ist verliebt in einen von uns und voll zärtlicher Besorgniss, dass uns eine dieser Wellen über Bord spielen möchte."

"Ich glaube eher in den kapitän oder Master Hunter, denn ihre Augen waren fortwährend nach dem Hinterdeck gerichtet, als ob das Ersaufen für sie keine Gefahr hätte. Der grosse Mohr, der den französischen Offizier bedient, ist ihr Bruder."

"Der Teufel hole die Weiber und die Franken! Es ist ein Unglück, dass wir sie an Bord haben."

Der Hochbootsmann ging eben vorüber. – "Wenn Sie je ein wahres Wort gesagt haben, Master Gosset, und das ist bei Ihnen eine seltene Sache, so war's in diesem Augenblick. Es ist Freitag heute, denken Sie daran."

"Aufgepasst auf Ihren Dienst, Ihr Herren," sagte der dritte Lieutenant, nach vorn kommend. "geben Sie dem Klüver etwas mehr Luft, Clinton!" – – –

"Ich wünschte, College," sagte Welland zu Duncombe, dem Wundarzt der Fregatte, "Sie könnten den Mann dort bewegen, das Deck zu verlassen. Dieses Peitschen des Novembersturmes ist Gift für seine Brust. Ich habe, Gott weiss, keine ursache, ihm Gutes zu erweisen, aber meine Pflicht als Arzt fordert, dass ich es sage."

"Er ist ein so eigensinniger Bursche, dass jede Mühe vergeblich ist. Ich habe bereits bei der Abfahrt aus dem Bosporus bemerkt, dass Sie ihn mieden, und mir ist es vorgekommen, als hätte ich Ihr Gesicht bereits früher mit ihm in Verbindung gesehen, nur weiss ich nicht gleich wie und wo."

"Der Sturm erhebt sich auf's Neue," sagte kapitän Depuis; "es ist so finster, dass