wollen Sie wirklich fort?"
"Nach dem Diner und einer kurzen Ruhe. Ich werde jedoch nur zwei meiner Kosacken mitnehmen und lasse die Andern meiner Schwester zurück, um ihre Anstalten zu treffen. In drei Tagen bin ich von Kertsch zurück und bitte Sie, bis dahin die Fürstin in Schutz zu nehmen und mir jetzt zu erlauben, Madame Bibesco zu ihr zu führen."
Es war dem Oberst lieb, dass der Fürst selbst auf diesen Besuch zurückkam, und er beeilte sich, die Dame zu holen.
Kaum hatte er das Zimmer verlassen, als der junge Fürst schwer aufatmete, wie nach einem harten Kampf, und die Hand auf die Brust presste. "Es ist gelungen," sagte er leise, "und jeder Argwohn beseitigt. Ich war ein Tor, dass ich ihn hierher führte; denn was bis jetzt getan ist, ist Spiel gegen das, was mir zu tun bleibt. Aber es war das einzige Mittel, zu ihrem Umgang zu kommen und die Spur zu verfolgen. Jetzt also – an sie!" Er hörte die Nahenden und ging ihnen entgegen.
Die ehemalige Lorette, die der Graf jetzt herein führte, war, trotz aller Anstrengung, es zu verbergen, dem jungen mann gegenüber verlegen und aufgeregt. Mit dem feinsten Takt und grosser Artigkeit jedoch verstand er, ihre Verlegenheit zu negligiren, wiederholte die Entschuldigung der bisherigen Zurückhaltung der Fürstin und seine Einladung, die von der Dame mit einem bezeichnenden blick angenommen wurde.
Der Regen, der bisher in einzelnen Intervallen fiel, hatte aufgehört, desto fürchterlicher jedoch tobte der Sturm. Während die Französin sich in Mantel und Capuchon hüllte und der Graf ihr dabei half, wiederholte er leise die Mahnung: genau auf Alles zu merken.
Der Fürst bot der Dame den Arm. – "Wir wollen über die brücke gehen, statt des langen Weges durch die Tore."
"Ist es nicht gefährlich?"
"Ich bürge dafür." – Mit dem Versprechen, vor seiner Weiterreise den Obersten noch zu besuchen, führte er sie fort.
Als das Paar aus der Villa und auf das Plateau trat, fühlte es die ganze Macht des Sturmes, der sich mit jedem Augenblick mehr und mehr zum Orkan gestaltete. Bleigrau und schwer hingen die Wolken fast auf den Spitzen der Felsen von weissen, lichten Nebeln durchzogen. Das Meer wühlte zu ihren Füssen in bergetiefen Schlünden, schwarz und undurchsichtig, bis es, an den Klippen emporschäumend, in weissem Gischt und Millionen Tropfen sich löste.
Die Französin schmiegte sich angstvoll an den Arm ihres Begleiters, während er einige Augenblicke an dem eisernen Geländer der brücke stehen blieb und auf das furchtbar schöne Schauspiel hinausblickte. Die brücke selbst schien bei dem Heulen des Sturmes unter ihren Füssen zu beben.
"Sie haben diese Fläche im Gold und Azur der Sommermorgen geschaut, schöne Frau," sagte der Offizier, "in all' der Herrlichkeit dieser lieblichen Küsten, und ahnten damals wohl schwerlich, welche Schrecken dieselbe natur bergen kann. Und dennoch hat das Menschenleben so ähnliche Wechsel; in jedem Herzen wohnt der Sturm neben dem Sonnenschein des Glücks und des Friedens."
"Ich beschwöre Sie, führen Sie mich fort, ich kann es nicht ertragen! Die Unglücklichen, die in diesem Augenblick auf dem Meere sind!"
Der Sturm verwehte die Hälfte ihrer Worte. Er führte sie rasch über die schwankende brücke und öffnete die schützende Pforte, die sich so lange vor ihr verschlossen hatte. Durch gewölbte Corridore und mehrere Gänge führte er die Dame nach jenem Erkerzimmer im Turme, in dem die Fürstin ihn erwartet hatte und wo er sie bat, auf einem Divan Platz zu nehmen.
"Bevor ich die Ehre habe, Sie der Fürstin, meiner Schwester, vorzustellen," sagte der junge Mann ehrerbietig, aber mit einer Aufregung, die der seiner schönen Gefährtin nicht nachstand, "wird es vielleicht Ihnen nicht unlieb sein, wenn wir uns verständigen."
Die Bojarin nickte hastig imb zustimmend. – "Sie wissen, dass ich Sie sogleich wiedererkannte."
"Die Umstände," fuhr der Fürst fort, und ein aufmerksamerer Beobachter als die Französin hätte bemerken können, dass er sorgfältig jedes Wort wog, "verhinderte uns beide Male an einem längeren Austausch unserer Erinnerungen."
Er schwieg. – "Als Sie mir auf dem Ball im haus des preussischen General-Consuls in Bukarest vorgestellt wurden," sagte Celeste, "begriff ich erst die Weigerung, Ihren Namen an jenem schrecklichen Abend zu nennen."
"Am 5. Juli?"
"Richtig – der Datum ist auch mir unvergesslich geblieben. Nini und ich harrten schon so lange auf Sie, um uns nach dem Mabille zu führen. Ich kann mir auch jetzt den Grund Ihrer plötzlichen Abreise deuten. Sie standen damals bei der Gesandtschaft?"
"So ist es!"
"Und auf den verfehlten Bahnzug bezogen sich wahrscheinlich damals Ihre Worte. Ich wiederhole Ihnen, Fürst, es war edel von Ihnen, dass Sie Nini's Bruder, der so unglücklich dazu kam, schonten, obschon der rohe Mensch sich an Ihnen vergriffen hatte. In der Tat, der Gedanke, sich wahnsinnig zu stellen und sich nach Bicêtre führen zu lassen, um einer Antwort überhoben zu sein, war magnifique."
Sie war im Plaudern und bemerkte die Todtenblässe des jungen Mannes nicht. – "Bicêtre – wahrhaftig – der Gedanke kam mir zufällig!" – Er schien mit Gewalt die Worte