. Die Franzosen fouragiren bereits bis an die Yaila und die Engländer werden sicher die Plünderung von Livadia und Yalta zu wiederholen suchen. Man fürchtet sogar einen Angriff auf Kaffa und Kertsch; Ihre Tätigkeit wird also hier volle gelegenheit finden, während bei uns im feld notgedrungen durch den Winter eine erzwungene Waffenruhe mit allem Elend des Leidens und der Krankheiten eintreten wird. Ich glaubte überdies, als ich Sie in Vorschlag für das Kommando brachte, Sie einer Verlegenheit in Betreff der sorge um Ihre schöne Schutzbefohlene zu enteben. Sie brauchen sich jetzt weder von ihr zu trennen, noch sie den Mühseligkeiten und Gefahren eines Feldlagers auszusetzen."
"Ich bin Ihnen in Wahrheit Dank schuldig und werde denselben beweisen durch meine besondere sorge für die Sicherheit beider Damen."
"Wie so?"
"Die Fürstin, Ihre Schwester, wird jetzt unter'm Schutz der Truppen und meiner Fürsorge weniger exponirt sein, als dies bisher der Fall war."
Der junge kapitän spielte einige Augenblicke mit dem Portefeuille in seiner Hand. "Es war dies anfänglich auch meine Absicht, Oberst," sagte er endlich leichtin, "indess Iwanowna hat mir ihren Entschluss mitgeteilt, mich bei meiner Rückkehr in drei Tagen von Kertsch nach Baktschiserai und Ssewastopol zu begleiten."
"Sie scherzen – die Fürstin in den tausend Gefahren der belagerten Stadt?" Seine blasse Stirn hatte sich dunkel gerötet über der unerwarteten Nachricht, er fühlte sich überlistet oder geschlagen.
Der Fürst hob ruhig den blick zu ihm empor. "Sie kennen den eigenwilligen Charakter meiner Schwester. Kaum selbst genesen, reisst das Beispiel der barmherzigen Schwestern, die von Kiew und Moskau im Lager eingetroffen sind, um sich der Pflege unserer Kranken und Verwundeten aufopfernd zu weihen, sie zur Nachahmung hin, und sie erklärt, dass, wenn der Platz des Bruders auf den Wällen Ssewastopols oder in den Reihen des Heeres ist, der seiner Schwester am Siechbett der tapfern Krieger sei."
"Sie wären wahnsinnig, Fürst, wenn Sie eine solche extravagante Phantasie unterstützten. Zu solchen Opfern ist das Volk da, nicht die Damen der höchsten Aristokratie. Der Typhus mit all' seinen furchtbaren gefährten wird sich bald der Armee bemächtigen, denn ich kenne unser Verpflegungssystem. Tausende werden seinem Pestauch zum Opfer fallen, abgesehen von dem hundert anderen Gefahren."
Der junge Offizier sah ihm mit stolzem Lächeln in's Auge. "Auf Ihrem Krankenlager hier, Graf," sagte er begeistert "konnten Sie freilich den Entusiasmus nicht kennen lernen, der ganz Russland für diesen heiligen Kampf bereits erfüllt. Der Kaiser sandte seine Söhne, und meine eigenen Augen haben gesehen, wie die Grossfürsten neben dem gemeinen Soldaten für das Vaterland und unseren Glauben fochten. Es war der Gehorsam im volk und seine stets willige Opferung, mit der wir an der Donan kämpften, jetzt aber ist der Russe in seinem eigenen land angegriffen und das Jahrhundert hat bereits gezeigt, was er dann zu tun vermag. Die Kaiserin selbst beschäftigt sich mit der sorge für die Verwundeten. Die Druschinen der Reichswehr sollen aufgeboten werden und bereiten sich durch das ganze Reich, der Bauer, der Leibeigene verlässt Pflug und Hütte und heftet das weisse Kreuz auf Hut und Kutka. Der Edelmann bietet sein Blut, der Kaufmann sein Geld, fromme Frauen pilgern nach der bedrängten Stadt; – tausend Andere, die zu fern und von den Verhältnissen gebunden sind, bilden Vereine in jedem Gouvernement, in jedem Kreis, und arbeiten und sammeln Tag und Nacht für die Pflege der Kämpfer. Selbst der friedliche Menonit – erinnern Sie sich jenes sanften und mutigen Mannes, der uns durch den Steppenbrand führte? – sendet seine Erndten als Geschenk für das Heer. Und glauben Sie, dass Iwanowna Oczakoff, die so nahe der Stätte des Ruhms und der Opferung ist, zaudern würde, ihr Opfer auf den Altar des Vaterlandes zu legen und mit ihrem Beispiel voran zu gehen? – Nein, Oberst – Iwanowna ist ihre eigene Herrin und Nichts soll sie hindern, dem vaterland und der Ehre ihres Namens ihr Leben zu weihen!"
Der junge Mann war aufgesprungen und stand in erregter Haltung vor den ältern kalterzigen Mann, dessen graue Augen finster zu Boden sahen. Der Oberst fühlte, bass er, ohne sich blosszustellen, Nichts auf diesen Ausbruch der Begeisterung erwidern durfte, dennoch lag Hohn und Aerger in den tiefen Falten um seinen Mund. "In der Tat, mein junger Freund," sagte er nach einer Pause mit unverhehltem Spott, "ich hielt die Fürstin, Ihre Schwester, nicht für so begeistert in diesem Kampf und glaubte eher an gewisse Sympatieen für unsere Gegner."
Der junge Offizier schaute ihn zornig an. "Iwanowna Oczakoff ist eine Russin. Wollte Gott, jeder Russe fühlte so patriotisch wie sie!"
Der Oberst ging, unzufrieden mit sich selbst und mit der Wendung der Ereignisse, einige Male in dem Zimmer auf und ab. Sein Misstrauen liess neue Zweifel in ihm emporsteigen, und um Zeit zur überlegung und zu weiteren Plänen zu gewinnen, richtete er das Gespräch auf einen anderen Punkt. "Die Ordre besagt, bass mit dem Eintreffen der Truppen meine Function beginnt."
"Die Befehle zum Marsch sind zugleich mit mir abgegangen, Sie können sie also in zwei bis drei Tagen erwarten: zwei Compagnieen Jäger, eine halbe donische Batterie und zwei Sotnien Kosacken. Eine derselben wird vielleicht schon in Alushta eingetroffen sein, und wenn Sie Befehle mitzugeben haben, werde ich sie überbringen."
"So