fügen verstehen."
"Sie sind allzugütig, Graf," meinte die Französin höhnisch. "Darf ich fragen, was dieser Wille befiehlt und wohin diese Absichten gehen?"
"Es war von vorn herein auffallend," sagte der Oberst, "dass der Fürst keinen Anstand genommen hat, uns hierher einzuladen, obschon ihm unser verhältnis klar sein musste."
Die Bojarin errötete lebhaft.
"Ich sollte doch meinen, man ist bei Ihnen in Russland nicht allzu prüde."
"Da haben Sie Recht, wenigstens was gewisse Angewohnheiten und Redensarten betrifft. Indess ist immer ein Unterschied und die junge Fürstin Oczakoff eine Dame, die Rücksichten verlangt. Ich weiss in der Tat nicht einmal, in welcher Form ihr Bruder. Ihre Anwesenheit dargestellt hat."
"Dieses Zweifels wird Sie der Besuch des Fürsten entledigen."
"Ich hoffe es und wünsche, wenn es irgend möglich ist, die gelegenheit zu benutzen, um Sie mit der Fürstin in Berührung zu bringen."
"Mich? – nach dieser beleidigenden Vernachlässigung?"
"Meine Liebe, vergessen Sie nicht, die Fürstin ist eine geborene vornehme Dame und Sie – –"
"Ich bin die Frau des Bojaren Bibesco, als solche haben Sie mich kennen gelernt und ich wüsste nicht, dass ich Sie zum Beichtvater meiner Vergangenheit gemacht hätte!" – Der scharfe entschlossene Zug um ihre Brauen prägte sich hart und tief aus.
"Erzürnen wir uns nicht auf's Neue, schöne Freundin. Herr Bibesco brachte Sie von Paris und das genügt. Beantworten Sie mir lieber die Frage, ob Ihnen das ganze Tun und Treiben der Fürstin Iwanowna nickt überhaupt etwas Seltsames, Geheimnissvolles hat, ein Rätsel, das Ihre Neugier zur Lösung herausfordert?" –
Sie kam zu seinem Divan und lehnte sich auf die Kissen. – "Sie haben Recht, Graf. Man sagt, die Fürstin soll schön sein und sehr ihrem Bruder ähneln."
"Zum Verwechseln! – Doch das ist eben der Punkt, über den ich Ihre Ansicht hören möchte. Sie haben der Fürstin selbst mit hülfe meines scharfen Opernglases nie in's Gesicht gesehen?"
"Wie sollte ich. Sie ist, wenn Sie auch auf den Terrassen erschienen ist, stets in dichte undurchsichtige Schleier gehüllt gewesen."
"Man sagt," sprach der Graf lauernd, "dass sie diese selbst im inneren der wohnung vor der Dienerschaft nicht ablegt?"
"Meinen Sie, mein Herr, dass, um diesen Umstand zu erfahren, weibliche Neugier erst Ihre erlaubnis oder Ihren Wink abgewartet hat?"
Der Graf lachte. "Ich dachte mir's, Mutter Eva verleugnet sich nie! hören Sie, Celeste, wenn der Fürst kommt, hoffe ich, ihn auf irgend eine Weise zu nötigen, selbst wenn der Verwand der merkwürdigen Krankheit seiner Schwester fortdauern sollte, dass er Sie mit ihr in Berührung bringt. Ich bitte Sie, dann aufzumerken, ob die Aehnlichkeit so gross ist."
"Aber wenn die Fürstin verschleiert bleibt?"
"So suchen Sie wenigstens ihr Haar – die auffallende Form ihres Kinnss – irgend ein Kennzeichen zu sehen."
"Was soll das bedeuten? Hegen Sie Misstrauen gegen die Identität der Dame?"
Der Oberst sann eine Weile nach, dann sagte er entschlossen: "Ihr Interesse, Celeste, ist trotz aller Ihrer Launen mit dem meinen so eng verbunden, dass ich Ihnen vertrauen kann. Ich glaube, der Fürst täuscht uns, uns und die Welt."
"Wie meinen Sie das?"
"Ich meine, dass die Fürstin Iwanowna gar nicht hier, – dass sie tot oder wenigstens weit von hier entfernt ist."
"Sie träumen!"
"Das passirt Männern, wie ich bin, selten. Sie müssen wissen, Celeste, dass ich aus Familienverbindungen einigen Anspruch auf die Hand der jungen Dame habe und dass auch der Kaiser, unser Herr, der Verbindung seine Zustimmung nicht versagen würde. Ihr Eigensinn – meinetwegen ihre Abneigung hat jedoch bisher alle meine Bewerbungen zurückgewiesen, und ihr Charakter, der den schwachen, wankelmütigen ihres Bruders beherrscht, ist der Art, dass er jeden Entschluss durchsetzt."
"Das würde indess noch immer nicht diese Comödie erklären."
"hören Sie erst aus. In Paris hat die Fürstin Iwanowna einen französischen Offizier auffallend ausgezeichnet und – ich täusche mich nicht darin – sie liebt ihn."
"Warum nicht? – die Franzosen verstehen, den Frauen zu gefallen."
"Der Henker hole die Weiberknechte! Ich habe den Bruder und den Galan zwar entzweit, aber ich kenne den Charakter dieses stolzen, eigensinnigen Mädchens, und wenn ich nicht selbst erfahren, dass der Franzose bei der Orient-Armee ist, würde ich glauben, sie sei in Paris in seiner Nähe geblieben."
Celeste lachte. "Das ist ein sehr unwahrscheinlicher Roman, Graf. Ihr Hass oder Ihre Eifersucht – Sie sehen, wie anspruchslos ich bin – führen Sie irre. Viel wahrscheinlicher ist es, dass die Schöne in ihrer Liebe zu dem Gegner Ihres Volkes bloss die Einsamkeit gesucht, um" – sie machte eine Verbeugung – "lästigen Bewerbungen aus dem Wege zu gehen."
"Warum lud uns der Fürst aber gerade hierher ein?"
"Der Zufall der Begegnung hatte vielleicht sein Spiel – vielleicht wurde die gelegenheit benutzt, Sie sicher zu machen. Während Sie krank lagen, ist die Fürstin über alle Berge, und alle die Vorsichtsmassregeln galten nur