verwahrte Bucht bildete.
Die acht Reiter trugen sämtlich die grauen russischen Militairmäntel, und die hohen schlanken Lanzen erwiesen wenigstens sechs von ihnen als Kosakken von der Armee. Von den drei Vorausreitenden zeigte sich der Eine als ein schöner junger Mann mit dunkelblonden jetzt vom Regen feuchten Locken unter der Militairmütze, der Andere als ein rauher finsterer Greis – Michael, der Tabuntschik, aus der Steppe von Berislaw, der Unglückliche, der die Verbündeten nach Balaclawa geführt.
Der junge Fürst, der an seiner Seite ritt, hatte mit sorgsamer Pflege ihn in sein eigenes Quartier in der Stadt bringen lassen und ihn, als er dieselbe verlassen musste, treuen Händen anvertraut. Auf seinen Befehl blieb Iwan, der alte Jessaul1, mit einem seiner Enkel bei ihm und pflegte ihn während des hitzigen Fiebers, das sich seiner bemächtigt und das ihn die wildesten Irreden ausstossen liess. Erst auf dem Rückzug von der Inkermann-Schlacht betrat der Fürst wieder die Stadt und nahm den Greis, den seine riesige natur die Krankheit hatte überstehen lassen, mit sich nach Baktschiserai. Eine noch finstrere Melancholie als früher hatte sich des Alten bemächtigt, er vermied den Umgang mit Menschen und sein einziger Verkehr mit dem alten Kosackenhäuptling bestand in Nachrichten, die er sorgsam über den Stand der Verteidigung und der Gefechte von diesem einzog. Als er wieder so weit gekräftigt war, um ausgehen zu können, strich er, unbekümmert um die feindlichen Kugeln, in den Strassen der Stadt und in den Verteidigungslinien schweigend umher, oft an den gefährlichen Stellen sich gleichgültig aussetzend, um die feindlichen Batterieen zu beobachten. Nie aber legte er eine Hand an irgend eine Arbeit der Verteidigung, und das hohe Greisenalter, das sein Aussehen zeigte, ersparte ihm jede Aufforderung, während Iwan und sein Enkel überall sich tätig zeigten.
In einem Punkt nur begegneten sich die Sympatieen der beiden alten Männer, in der Zuneigung zu dem jungen Fürsten, und nur der Befehl, den derselbe ihnen gesandt, seine Ankunft in der Stadt abzuwarten, hinderte sie, ihm in das Lager zu folgen. Nachdem dies nach dem Tage von Inkermann geschehen, war es übrigens auffallend, welchen Einfluss der greise Tabuntschik trotz seines einsylbigen finstern Wesens über den Jüngling gewann und den, gleichsam sich höherer Autorität und Berechtigung beugend, auch der alte Jessaul anerkannte. Mitleid mit dem Greise, dessen patriotische Absicht so grosses Unheil herbeigeführt, und von dem Alles, was er gesehen, und gehört, ihn nicht zweifeln liess, dass er einst bessere Tage gekannt, hatte den jungen Mann zuerst bewogen, sich seiner anzunehmen und diese Teilnahme dauerte in gesteigertem Maasse fort, obschon alle seine fragen nach den früheren Schicksalen des Greises von diesem ohne Erwiederung gelassen wurden. Auch Iwan, der Kosack, verriet mit keiner Sylbe, dass er die furchtbare Vergangenheit und den geächteten Namen des Mannes kannte. Er bewachte bloss aufmerksam den jungen Fürsten, in dessen Dienst er getreten, gleich als fürchte er, dass die Nähe des Tabuntschik ihm Unheil bringen werde.
"Es ist seltsam, Djeduschka," sagte der Fürst, indem er sich zur Anrede an seine beiden alten Begleiter des gemütlichen russischen Schmeichelwortes bediente, "es ist seltsam, wie sicher Du uns geführt und wie genau Du die ganze Gegend selbst in diesem Unwetter wieder erkennst. Warst Du schon auf Schloss Aju selbst?"
"Es sind dreissig Jahre," sagte der Alte ausweichend, "seit mich der Pferdehandel zum letzten Mal bis Kertsch geführt hat. Felsen und Meer bleiben aber dieselben, nur die Menschen verändern sich."
"Mich däucht," wandte sich der junge Mann an den Jessaul, "ich sehe, trotz des Regens und obschon uns der Sturm den Gischt der See in die Augen treibt, Leute auf dem Wall der Burg und am Tor. Olis, Dein Enkel, den wir vorausgesandt, hat also den Weg gefunden und unsere Ankunft gemeldet."
"Die Heiligen haben ihn beschützt in diesem Unwetter. Er ist ein treuer und eifriger Knabe."
"So lasst uns die Pferde antreiben, dass wir die Höhe erreichen und unter Dach kommen. – Da ziehen sie die russische Fahne auf der Spitze des Turmes auf. Seht, wie der Sturmwind sie peitscht!" – Er gab seinem kleinen an die Anstrengungen solcher Ritte besser als ein Racepferd gewöhnten Steppenross den Kantschuh und Alle ritten in scharfem Trabe den Klippen zu, auf deren beiden Plateau's sich eine Schaar von Dienern und Leibeigenen versammelt hatte. Nach einem beschwerlichen Steigen auf dem vielfach gewundenen Pfade den Felsen hinan, der zu dem linken teil des Schlosses führte, erreichten sie die heruntergelassene Zugbrücke und den Platz vor dem Tore. Ein dreimaliges "Urrah!", mit zahlreichen Segenswünschen und Anrufungen verschiedener Heiligen gemischt, begrüsste sie, und während der alte Kastellan des Schlosses ehrerbietig sich fast bis zur Erde beugend, zu dem Pferde seines Herrn trat, diesem auf einem hölzernen Teller Brod und Salz zum Zeichen des Willkommens überreichte, und dann den Gaul am Zügel in den Schlosshof führte, umdrängte ihn das Schlossgesinde, leibeigene Tataren und Russen, seinen Mantel, seine Stiefeln oder die Decke seines Pferdes küssend.
Während Fürst Iwan vom Pferde sprang, fragte er den Kastellan: "Wie geht es der Fürstin, meiner Schwester, und wie befindet sich die fremde herrschaft?"
"Die Gospodina, Herr," berichtete der Verwalter, "erwartet Dich, die Heiligen haben ihr leider noch immer nicht volle Gesundheit verliehen und wir sehen sie selten. Seine Erlaucht