und dies geschah mit heldenmütiger Aufopferung. Während die Artillerie nach der Inkermann-brücke abfuhr, schlugen sich das Jakutski'sche und Selenginski'sche Regiment an den Abhängen der Höhe und Bosquet musste wiederholt die Reihen seiner Brigaden auf's Neue ordnen.
Nachdem die Artillerie in Sicherheit war, bewerkstelligte die russische Infanterie ihren Rückzug, indem die Regimenter Wladimir und Susdal denselben deckten, den Boden mit ihren Leichen besäend unter den wiederholten Angriffen der Franzosen. Erst das Feuer der am Ausfluss der Tschernaja postirten Dampfschiffe Wladimir und Chersones machte der Verfolgung ein Ende. Die Russen zogen sich teils über den Fluss, teils auf der Sappeurstrasse nach der Stadt zurück. Um halb drei Uhr Nachmittags war die Schlacht zu Ende.
Dreitausend russische Leichen deckten die Wahlstätten, ausserdem fast ein Drittel der Verwundeten, deren Zahl an sechstausend betrug.
Der Verlust der Verbündeten war nur wenig geringer. Lord Raglan hat, wie die eigenen Fugeständnisse der englischen Correspondenten beweisen, ganz einfach g e l o g e n , indem er offiziell den Verlust der Briten auf 464 tote und circa 2000 Verwundete angiebt. Der Verlust der Engländer betrug in der Tat 5000 Mann und die Franzosen verloren 2000 tote und Verwundete.
Nach den Briefen des französischen Brigade-Chefs Bourbaki befanden sich im englischen Lager nach der Schlacht nur noch 10,000 Kampffähige; die 2. Division war bis auf 300 Mann zusammengeschmolzen, das 95. Regiment der Brigade Pennefater zählte nur 64 Mann. Einunddreissig Offiziere der Garde waren gefallen.
Das Schlachtfeld bot einen grässlichen Anblick – die Hohlwege und Abhänge waren bedeckt mit Haufen von toten und Sterbenden. Achtundvierzig Stunden dauerte nach dem geschlossenen Waffenstillstand das Suchen und Fortbringen der Verwundeten.
Das war das Drama von Inkermann, ein Gemetzel ohne Sieg, ein Kampf ohne Erfolg. Glücklich, die der Ehrentod auf dem Schlachtfelde den furchtbaren Leiden und Schrecken entzogen hatte, welche der nahende Winter über beide Armeen häufen sollte!
Fussnoten
1 Wirtshausbrücke. 2 Fitzroy Somerset, Lord von Raglan. Das Stammhaupt der Somersets führt den Titel: Herzog von Beaufort. 3 Historische Anecdote, wiewohl kaum glaublich! 4 Die von Kaiser Nicolaus eingeführten Militairmäntel.
Des Meeres und der Liebe Wogen.
Es war am Morgen des 17. November, als ein kleiner Reitertrupp sich von dem inneren des Landes her den Felsenabhängen näherte, welche das berühmte Ufer der Yalta vom Cap Aitodar bis zum Golf von Kaffa bilden. Nicht prangte jene kaiserliche Phantasie Orianda, welche das Genie Schinkels geträumt, jetzt in den warmen duftigen Farbentönen eines orientalischen Frühlings; Livadia, Nikita und Alushta – die zauberhaften Felsenhöhen, hatte das Nahen des Winters ihrer Orangendüfte und Rosenfelder entkleidet; – das in seiner Ruhe so durchsichtige Meer war kein Spiegel von Licht und Azur, der Himmel kein Gewölbe unendlicher klarheit, unbeschreiblich duftiger Farben mehr! – Durch die Schluchten des Jaila-Gebirges, über die bleigraue Fläche des Meeres, durch den Wolkendom fegte der Sturmwind, Hagel und Regen, die bösen Vorboten des Winters, vor sich her peitschend; in wilden Bergen wälzte sich seit vierundzwanzig Stunden die See gegen das Felsenufer, an dessen Wänden sie zu weissem Gischt und Schaum emporbrandete.
Wehe dem Schiffe, das in diesem Wetter nicht vom sicheren Hafen umschlossen und geschützt war, oder wenigstens die offene See zu halten vermochte.
Die kleine Reitergruppe näherte sich rasch auf der Strasse von Kirsuff her und hatte offenbar ihren Weg nach einem altertümlichen phantastischen Bau gerichtet, der sich auf der Höhe des Vorgebirges AjuDagh von den Wolken abzeichnete und einen weiten Rundblick über Land und Meer gewähren musste. Es war ein Felsenschloss, halb Ruine, halb durch prächtige Neubauten zur Villa umgeschaffen, aber offenbar sehr unzugänglich gelegen und leicht gegen jeden Angriff zu verteidigen, da es auf der Landseite Wälle und Mauern führte. Der Ban bestand aus zwei Teilen, auf den breiten Gipfeln zweier Klippen errichtet und durch eine Kluft geschieden, über die eine hängende brücke führte. Der teil zur Linken war mehr Veste als Landhaus, und einzelne riesige Mauertrümmer deuteten darauf hin, dass sein Ursprung den ältesten zeiten, vielleicht noch dem Pontischen Reich und der Regierung des Mitridates angehörte, von der sich so zahlreiche und erhabene Trümmer an dieser Küste bis nach Kertsch, dem Panticapea der Alten, hinauf finden. Wenigstens sprachen dafür die prächtigen Säulenschafte und Capitäle, die in dem grossen vierekkigen Mittelturm eingemauert waren, der offenbar von den Genuesen errichtet war. Einige Anbauten im Styl des Mittelalters, Wall und Ringmauer mit einer wieder in Stand gesetzten Zugbrücke, die über einen tiefen Felsspalt führte, zeigten, dass der Ort den ritterlichen Handelsleuten einst zur Beste gedient hatte.
Der gegenüberliegende teil des Seeschlosses wies einen modernen Bau aus der Zeit des Glanzes jenes mächtigen Günstlings, dessen Intriguen und Feldzug Taurien zu den Füssen seiner kaiserlichen Herrin legten, Potemkin's, dessen Wink Zauberschlösser aus dem Boden stampfte und Wüsteneien bevölkerte für die Aussicht einer flüchtigen Stunde. Eine nicht weitläufige, aber prächtige Billa im Rococo-Geschmack mit breiter Veranda, marmornen Bassin's und Arcaden hüllte sich, jetzt dem Sausen des Sturmwindes freigegeben, während der schönen Jahreszeit in den prächtigen Mantel von Cypressen und wilden Feigenbäumen. Auf einer Felsspitze in der Nähe standen die ziemlich wohlerhaltenen Ruinen eines unverkennbar antiken Tempels. Von beiden so verschiedenartigen Teilen des Schlosses senkten sich breite wohlerhaltene Terrassen mit Wein- und Feigenspalieren und mit jetzt gegen die rauhen Stürme wohl umhüllten prächtigen Orangenbäumen besetzt, bis zum Strande des Meeres, das hier eine kleine, ziemlich geschützte und durch zahlreiche Klippen am Eingang nach Aussen hin