Ein junger Offizier vom Generalstabe des Fürsten Menschikoff, der, wie viele seiner Kameraden, sich dem Stabe des Generals Dannenberg angeschlossen, hielt mit mehreren Kosacken in der Nähe.
"kapitän Iwan Oczakoff!"
Der Offizier salutirte.
"Sie kennen den Grossfürsten Nicolaus persönlich. Er begleitet, wie Sie gesehen haben, das Selenginski'sche Regiment, das in diesem Augenblick sich in der grössten Gefahr befindet. Suchen Sie Seine Kaiserliche Hoheit auf und sagen Sie ihm, ich liesse bitten – nein, ich liesse ihm als kommandirender General befehlen, Sie auf der Stelle hierher zu begleiten."
Der junge Fürst beugte sich über den Sattelknopf seines Pferdes und flog davon, indem ein Wink seiner Hand seine Begleiter ungeduldig bei der Suite des Generals zurückhielt. Ihre ängstlichen Blicke sahen ihn in dem Meer von Pulverdampf verschwinden, welcher in der Richtung der genommenen Redouten Berg und Tal bedeckte.
Oberst Sabatinski, der Kommandirende des Selenginski'schen Regiments, hatte bereits die Ordre zum Rückzug erhalten; das Ochotski'sche Regiment war schon auf demselben begriffen und somit das seine dem vollen Stoss der frischen französischen Truppen preisgegeben. In drei Bataillons-Colonnen formirt, dicht geschlossen erwarteten die Russen den Stoss. In diesem Augenblick gelangte Fürst Iwan zum Regiment und erkannte in der mittelsten Colonne den Grossfürsten.
Er war an seiner Seite, als die französischen Hörner dicht vor den Fronten im Pulverdampf erklangen und unter dem donnernden Kaiserruf das dritte Zuaven-Regiment auf die Russen stürzte, während rechts und links die afrikanischen Jäger attakirten.
Der erste tolle Anlauf der Franzosen prallte an der Unbeweglichkeit der russischen massen ab. Die Glorie der Zuaven ist der Einzelnkampf. General SaintPol, welcher sie führte, sammelte in kurzer Entfernung das Regiment zur neuen Attake, während die Russen langsam zurückgingen. Die französischen Plänkler unterhielten ein scharfes Feuer aus ihren kurzen Büchsen.
Der Grossfürst weigerte sich, das bedrohte Regiment zu verlassen – erst die bestimmte Erklärung des Obersten Sabatinski nötigte ihn dazu, als ein Schuss sein Pferd traf. "Du siehst, Fürst," sagte der junge Kaisersohn, "dass ich nicht fort kann. Ich werde zu Fuss mit den Braven kämpfen!" Fürst Iwan war bereits vom Pferde gesprungen. "Eure Kaiserliche Hoheit kennen meinen Befehl und werden mein Pferd nehmen!" Nur mit Mühe verstand sich der Grossfürst endlich dazu und verliess unter dem Kugelregen die Colonne. Er war kaum entfernt, als der zweite Ansturm der Franzosen in die Reihen der Russen brach und sie diesmal zu sprengen drohte. Die ersten Glieder wurden zu Boden geworfen, ein blutiges Handgemenge mit Bajonnet und Kolben begann. Von zwei Seiten drangen die Zuaven in die russische Stellung. –
"Der Teufel soll mich holen, wenn das nicht der verrückte Jean ist, welcher der hübschen Hexe, Deiner Schwester, davon gelaufen sein muss," sagte mitten im Gewühl des Angriffs ein bärtiger Zuaven-Sergeant zu seinem Nebenmann, einem kräftigen, mutigen Krieger, der eben wieder sein Gewehr lud.
"Wo, Papa Fabrice? – Der junge Russe im Mantel? – Parbleu! es ist Jean und wir müssen ihn wiederhaben, den blödsinnigen Burschen!" Damit warfen sich die Zuaven in eine Lücke des Getümmels und schlugen sich nach der Stelle durch, wo sie den jungen Offizier bemerkt hatten. Ein Degenstoss empfing den Bruder der Marketenderin, so dass er ihn nur mit Mühe zu pariren vermochte. – "Der Bursche ist verrückt wie ein Märzhase oder ein wirklicher Ueberläufer," schalt der Sergeant und schleuderte den jungen Mann zu Boden, der sich verzweifelt wehrte, indess Bourdon mit zwei russischen Infanteristen vollauf beschäftigt war, die ihn angriffen. – "Der Tölpel ist schlimmer, als ich dachte, und mir lang' im Weg gewesen! Zum Teufel mit ihm!" Der Sergeant, erbittert über den Pistolenschuss, den der Offizier, schon am Boden, nach ihm abfeuerte und der seine bärtige Wange streifte, hob das Gewehr, um dem Gefangenen einen Kolbenschlag auf den Kopf zu geben, als ein Säbel schützend dazwischen fuhr, der Säbel eines französischen Offiziers. "Quartier, Canarade, pour cet enfant!" Zugleich wurde der Zuave von der Seite her angegriffen und das Gewühl trennte ihn im Augenblick von der Gruppe. Der französische Offizier aber, der die Uniform eines Bataillons-Kommandanten trug, bog sich vom Pferde und riss den jungen Russen in die Höhe. "Vous êtes mon prisonier, mon Prince, mais sauvez vous-en! – Vite!" – Der Vicomte, denn dieser war es, der Fürst Iwan erkannt, warf sein Pferd nach einer anderen Richtung des Gefechts, durch diese Bewegungen die Flucht seines Feindes deckend. Als er sich noch ein Mal umsah, war der junge Fürst glücklich in den Reihen der Seinen, die, von der zweiten Bataillons-Colonne unterstützt, sich wieder gesammelt hatten und den Franzosen im langsamen Rückzug die Spitze boten.
Der kurze Zwischenfall des Kampfes war an dem Vicomte wie eine Erscheinung vorübergegangen und nur die Wunde am linken Arm, die er bei der edlen Sicherung des Entkommens seines Feindes durch einen Bajonnetstich erhalten, bewies ihm materiell die Wirklichkeit der Begegnung. –
Die Regimenter Pawloff's, durch den fünfstündigen Kampf erschöpft, vermochten der Uebermacht, welche jetzt durch die Ankunft der Franzosen auf Seite der Alliirten war, obschon die Engländer nicht mehr als 8000 Mann noch zum Gefecht disponible hatten, nicht zu widerstehen und räumten das Schlachtfeld. Es galt nur noch, den geordneten Rückzug zu decken,