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Treffen gelang es den Engländern, ihre weitere Stellung zu bilden.

Noch im Schutz des Nebels drängten das Borodin'sche und Tarutinski'sche Jäger-Regiment von der Colonne Pawloff's, nachdem sie die Hohlwege erstiegen, die Brigaden Pennefater's zurück und griffen die Redoute Nr. 1 an. Das Tomski'sche und Koliwanski'sche Regiment, unterstützt durch das Regiment Catarinenburg, warfen sich trotz des furchtbaren Flankenfeuers der vier englischen Brigaden Codrington, Buller, Campbell und Gordon, mit dem Bajonnet auf die Brigaden Adams und Pennefater. Der Ruhm, den die Engländer sich stets angemasst, dass keine Truppen der Welt sich mit ihnen im Bajonnetkampf messen können, wurde hier vernichtet. Die russischen Bataillone drangen mit unwiderstehlicher Macht vor, obschon die Kräfte auf diesem teil des Schlachtfeldes ganz gleich waren. Das Gemetzel war entsetzlich, fast jeder Stoss der Bajonnete brachte eine tödtliche Wunde, aber über die Fallenden und Sterbenden stürmten neue Kämpfer in die Reihen. Das "Urrah" der Russen, wie sie in dem Talgrund in geschlossenen Colonnen vordrangen, klang wie der Donner einer Lawine, und gleich einer solchen rollten sie die englischen Bataillone auf. Die Artillerie Ssoimonoff's sandte zugleich von der Höhe ihre Kugeln bis in die Zelte des englischen Lagers, ein Bataillon des Tomski'schen und zwei Bataillone des Koliwanski'schen Regiments stürmten die Redoute Nr. 2., vernagelten zwei Lancaster-Kanonen und drangen bis in's Lager der 2. Division. Zwei Bataillone Catarinenburg unter ihrem tapfern Oberst Uwaschnow Alexandrow umgingen sogar das obere Ende des Kilengrundes, gelangten so auf das Terrain, das die Colonne Ssoimonoff von Anfang hätte occupiren sollen, stürzten sich hier auf das Lager und vernagelten die Geschütze.

Doch sie blieben ohne Unterstützung; – GeneralMajor Wilboa, der Kommandirende der drei Regimenter, fiel, von einer englischen Kugel getroffen, die Miniébüchsen der Schützen der leichten Division Brown räumten furchtbar unter den Russen auf und die tapferen Bataillone mussten ihre Vorteile wieder aufgeben und, fast aller Offiziere beraubt, bis an den Hohlweg zurückgehen, der die Steinbrüche an dem Kilengrund bildet.

Hier war es, wo der unerschrockene S s o i m o n o f f mit seinem Blute den begangenen Fehler sühnte. Der Kommandant seiner Artillerie, Oberst S a g h o s k i n , fieldie Artillerie-Bedienung, die Zugpferde wurden von den weitin treffenden Kugeln der Engländer niedergeworfen, erst unter'm Schutz der vom General-Major Schabokritski in vorteilhafter Stellung aufgefahrenen Batterieen gelang es den russischen Regimentern, sich wieder zu formiren. Sie hatten furchtbar durch den Heldenkampf gelitten und mussten aus der Schlachtlinie zurückgezogen werden. In den drei Regimentern waren nur noch zwei Stabs- und fünfzehn andere Offiziere ohne schwere Wunden. Neue russische Regimenter nahmen hinter den Batterieen Stellung und eine Kanonade begann. – Auf der Höhe hinter diesen Batterieen der ersten Linie hielt der Oberbefehlshaber der russischen Angriffscolonnen, General D a n n e n b e r g , und der Tod um ihn her mähte eine reiche Erndte. Offiziere des Generalstabes, Adjutanten und Ordonnanzen wurden ringsum getödtet, dem General selbst zwei Pferde unter dem leib erschossen.

Während dieses wilden Kampfes an dem obern Ende des Kilengrundes hatten die beiden Regimenter des Pawloff'schen Corps, die sich gegen die Redoute Nr. 1 und die Brigaden Adam's und Pennefater's gewendet, dieselben zurückgedrängt und stürmten wiederholt die Redoute, in welcher sich kapitän Armstrong mit den erhaltenen Verstärkungen mit Löwenmut schlug. Dem muntern O'Mallei schlug eine Kugel durch den Mund und schloss ihn auf ewig; der treue Mickei schleppte seinen tapfern Herrn schwer verwundet aus dem Kampf; die Russen drangen wiederholt bis an die Mündungen der Kartätschen-sprühenden Geschütze Lundgreen's vor, und für die toten, die Bajonnet und Kolbe der Engländer von den Brustwehren schleuderte, klommen mit jener zähen Gleichgültigkeit gegen Gefahr und Leben neue Schaaren empor. Schon waren Einzelne in das Innere der Batterieen gesprungen und kämpften mit den Artilleristen, da – – –

"Vive l'Empereur!" – –

Früh 7 Uhr war Lord R a g l a n mit seinem Stabe auf dem Schlachtfelde eingetroffen, wo bereits, mit Ausnahme der Brigaden Colin-Campbell und Eire, die in den Trancheen und bei Balaclawa standen, die ganze englische Macht im Feuer war. Um den gang des Gefechtes besser zu überwachen, ritt er in die Schlachtlinie voran seiner Seite fiel hier der Chef seiner Artillerie, General S t r a n g w a y ' s , der bei Leipzig als Kommandant einer Raketen-Batterie ruhmvoll seine Laufbahn begonnen.

Bald nach Beginn des Angriffs schon eilte General B o s q u e t , der Kommandant des französischen Observations-Corps auf dem Sapunberg, in das britische Lager, gefolgt von 4 Compagnieen Vincenner Jäger, 2 Bataillonen Infanterie und 2 reitenden Batterieen. Er bot den Generalen Catcart und Brown seine Hilfe, doch die hochmütigen Briten, noch nicht gedemütigt von der Decimirung ihrer Regimenter, lehnten den Beistand ab und erklärten, noch Truppen in Reserve zu haben. Nur wenn die Redoute Nr. 1 in die hände der Feinde fiele, würden sie um Unterstützung ihres rechten Flügels bitten. Bosquet, weit verständiger, als die Engländer, sandte ohne Weiteres die mit ihm gekommenen Truppen der Redoute zu Hilfe und kehrte nach seinem Posten auf dem Sapunberg zurück, um sich selbst von der Wichtigkeit des Angriffs zu überzeugen, der dort von Tschorgun her